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Philipp Mainländer
© Stadtarchiv Offenbach
Die Mainländerstraße verbirgt sich zwischen Taunusring und Blumenstraße. Der Mainländer-Gedenkstein versteckt sich im Dreieichpark unter Gebüsch. Es gibt Erinnerungen an den Denker Philipp Mainländer, der im Jahr 1876 Jahren freiwillig aus dem Leben schied. Doch lebendig sind diese Erinnerungen nicht. Nur wenige können mit dem Namen etwas anfangen.

Das war anders, als im Mai 1912 der Stein im Park eingeweiht wurde. Bezahlt haben ihn Verehrer des Aminländer-Gedankenwerks, aber die Stadtverwaltung verpflichtete sich zu dauernder Pflege. Oberbürgermeister Andreas Dullo betonte dies feierlich bei der Enthüllungszeremonie.

Johann Philipp Batz, der sich als Bekenntnis zur Heimat das Pseudonym Mainländer zulegte, entstammte einer Offenbacher Fabrikantenfamilie. Er war das jüngste von sechs Geschwistern, von denen sich außer ihm zwei andere das Leben nahmen. Es mag eine Familienveranlagung sein, dass Johann Philipp in geistiger Verwirrung starb. Er wurde nur 34 Jahre alt, hatte sein Hauptwerk „Die Philosophie der Erlösung“ jedoch abgeschlossen. Dabei hat der 1841 geborene Autodidakt nie eine Universität besucht. Mainländer war in Neapel in seinem erlernten Kaufmannsberuf tätig, als er dort mit der Philosophie Arthur Schopenhauers bekannt wurde. Bei der Rückkehr nach Offenbach 1863 verstand er sich als Schopenhauer-Schüler.

Zunächst arbeitete Batz im väterlichen Geschäft in Offenbach, dann ging er als Bankangestellter nach Berlin, wo er das Pseudonym Mainländer annahm. Seine Freizeit, gehört dem Studium, der Arbeit an seiner Philosophie und dem Verfassen von Gedichten und Novellen.

1874 drängte es ihn in die Armee. Obwohl seine Eltern ihn vom Wehrdienst freigekauft hatten, trat er als Freiwilliger bei den Halberstädter Kürassieren ein. Es muss eine Enttäuschung geworden sein. Nach wenigen Monaten beantragte er seine Entlassung. Dem folgte in Offenbach eine kurze Zeit fruchtbaren Schaffens, ehe sein Geist sich verdunkelte. Er vollendete ein Werk, über das sich, beispielsweise, Friedrich Nietzsche respektvoll äußerte. In der Prägung durch Schopenhauer entwickelte es sich zu einer fief pessimistischen Schau: „Die ganze Welt, das Weltall, hat ein Ziel, das Nichtsein.“ Das Sein entsteht nur zu dem Zweck, sich selbst zu zerstören. Im 21. Jahrhundert kann diese Anschauung nicht veraltet wirken.

Am Morgen des 1. April 1876 fand man Mainländer tot vor seinem Bücherregal im Haus Waldstraße 13. Als er am Vortag die ersten Exemplare seines Hauptwerks ausgepackt hatte, sah der 34-Jährige sein Leben als erfüllt an.

Gedenkstein im Dreieichpark
Gedenkstein im Dreieichpark © Stadtarchiv Offenbach