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Im Januar 2004 wurde im Bernardbau, einem 1896 fertig gestellten Gebäudekomplex mit Verwaltungs- und ehemaligen Fabriketagen in Offenbach, das Haus der Stadtgeschichte - Museum eröffnet. In den Ausstellungsräumen an der Herrnstraße sind nach Entwürfen der Offenbacher Hochschule für Gestaltung moderne und anspruchsvolle Präsentationen entstanden. Eine kurze Zusammenfassung der Offenbacher Stadtentwicklung von Dr. Jürgen Eichenauer
Haus der Stadtgeschichte - Bernardbau
Haus der Stadtgeschichte - Bernardbau © Stadt Offenbach

Als einstiger Produktionsort der 1733 gegründeten Tabakfabrik der Familien Bernard und d'Orville ist die denkmalgeschützte Anlage selbst von stadtgeschichtlicher Bedeutung.

Schwarz-weiß Gemälde des Grafen von Isenburg
Graf Johann Philipp von Isenburg © Stadt Offenbach

Liberale Zuwanderungspolitik

Mit hochrangigen Exponaten werden verschiedene Themen dargestellt: Die Herrnstraße wurde beispielsweise bereits im Jahr 1691 unter Graf Johann Philipp angelegt. Sie weist in ihrem Namen auf den Unterschied zwischen der alteingesessenen, bäuerlich geprägten Bevölkerung und einer wohlhabenderen, zumeist aus Zuzüglern bestehenden und bürgerlich geprägten Schicht hin, die – gewollt und privilegiert durch die isenburgischen Grafen – an den Ausläufern des dörflichen Ortes Offenbach siedelte.

Die Isenburger regierten im 18. Jahrhundert mit liberaler Wirtschafts- und Zuwanderungspolitik, womit die Grundlage einer raschen Industrialisierung gegeben war. Für die liberale Zuwanderungspolitik der isenburgischen Epoche sind vor allem zwei Daten wichtig: Im Jahr 1699 erfolgte die Gründung einer französisch-reformierten Gemeinde, womit aus Frankreich vertriebene Hugenotten ihre Heimstatt in Offenbach fanden, und im Jahr 1708 erfolgte die Gründung einer jüdischen Gemeinde.

Beide leisteten wichtige Impulse für den wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung, der die baldige Stadtwerdung Offenbachs begünstigte. Knapp 6.000 Menschen lebten zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Offenbach. Nach dem Ende der isenburgischen Herrschaft zählte der Ort ab 1816 zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt.

Die Herrnstraße im 19. Jahrhundert
Die Herrnstraße im 19. Jahrhundert (Modell im Haus der Stadtgeschichte) © Stadt Offenbach
Brunnen, HfG und Isenburger Schloss
Isenburger Schloss und benachbarte Gebäude der Hochschule für Gestaltung © Bernd Georg

Fortschreitende Industrialisierung

Der Ausbau des Handels und die Industrialisierung waren Hauptziele der neuen Regierung. Ein großer Erfolg war die 1828 bis 1835 in Konkurrenz zu Frankfurt stattfindende Messe. Auf der Londoner Weltausstellung von 1851 stellten 21 Offenbacher Firmen aus, neun davon wurden mit Medaillen ausgezeichnet oder lobend erwähnt.

Nach der 1871 erfolgten Gründung des Deutschen Reiches veränderten neue Wohn- und Kommunalbauten nachhaltig das Stadtbild, denn die fortschreitende Industrialisierung erhöhte ständig den Bedarf an Arbeitskräften. In den Gründerjahren lebten knapp 20.000 Menschen in der Mainstadt, zur Jahrhundertwende über 50.000, beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914) bereits über 80.000 Menschen.

Mit dem Erstarken der Arbeiterbewegung galt Offenbach als "rotes Nest". Durch Inflation und Weltwirtschaftskrise verschlechterten sich in den 1920er Jahren jedoch die Lebensverhältnisse. Im Jahr 1930 war mehr als ein Viertel der Offenbacher Einwohnerschaft auf Fürsorgezahlungen angewiesen.

Die politischen Verhältnisse destabilisierten sich auch in der Industriestadt: Alle demokratischen Parteien wurden durch NSDAP und KPD zurückgedrängt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges lag die Stadt in Trümmern, die Einwohnerzahl war auf etwa 68.000 Menschen gesunken. Hauptaufgaben der Nachkriegszeit waren der Wiederaufbau sowie die Eingliederung von Flüchtlingen und Vertriebenen. Dadurch stieg die Einwohnerzahl rasch, im Jahr 1954 wurde mit 100.000 Menschen der Status einer Großstadt erreicht.

Wohngebiete wie beispielsweise die Carl-Ulrich-Siedlung entstanden, die Innenstadt wurde mit dem Bau der 1962 freigegebenen Berliner Straße strukturiert. Der Aufschwung nach dem Krieg bedeutete auch die Anwerbung von Arbeitsmigranten. Seitdem wird Offenbachs demographische Entwicklung verstärkt durch Zuwanderung bestimmt.