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Ansicht Schloss Rumpenheim
Das Schloss Rumpenheim ist ein beliebtes Ausflugsziel. © SOH
Österreichs Kaiser Franz Joseph war da, und aus Russland Zar Alexander III. Aus Dänemark kamen die Könige Christian IX. und Friedrich VIII. Vor ihren Krönungen waren auch Englands Königin Mary und der englische König Edward VII. zu Gast.
Der Großherzog von Luxemburg erschien, als er noch Herzog Adolf von Nassau hieß. Mit ihnen waren Prinzen und Prinzessinnen vereint, wenn im 19. Jahrhundert auf Schloss Rumpenheim alle zwei Jahre die sommerlichen „Familientage“ stattfanden.

Es waren zwanglos-familiäre Begegnungen. Doch manchmal ging es hochpolitisch zu. 1863 konnten die an Höfisches gewöhnten Rumpenheimer Dörfler ein besonderes Schauspiel erleben. In ihre Nationaltrachten gekleidet erschien eine griechische Gesandtschaft, um in Rumpenheim dem Prinzen Wilhelm von Schleswig-Holstein-Glücksburg die griechische Königskrone anzutragen. Er nahm sie an und reiste von Rumpenheim gen Hellas.

In dem Schloss, das der britische Premierminister Roseberry unwirsch „eine weißgetünchte Kaserne mit kleinen Zellen als Wohnungen“ nannte, leben heute Familien in bürgerlicher Behaglichkeit. Der Weg dahin war weit und verschlungen.

Das mittelalterliche Rumpenheim gehörte zum Besitz der Grafen von Hanau. Einer ihrer höchsten Beamten, ein Herr von Edelsheim, baute sich 1680 in diesem linksmainischen Brückenkopf der Grafschaft Hanau ein Herrenhaus. Gut hundert Jahre später verkauften seine Nachkommen es an einen Prinzen von Hessen-Kassel.

Die Kasseler Landgrafen sind zu dieser Zeit auch die Landesherren. Durch Erbschaft war ihnen 1736 die gesamte Grafschaft Hanau zugefallen. Nun ging das Herrenhaus der Edelsheimer im Mitteltrakt eines fürstlichen Landsitzes auf, bewohnt von Zweigen der landgräflichen, später kurfürstlichen Familie. Zwischen 1787 und 1805 wurde es zu der dreiflügeligen Anlage erweitert, die der Besucher heute antrifft. Im Schlosspark entstanden Zierbauten und ein Mausoleum.

Ende des 19. Jahrhunderts verblasste der höfische Glanz. 1866 hatte Preußen das Kurfürstentum Hessen-Kassel annektiert. Hanau und Rumpenheim fanden sich in einer preußischen Provinz. Die Familientage des europäischen Hochadels kamen nicht mehr zustande. 1902 verließen die Letzten der fürstlichen Besitzer das Schloss Rumpenheim, um fortan im ererbten Schloss Kronberg im Taunus zu leben.

Im Dezember 1943 setzten Fliegerbomben den unbewohnten Mitteltrakt in Flammen. Weitere Zerstörungen besorgten dann Wind und Wetter. Als die Stadt Offenbach 1965 Schloss und Park erwarb, gewann es eine Ruine, mit der es lange Zeit nichts Rechtes anzufangen wusste.

Es bedurfte des Drucks Rumpenheimer Bürger, die sich damit nicht abfinden mochten. Eine Bürgerinitiative erreichte den Ausbau der Seitenflügel zu attraktiven Wohnungen. Ziemlich lange mussten deren Bewohner noch mit der Ruine des Mitteltrakts leben, ehe sich ein Investor fand, der auch diesen Teil wieder aufrichtete. Nach dem alten Vorbild, aber mit modernen Wohnungen im Innern, mit Blick über den Main und einem Fürstenpark hinterm Haus. Feudaler lässt sich in Offenbach kaum wohnen..