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Portät von Johann André
© Stadt Offenbach
Offenbach gehört zum Kreis der Mozart-Städte. Das Musikgenie hat die Stadt im Jahr 1790 anlässlich seines Aufenthalts zur Frankfurter Kaiserkrönung besucht. Vor allem aber gingen Mozarts Noten aus Offenbach um die Welt. Mozarts Nachruhm ist das Verdienst des Offenbacher Musikverlags Johann André, einer hugenottischen Gründung, die Geschichte geschrieben hat.
Lithopresse
Nachbau der Steindruck-Stangenpresse von 1797 - zu sehen im Haus der Stadtgeschichte © Haus der Stadtgeschichte

Johann André gründet 1774 in der Herrnstraße 54 in Offenbach einen Musikverlag mit angeschlossener Notendruckerei. Nach dem gescheiterten Versuch, die „Notenfabrique“ von Berlin aus zu leiten, wo er als Musikdirektor des Döbbelinischen Theaters tätig ist, kehrt Johann André 1784 nach Offenbach zurück und zieht im selben Jahr mit dem Unternehmen in die Domstraße um. In den rückwärtigen Gebäuden werden Verlag und Druckerei eingerichtet. 1797 weist der Verlagskatalog bereits 1052 Nummern auf: Opern, Arien, Lieder, Konzerte und Sinfonien. Ein Werkstattfest im Oktober 1790 erweist sich als ein historischer Tag in der Firmengeschichte: Wolfgang Amadeus Mozart besucht das Andrésche Haus.

Johann Anton André, Sohn des Firmengründers, erwirbt 1799 von Mozarts Witwe Constanze den Großteil der Notenhandschriften des Komponisten.

Es handelt sich um mehr als 273 zumeist unveröffentlichte Werke. Von 1800 bis 1854 bleibt der Mozart-Nachlass ungeteilt in der Stadt. Zur Verbreitung des Notenmaterials trägt bei, dass Johann Anton André zeitgleich den Erfinder der Lithographie, Alois Senefelder, nach Offenbach holt.

Johann Anton André
Johann Anton André © Stadt Offenbach

Der Durchbruch der Lithographie

Der Münchener Schauspieler ist der Erfinder der Lithografie. Johann Anton André veranlasst ihn, nach Offenbach zu kommen. Von 1799 bis 1801 lebt Senefelder in der Domstraße und bildet die Andréschen Drucker in der neuen Technik aus. Die Noten müssen nun nicht mehr in Kupfer gestochen werden, sondern können im schnelleren Steindruckverfahren verviel­fältigt werden.

Im Jahr 1800 wird das lithographische Druckverfahren im Andréschen Verlag weltweit erstmals kommerziell angewendet. Über ein halbes Jahrhundert wird in Offenbach nach Mozartschen Originalnoten publiziert.

Insgesamt 79 Kompositionen erscheinen im Andréschen Verlag als Erstausgabe, darunter die weltberühmte Serenade „Eine kleine Nachtmusik“. Sowohl Otto Jahn, der erste wissenschaftliche Mozart-Biograph, als auch Ludwig Ritter von Köchel, der im 19. Jahrhundert das Werkverzeichnis des Komponisten erstellt, berücksichtigen Johann Anton Andrés handschriftliche Katalogisierung.

1840 übernimmt Johann August André den Betrieb. Mehr kaufmännisch als musikalisch begabt, konsolidiert er den zum Stillstand gelangten Verlag und führt ihn zu neuer Blüte, indem er preiswerte neue Ausgaben von Werken klassischer Meister herausgibt.

Offenbacher Druck des Mozart-Requiems
Offenbacher Druck des Mozart-Requiems © Stadt Offenbach

Musikhaus André bis heute in Offenbach

Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit ist Johann August André sozial engagiert und unter anderem Vorsitzender der Allgemeinen Krankenkasse, des Allgemeinen Armenvereins, des Bürgervereins und des Bernardstiftes.

1854 teilen die Erben Johann Anton Andrés den Mozart-Nachlass in sieben Teile auf. Davon erwirbt 1873 die Königliche Bibliothek in Berlin 138 Handschriften, der Restbestand wird auf Auktionen der Jahre 1929 und 1932 versteigert.

Das Andrésche Haus in der Domstraße wird im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Bomben zerstören 1943 die Druckerei im Hinterhaus. Jahre später können etliche Steindruckplatten aus dem Keller geborgen werden. Sie befinden sich heute im Haus der Stadtgeschichte.

Der Musikverlag André war schon 1923 in die Frankfurter Straße 28 in Offenbach umgezogen, wo die Firma bis heute ihren Sitz hat. Für Instrumente, Zubehör, Musikelektronik und Noten ist das traditionsreiche Musikhaus André bis heute über die Grenzen Offenbachs ein Begriff.