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Das Jugendamt der Stadt Offenbach hat sich erfolgreich für das Förderprogramm "JUGEND STÄRKEN im Quartier" beworben und führt dieses bis Ende 2018 in Offenbach.

Mit "JUGEND STÄRKEN im Quartier" bündeln erstmalig zwei Bundesministerien Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) in einem gemeinsamen Programm: Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) unterstützen in der aktuellen ESF-Förderperiode Angebote für junge Menschen zur Überwindung von sozialen Benachteiligungen und individuellen Beeinträchtigungen am Übergang von der Schule in den Beruf. Der Schwerpunkt liegt in den Gebieten der „Sozialen Stadt“ und vergleichbaren Brennpunkten. Durch das Programm soll die kommunale Jugendsozialarbeit vor Ort entscheidend gestärkt werden.

Die Angebote sollen insbesondere jungen Menschen im Alter von 12 bis 26 Jahren zu Gute kommen, denen eine Perspektive für die Zukunft fehlt und die durch andere Angebote besonders schwer zu erreichen sind: Dies können zum Beispiel schulverweigernde Jugendliche oder Abbrecher/innen von Arbeitsmarktmaßnahmen sowie junge neu Zugewanderte mit besonderem Integrationsbedarf sein. Das Modellprogramm kombiniert verschiedene sozialpädagogische Angebote, die passgenau entsprechend der Bedarfslage der Zielgruppen vor Ort ausgestaltet werden können.

Das Programm:

Das Förderprogramm umfasst zwei unterschiedliche Schwerpunkte:

1. Projekte:
Im Zentrum des Programmteils "Projekte" steht mit dem Case Management eine intensive sozialpädagogische Einzelfallarbeit und eine langfristig angelegte beratende Begleitung der Jugendlichen. Die Projekte können in ihrer konzeptionellen Ausgestaltung ergänzt werden durch Module wie aufsuchende Arbeit oder niedrigschwellige Beratung bzw. Clearing.

2. Mikroprojekte:
Sie werden in den explizit beantragten Fördergebieten (Quartiere) umgesetzt. Sie sollen das Case Management ergänzen und ermöglichen es den Jugendlichen, sich in handlungsorientierten Lernfeldern jenseits von Schule und Ausbildung entwickeln zu können. Gleichsam schaffen sie einen Mehrwert für die Quartiere und tragen zur Aktivierung der im Quartier lebenden jungen Menschen bei.

Finanzierung:

Mit 1,6 Millionen Euro für den Zeitraum von Anfang 2015 bis Ende 2018 hat das Jugendamt der Stadt Offenbach für sein Vorhaben das höchstmögliche Projektvolumen beantragt und auch bewilligt bekommen. Der Antrag der Stadt Offenbach gehört außerdem zu jenen besonders prämierten Anträgen, die einen Bundeszuschuss in Höhe von 10 % ihrer Gesamtausgaben – für Offenbach also 160.000 € – erhalten, weil die Förderung der Zielgruppe „junge neuzugewanderte Menschen“ als besonders stringent und förderfähig eingestuft worden ist. Durch diesen Bonus reduziert sich die eigentlich auf 50% festgelegte Kofinanzierung von 800.000 € auf 640.000 €. Die Stadt Offenbach spart damit 160.000 € und die Fördersumme durch ESF und Bund erhöht sich auf 960.000 €.

Die Umsetzung des Programmvorhabens in Offenbach

Koordinierungsstelle

Das Jugendamt der Stadt Offenbach hat in den vergangen Jahren bereits umfangreiche Erfahrungen mit den Vorgängerprogrammen von „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ gesammelt.

So hat die Fachstelle Jugendhilfe-Schule des Jugendamtes im Rahmen des Vorgängerprogramms „JUGEND STÄRKEN: Aktiv in der Region“ (2010-2013) die Arbeit mit der Zielgruppe der schulverweigernden Jugendlichen als explizites Handlungsfeld der Kooperation mit den Schulen eingeführt und diese Zusammenarbeit sukzessive auf alle drei Haupt- und Realschulen mit Förderstufe sowie alle drei Gesamtschulen der Stadt ausgeweitet. Die beantragten Projekte innerhalb von „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ sollen diese begonnene Arbeit ergänzen und konzeptionell weiterentwickeln.

Das Jugendbildungswerk des Jugendamtes hat von 2009 bis 2011 mit großem Erfolg das Programm „STÄRKEN vor Ort“ in Offenbach koordiniert. Die Mikroprojekte innerhalb von „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ knüpfen in ihrer inhaltlichen Ausrichtung   an das „STÄRKEN vor Ort“-Programm an.

Die für die Umsetzung von „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ erforderliche Koordinierungsstelle teilen sich die Leiter der Fachstelle Jugendhilfe-Schule (Roberto Priore) und des Jugendbildungswerkes (Harry Köhler). Sie entwickeln damit die Vorhaben, koordinieren die Verzahnung von Projekten und Mikroprojekten sowie die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren und Programmen (Staatliches Schulamt, Kommunales Jobcenter MainArbeit, Agentur für Arbeit, Quartiersmanagement, Jugendeinrichtungen, BIWAQ).

