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1. Biographisches

Der Porträtmaler Georg Oswald May wurde am 23. Januar 1738 als Sohn des Seidenstrumpfwebers Johann Georg May, der 1735 Anna Maria Geißer geheiratet hatte, in Offenbach geboren. Er begann erst 1759 als 21jähriger mit dem Malerstudium in Offenbach, in dem das französische Pastellbild und das höfische Porträt besonders gepflegt wurden. Sein Studium setzte er in Mannheim und Düsseldorf fort, wo er sich vor allem als Kopist übte. So fertigte er Nachbildungen von Werken Rubens’ und van Dycks an. 1783 verheiratete er sich mit Antoinette Elisabeth André (22.10.1745-15.12. 1815), einer Tochter des Offenbacher Seidenfabrikanten Marc André. May wurde als Porträtmaler rasch bekannt und malte neben bedeutenden Persönlichkeiten aus bürgerlichen Kreisen vornehmlich Adlige, was ihm die Titel „Hofmaler“ und „Hofrat“ eintrug. May lebte bis 1815 in Offenbach. Nach dem Tod seiner Frau siedelte er nach Frankfurt am Main über, wo er im Hause seines Schwiegersohnes im Junghofviertel lebte. Er starb dort am 12. Juli 1816.
In Offenbach erinnert der Georg-Oswald-May-Weg an den Maler.

2. Zum Werk

Georg Oswald May ist vor allem als Porträtmaler tätig gewesen; er malte in Öl und Pastell. Am bekanntesten ist er als Maler des jugendlichen Goethe geworden, den er 1769 zweimal gemalt hat. Deshalb wird er auch als „Goethemaler“ bezeichnet.
Heute sind nur noch wenige Gemälde von May bekannt: Viele sind verschollen, andere befinden sich im Familienbesitz von ehemaligen Fürsten- und Grafengeschlechtern. Da er seine Bilder kaum signierte, ist zudem eine sichere Zuschreibung nicht leicht. May porträtierte auch Wieland, Lessing (um 1767), Goethes Mutter (1776) und Sophie La Roche, die dem Maler in ihrem Roman „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ einen Reim widmete:

„May, du maltest Falt und Büge,
Meines alternden Gesichts.
Sieh hier meiner Seele Züge,
diese ändert nichts...“

3. Stilhistorische Einordnung

Georg Oswald Mays Werk ist der Epoche des Rokoko zuzuordnen. Im Zusammenhang mit der Porträtkunst ist das zeitgenössische Verhältnis zur Physiognomie erwähnenswert. So war der Theologe und Schriftsteller Johann Caspar Lavater (1741-1801) der Auffassung, dass man aus den Gesichtszügen den Charakter und das Wesen des Dargestellten lesen könne. Er befasste sich intensiv mit der Physiognomie, der Lehre von den Gesichtszügen und ihrer ethisch-moralischen Wertung. In seinem vierbändigen Werk „Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe“ (1775-78), zu dessen im verborgenen wirkenden Mitarbeitern auch Goethe zählte, sammelte er unzählige Silhouetten – die zur Zeit der Empfindsamkeit sehr beliebt waren – als Beweisstücke und Illustration seiner Theorien.