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Der europäische Kulturwanderweg Hugenotten- und Waldenserpfad folgt auf über 1.800 Kilometern – davon 800 Kilometer in Deutschland – der historischen Fluchtroute der Hugenotten und Waldenser. Aus Frankreich und Italien kommend, führt der Weg durch die Schweiz nach Baden-Württemberg und weiter nach Hessen bis nach Bad Karlshafen. Etwa 16 Kilometer des Hugenotten- und Waldenserpfades führen durch Offenbach.
Karte des Hugenotten- und Waldenserpfades in Offenbach
Karte des Hugenotten- und Waldenserpfades in Offenbach © Stadt Offenbach - Vermessungsamt

Offenbach ist bunt, vielfältig und steckt voller Ideen. Menschen von nah und fern bringen diese Ideen mit. Das hat in Offenbach Tradition. Die Entstehung von Manufakturen und Entwicklung zur späteren Industriestadt verdankt Offenbach auch dem Zuzug hugenottischer Glaubensflüchtlinge im 17. und frühen 18. Jahrhundert. Sie waren versierte Kaufleute und tüchtige Handwerker. Vom isenburgischen Landesherren Graf Johann Philipp mit besonderen Privilegien ausgestattet, entfalteten die Zuwanderer ihr Gewerbe und bewirkten ein Offenbacher Wirtschaftswunder.

Französisch-reformierte Kirche
Zentrale Station des Hugenotten- und Waldenserpfades - die französisch-reformierte Kirche © Stadt Offenbach

Blick in die Geschichte

Seit etwa Mitte des 16. Jahrhunderts bezeichnet der Begriff Hugenotten jene französischen Protestanten, deren Glaube stark von der Lehre des Reformators Johannes Calvin beeinflusst ist. Ab dem 15. Jahrhundert werden diese Andersgläubigen in Frankreich verfolgt. Ihre Situation bessert sich mit dem Edikt von Nantes im Jahr 1598, in dem ihnen König Heinrich IV. religiöse Toleranz garantiert. Doch der absolutistische König Ludwig XIV. hebt mit dem Edikt von Fontainebleau am 18. Oktober 1685 diese Regelung auf.

Die Hugenotten werden aller religiösen und bürgerlichen Rechte beraubt. Rund 250.000 Protestanten verlassen deshalb Frankreich und flüchten sich in andere protestantische Länder. Auch zahlreiche französische Waldenser fliehen aus dem Chisonetal in den Alpen in Richtung Norden. Diese vorreformatorische Glaubensgruppe, die im 12. Jahrhundert entstanden ist, bekennt sich im 16. Jahrhundert zur Reformation und schließt sich später der deutschen lutherischen Glaubensrichtung an.

Südfassade des Isenburger Schlosses
© Bernd Georg

Bis heute sichtbar

Der Einfluss der hugenottischen Einwanderer ist in Offenbach bis heute sichtbar. Eine Reihe von Gebäuden im Stadtgebiet erzählt ihre Geschichte. Sie sind Teil des länderübergreifenden Kulturwanderwegs Hugenotten- und Waldenserpfad. Folgen Sie der ausgeschilderten Route und Sie werden viel Wissenswertes über unsere Stadt erfahren.

In der Innenstadt markieren sieben Infotafeln sehenswerte Orte, die den Einfluss hugenottischer Einwanderer auf die Offenbacher Stadtgeschichte repräsentieren: die Französisch-Reformierte Kirche und das zugehörige Pfarrhaus in der Herrnstraße, das Büsingpalais, ein Gedenkstein für die ehemalige Druckerei André in der Domstraße, der heutige Stammsitz des Musikhauses André in der Frankfurter Straße 28, die ehemalige Textilfabrik André in der Bieberer Straße und das Isenburger Schloss.

Der Fernwanderweg Hugenotten- und Waldenserpfad will das Bewusstsein für das historische Kulturerbe der Hugenotten und Waldenser bewahren und in Verbindung bringen mit aktuellen Themen wie Exil, Migration und Integration.