Schaubild: Fördergebiete des Programms „JUGEND STÄRKEN im Quartier“
Fördergebiete des Programms „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ in Offenbach © Stadt Offenbach

Fördergebiete

Das Förderprogramm konnte per se für die Gebiete der Sozialen Stadt (HEGISS) beantragt werden. Neben den beiden Fördergebieten „Südliche Innenstadt“ (HEGISS II-Gebiet / Senefelder Quartier) und „Nordöstliche Innenstadt“ (Mathildenviertel - HEGISS I und Nordend) wurde auch die regional nicht zusammenhängende Region „Hochhausquartiere“ aufgrund ihres hohen bildungsrelevanten sozialen Belastungsindexes, als drittes Fördergebiet beantragt und bewilligt. Sie umfasst Hochhaus-Wohnblocks im Lauterborn, in Bieber-Waldhof, Im Eschig, und in Bürgel-Rumpenheim.

Programmbereich Projekte

Das Vorhaben des Jugendamtes umfasst drei Projekte und zielt auf die Unterstützung von intensiv die Schule verweigernden Jugendlichen (Projekt 1), von abschlussgefährdeten Jugendlichen am Übergang Schule-Beruf (Projekt 2) sowie von neu zugewanderten Jugendlichen mit besonderem Integrationsbedarf (Projekt 3). Während das Projekt 2 direkt an Bach- und an Mathildenschule umgesetzt wird, werden die Projekte 1 und 3 zentral durchgeführt mit einer Zuständigkeit für alle Fördergebiete und Schüler/innen aller sechs kooperierenden Schulen (Bachschule, Ernst-Reuter-Schule, Mathildenschule, Edith-Stein-Schule, Geschwister-Scholl-Schule, Schillerschule). Insgesamt kann das Jugendamt für die Arbeit in den drei Projekten bis zu 4,0 Stellen einsetzen, die ihre Arbeit in drei Etappen zeitversetzt (zwischen 01.05.2015 und 01.01.2016) beginnen.

Projekt 1: Reintegration von intensiven Schulverweigerern in die Schule

Das Projekt zielt auf die Reintegration von intensiven Schulverweigerern in die Schule. Es wird in allen Fördergebieten und in enger Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt, den Haupt- und Realschulen mit Förderstufe sowie den Gesamtschulen der Stadt umgesetzt. Alle Schüler/innen mit 21 und mehr Fehltagen im Schulhalbjahr werden dem Projekt vom Schulamt bzw. den Schulen genannt, sie sind die Hauptzielgruppe des Projektes. Die Jugendlichen werden über aufsuchende Arbeit (Hausbesuche, Jugendeinrichtungen,…) kontaktiert, um sie an das Case Management heranzuführen. Im Case Management wird mit jedem Jugendlichen und seinen Erziehungsberechtigten eine Zusammenarbeit vereinbart und auf Basis einer Diagnostik werden mit ihm Ziele zur Reintegration vereinbart. Mit der Schule wird ein gemeinsamer Förderplan entwickelt und umgesetzt. Flankierend wird jedem Jugendlichen die Teilnahme an einem Mikroprojekt ermöglicht.

Das Projekt stellt eine Ergänzung zu den vorhandenen Ressourcen und Strukturen („Jugendhilfe an Schule“) der Fachstelle Jugendhilfe-Schule in der Zusammenarbeit mit den Schulen dar.

Projekt 2: Jugendhilfeförderung am Übergang Schule-Beruf

Das Projekt ist Bestandteil des rechtskreisübergreifenden Kooperations-Vorhabens „Abschluss mit Anschluss“, das im achten und neunten Jahrgang an der Bach- und der Mathildenschule gemeinsam vom Staatlichen Schulamt, der Agentur für Arbeit, dem Amt für Arbeitsförderung, dem Jugendamt, der MainArbeit und den Kammern umgesetzt wird. Ziel ist es, die Zahl der Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, zu reduzieren und die Zahl der Jugendlichen zu erhöhen, die nach der Schule erfolgreich in die Duale Ausbildung münden.

Das „JUGEND STÄRKEN im Quartier“-Projekt umfasst innerhalb des Gesamtvorhabens zum einen die Erstellung eines Schülerprofils für alle Jugendlichen (Clearing-Funktion). Zum anderen beinhaltet es das Case Management für jene Jugendlichen, die Gefahr laufen, den Schulabschluss nicht zu erlangen und deren Perspektive am Übergang Schule-Beruf besonders prekär ist. Ziel ist es, diese Jugendlichen zum Schulabschluss zu begleiten, sie in eine Ausbildung zu vermitteln oder – falls es diese Option (noch) nicht gibt – ihnen die Teilnahme an einer Maßnahme am Übergang Schule-Beruf zu ermöglichen. Aktivitäten in den Mikroprojekten können die Jugendlichen in ihrer Lernbiografie und Persönlichkeitsentwicklung unterstützen.

