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Von Offenbach aus ist es nur ein kurzes Stück flussaufwärts: Im Nordosten der Stadt, gleich hinter dem Bürgeler Ortsrand, öffnet sich eine andere, in dieser Nähe zum Siedlungszentrum der Region ganz unerwartete Welt. Unverhofft weitet sich in der markanten Doppelschleife des Untermains die Landschaft. Wiesen, Äcker und Gärten, dazu der große Schultheis-Weiher, prägen das Bild des Bürgel-Rumpenheimer Mainbogens. Ein natürlicher Freiraum am Rande des hochverdichteten Ballungsgebietes, der als Hessische Mainaue größten Teils unter Schutz steht.
Wolkenspiegelung im Schultheisweiher
© Stadt Offenbach

Bereits seit Jahren unternehmen die Stadt Offenbach und das Land Hessen besondere Anstrengungen, um das landschaftliche Kleinod zwischen Main und Kuhmühlgraben, zwischen Bürgel, Rumpenheim, Biebernsee und Waldheim vor Zersiedelung zu bewahren und als naturnahes Naherholungsgebiet weiterzuentwickeln.

Inmitten dieser faszinierenden Auenlandschaft öffnet sich der Schultheis-Weiher mit seiner artenreichen Flora und Fauna, ein Refugium für Mensch und Tiergleichermaßen. Denn der elf Hektar große, aber nur drei Meter tiefe Flachsee ist nicht nur das Kernstück eines 27 Hektar großen Naturschutzgebietes, in dem Priol und Buntspecht brüten, Zugvögel Rast machen und auch der Eisvogel zu Hause ist.

Nutria
© Stadt Offenbach

Baden erlaubt

Der nur durch Grundwasser gespeiste ehemalige Baggersee ist gleichzeitig auch ein beliebter Badesee mit Sandstrand und FKK-Zone. In den Sommermonaten strömen täglich mehrere Tausend Menschen zu diesem einzigartigen Ausflugsziel. Badegäste und Vogelwelt sind lediglich durch eine Bojenkette voneinander getrennt. Ein rücksichtsvoller Umgang der Menschen mit der Natur ist unerlässlich.

In einem Pilotprojekt der Stadt Offenbach und des damaligen Umlandverbandes Frankfurt wurden 1983 erstmals in Hessen Badespaß und Naturerlebnis, Naherholung und Naturschutz harmonisch vereint. Unter dem Namen „Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben“ wurde eine behutsame Annäherung von Mensch und Tier gewagt, das lange Zeit vernachlässigte Industrieareal in ein Naturschutzgebiet verwandelt und in einem Teilbereich auch Baden und Angeln zugelassen.

Badende im Schultheisweiher
© georg-foto.de, offenbach

Nebeneinander von Mensch und Natur

Der Schultheis-Weiher ist heute nach der EU-Badegewässerrichtlinie als Badesee eingestuft. Die Stadt Offenbach hat hierfür die entsprechende Infrastruktur geschaffen. Das Seewasser wird regelmäßig untersucht, für den Badebetrieb sind in den Sommermonaten entsprechende Vorkehrungen getroffen.

1929 hatte hier im Mainbogen die Firma Schultheis damit begonnen, Sand und Kies abzubauen. Gerade in den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg waren diese Rohstoffe gefragt. Doch weil die Bagger in nur drei Metern Tiefe auf Ton stießen, währte der Abbau nur bis in die 1960er Jahre. Manche der ausgebaggerten Flächen wurden mit Erdaushub, Bauschutt und Abfällen verfüllt.

1975 wurde dies behördlich untersagt. Bis Ende der 1970er Jahre entstand zwischen Bürgel und Rumpenheim ein See von über 20 Hektar Größe, der nicht nur Badegäste, sondern auch zahlreiche Vogelarten anlockte. Im Volksmund hieß er rasch Schultheis-Weiher. Der damalige Eigentümer, das Fechenheimer Chemiewerk Cassella, trat das Gelände an den Umlandverband ab. Der leitete zu Beginn der 1980er Jahre zusammen mit der Stadt Offenbach die Entwicklung zu einem Erholungs-, Natur- und Landschaftsschutzgebiet ein.

Grünes Ufer am Schultheisweiher
© Stadt Offenbach

Bedeutendes Vogelschutzgebiet

Schnell eroberte sich die Natur das ehemalige Kiesabbaugebiet zurück. Aufgrund seiner Lage in der Mainaue, einem klassischen Rast- und Durchzugsgebiet nordeurasischer Sumpf- und Wasservögel, wurde der ehemalige Baggersee für die Vogelwelt besonders attraktiv.

Die Tiere machen hier Station zwischen ihren skandinavischen und sibirischen Brutgebieten und den Winterquartieren in Südwesteuropa und Afrika. Die Landschaft rund um den Schultheis-Weiher ist heute ein Vogelschutzgebiet von europaweiter Bedeutung.

Doch immer wieder, vor allem in den heißen Sommermonaten, geriet das flache Gewässer aus seinem ökologischen Gleichgewicht. Mit ganz erheblichen Anstrengungen gelang es der Stadt Offenbach, ab 2006 den See in einem mehrjährigen Sanierungsprogramm mit anschließendem Monitoring zu stabilisieren und das Ökosystem mit neuem Fischbestand und neuer Wasserpflanzenkultur umzustrukturieren und damit die Wasserqualität nachhaltig zu verbessern.

Heute erleben wir das ganze Jahr ein einzigartiges Naherholungsgebiet in seiner vollen Schönheit, denn ebenfalls im Winter hat der Schultheis-Weiher seinen Reiz, auch wenn das Schlittschuhlaufen hier verboten ist.