Projekt 3: Förderung und Integration von Seiteneinsteigern

Das Projekt reagiert auf die hohe Zuwanderungsdynamik aus EU-2- (Bulgarien und Rumänien) und EU-10-Staaten (u.a. Polen) in die Stadt. Das Projekt kooperiert mit dem Schulamt, den Hauptschulklassen der Haupt- und Realschulen mit Förderstufe und den Gesamtschulen der Stadt. Ein Ansatz ergibt sich aus der Anbindung an die dortigen Intensivklassen und -kurse, in denen Seiteneinsteiger mit dem Schwerpunktpunkt Förderung, Erwerb und Gebrauch der deutschen Sprache unterrichtet werden. Das Projekt unterstützt aber auch weitere neu zugewanderte Jugendliche aus den genannten Staaten mit Clearing und niedrigschwelliger Beratung sowie Case Management. Ziel ist es, den Jugendlichen ressourcen- und interessensorientierte Angebote zu unterbreiten, die den Fokus Spracherwerb ergänzen und die Jugendlichen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern sowie ihnen gesellschaftliche Teilhabe und Mitgestaltung ermöglichen. Hierfür eignen sich die Mikroprojekte in besonderem Maße.

Programmbereich Mikroprojekte

Die Mikroprojekte knüpfen an das ausgelaufene Programm „STÄRKEN vor Ort“ (2009-2011) an. 77 Mikroprojekte in Kooperation mit 35 Trägern haben ca. 2500 Jugendliche und Frauen in den Fördergebieten Nordend und Innenstadt Ost aktiviert und zu deren sozialer und beruflicher Integration beigetragen. Neu ist im Programm „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ nun die unmittelbare Verknüpfung von Einzelfallarbeit und Mikroprojekten. Mikroprojekte sind Angebote, in denen sich Jugendliche in Gruppenangeboten persönlich und sozial entwickeln können. Ausgehend von ihren festgestellten Förderbedarfen erhalten sie die Möglichkeit, in den Lernräumen der Mikroprojekte ihre Stärken zu entdecken, eine neue Lernhaltung aufzubauen, sich neu zu motivieren, Eigenverantwortung und Verantwortung für ihr soziales Umfeld zu übernehmen.

Der Programmzusatz „im Quartier“ zeigt an, dass diese Projekte in den beantragten Fördergebieten stattfinden müssen. Die quartiersbezogenen Mikroprojekte sollen Jugendliche fördern und zugleich einen Mehrwert für die Quartiere schaffen.

Die Mikroprojekte werden in Offenbach in drei Handlungsfeldern durchgeführt:

  1. Jugendliche beleben die Quartiere mit Events und kulturellen Aktivitäten Sie präsentieren die Ergebnisse im Stadtteil und bei Events. Beispiel: Jugendliche entwickeln einen Quartierssong, präsentieren ihn bei Stadtteilfesten und im Offenen Kanal.
  2. Jugendliche tragen zur Aufwertung des Wohnumfeldes bei durch neue Nutzungsideen für Orte im Quartier und mit deren Gestaltung und Pflege. Beispiel: Jugendliche gestalten als handwerkliches Lernprojekt kreative Sitzgruppen und stellen diese im Stadtteil auf.
  3. Jugendliche stärken das soziale Miteinander im Quartier mit sozialen und handwerklichen Diensten. Beispiel: Jugendliche beteiligen sich an der Durchführung eines Cafébetriebes im Stadtteilbüro.

Neben den Jugendlichen aus den Projekten des Case Managements können auch Jugendliche aus dem jeweiligen Quartier an den Mikroprojekten teilnehmen, insbesondere auch Jugendlichen aus den Jugendeinrichtungen.

Die Mikroprojekte werden im Rahmen von Zukunftswerkstätten mit unterschiedlichen Akteuren im Stadtteil besprochen. Diese Akteure können die Mikroprojekte auch in der Durchführung unterstützen und begleiten.
Um Förderprogramme in den Quartieren gut abzustimmen, werden Verknüpfungen zu vorhandenen und zu entwickelnden Angeboten der Programme HEGISS und BIWAQ hergestellt.

Mitarbeiter/innen des Jugendbildungswerks koordinieren die Planung der Mikroprojekte und führen diese durch. Ein Teil der Mikroprojekte wird durch den Verein „Festplatte-Verein für schulergänzende Bildung“ durchgeführt.

Koordinierungsstelle für das Projekt:

Roberto Priore, Leiter der Fachstelle Jugendhilfe-Schule des Jugendamtes, Roberto.Prioreoffenbachde, 069 – 8065 3455; Schwerpunkt Projekte

Harry Köhler, Leiter des Jugendbildungswerks des Jugendamtes, Harry.Koehleroffenbachde, 069 – 8065 4331; Schwerpunkt Mikroprojekte

Logos der Programmförderer
Logos der Programmförderer © Justiq, BMFSFJ, BMUB, ESF, EU