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1. Biographisches

Der Historienmaler, Turn- und Zeichenlehrer Christian Leopold Bode wurde am 11. März 1831 als ältester Sohn von Georg Wilhelm Bode im Haus von Ludwig André im Kleinen Biergrund geboren. Seinen ersten Zeichen- und Malunterricht erhielt er natürlich von seinem Vater, der es angeblich lieber gesehen hätte, wenn sein Sohn die kaufmännische Laufbahn eingeschlagen hätte. Aber auch seine Mutter Anna Maria soll – so die Großnichte Leopold Bodes – großen Einfluss auf ihren Sohn ausgeübt haben. Demnach machte sie ihn schon frühzeitig mit den romantischen Dichtungen eines Tieck, Brentano und den Märchen der Gebrüder Grimm bekannt, die er zum Teil später bildlich darstellen sollte. Zu seinen Kameraden aus der Realschulzeit (damals in der Herrnstraße) zählte der spätere Offenbacher Geschichtsschreiber Emil Pirazzi und Leopold Sonnemann, der Gründer der "Frankfurter Zeitung". Seit 1848 besuchte er das Städelsche Kunstinstitut, wo Professor Jakob Becker, Johann David Passavant und Eugen Schäffer seine ersten Lehrer waren. Von 1851-1857 studierte er bei Eduard von Steinle, unter dessen Einfluss die der so genannten "nazarenischen Richtung" angehörenden religiösen Historienbilder entstanden. Das erste dieser Bilder "Besuch der Maria bei Elisabeth" zeigt im Aufbau eine deutliche Anlehnung an Perugino und Raffael. Er unternahm Reisen nach Belgien und in die Alpenländer. Am 3. August 1851 heiratete er in erster Ehe Catharina Elisabeth, geb. Geiger (23. Mai 1826 –11. oder 18. Juli 1856 in Offenbach), aus der 4 Kinder hervorgingen. In zweiter Ehe heiratete er am 19. Juli 1859 Maria Margaretha, geb. Geiger, die Schwester seiner verstorbenen Frau (12. April 1828 – 26. Juni 1916), die ihm drei Kinder schenkte. 1873 erhielt er vom österreichischen Kaiser die "Große Goldene Medaille für Kunst" sowie zu seinem 70. Geburtstag 1901 vom Großherzog von Hessen die mit dem Professorentitel verbundene "Goldene Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft". Der Maler verfügte jahrzehntelang über ein Atelier im Städelschen Kunstinstitut, daneben hatte er einen Arbeitsraum im Schloss. In seinen letzten Jahren litt er unter der von seiner Mutter vererbten Schwerhörigkeit, die ihn zu einem Leben in der Zurückgezogenheit gezwungen haben soll. Nach 46 Jahren im Isenburger Schloss gab er 1883 seine Wohnung dort auf und siedelte nach Sachsenhausen über. Der Weggang soll ihm sehr schwer gefallen sein, so dass ihm – dem "die Tränen in den Augen standen" – ein Ständchen von den Sängern des Offenbacher Turnvereins dargebracht wurde. Dort verstarb er am 26. Juli 1906 an einer Lungenentzündung und wurde auf dem Alten Friedhof in Offenbach begraben. Ihm zu Ehren wurde die Leopold-Bode-Straße benannt.
Schon zu Lebzeiten war eine heftige Zeitungsfehde – auch "Bode-Krieg" genannt – über dessen Zugehörigkeit zu Offenbach oder Frankfurt entstanden, da beide Städte den Meister für sich beanspruchten. Während Offenbach sein Geburts- und Wohnort war, bildete Frankfurt den Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit. Diese Debatte verdeutlicht jedoch die Anerkennung Leopold Bodes und dessen überregionale Bedeutung.

2. Zum Werk

Leopold Bode, zunächst der religiösen Thematik verpflichteter Vertreter der Nazarener, wandelte sich im Laufe der Zeit immer mehr zum Romantiker und Historienmaler, zum Porträtisten, Illustrator und Genremaler, der zentrale Motive europäischer Kultur und Geschichte würdigte.
Sein erstes Ölgemälde, mit dem er als 24jähriger 1855 debütierte, war der "Besuch der Maria bei Elisabeth". Weitere Arbeiten biblischen Themas sind "Szene aus der Geschichte der Ruth" (1857), "Heimsuchung Mariae", "Altarbild in Mariabuchen bei Lahr" (1857), oder auch spätere Werke wie "Die Flucht nach Ägypten" (1897), "Lasset die Kindlein zu mir kommen", Altarbild für die neue evangelische Garnisonkirche in Straßburg (1897).
1861-1864 war er in Köln als Gehilfe Steinles bei der Ausführung von dessen Fresken im Wallraf-Richartz-Museum beschäftigt. Das 1863 entstandene Gemälde "Die Alpenbraut" – welches auf eine Ballade des österreichischen Dichters J.G. Seidl basiert, zeigt schon ein romantisches Thema. Als vollkommenen Romantiker zeichnet ihn schließlich das Werk "Aschenbrödels Glück" aus dem Jahre 1866 aus. 1870 malte er für den Fürsten von Löwenstein die Kapelle zu Klein-Heubach aus. Es folgte die Ausmalung eines Saales mit den Sagen zu Karl dem Großen für den Baron W. von Erlanger in Nieder-Ingelheim. 1873 bringt er die Kartons zu Schillers "Glocke" heraus, Aquarelle zu Karl dem Großen (1873/74), gefolgt von dem Aquarellzyklus "Undine" (1878) nach de la Motte Fouqué und dem "Wintermärchen" nach Shakespeare (um 1878). 1880 war er an der Ausmalung des neuen Frankfurter Opernhauses beteiligt. In dieser Zeit entstand auch das Ölbild "Der Bergriese Rübezahl, wie er einen Fuhrmann seine Macht fühlen lässt". Es folgte der große Aquarell-Zyklus "Lohengrin" (1882) und zahlreiche Porträts Offenbacher Persönlichkeiten, wie die Andrés, die d’Orvilles, die Pirazzis.
Otto Kellner bezeichnete das 1868 entstandene Ölgemälde "Rudolf von Habsburg" als Hauptwerk Leopold Bodes: Es stellt den besagten Grafen dar, wie er auf der Heimkehr von der Jagd mit einem Priester zusammentrifft, der zu einem Sterbenden eilt, um ihm das Sakrament zu reichen.

3. Stilhistorische Einordnung

Leopold Bode wurde als "letzter Nazarener" bezeichnet und gilt als einer der hervor ragendsten Vertreter der romantischen Schule.

Die Nazarener waren eine von 1810 bis etwa 1830 in Rom wirkende deutsch-österreichische Künstlergemeinschaft, der unter anderem die Maler Johann Friedrich Overbeck, Franz Pforr, Peter von Cornelius, Philipp Veit und Julius Schnorr von Carolsfeld angehörten. Den Malern ging es darum, die deutsche religiöse Kunst nach dem Vorbild der italienischen Meister des 15. Jahrhunderts – insbesondere Perugino und Raffael -, aber auch mit Elementen der altdeutschen Malerei der Dürerzeit neu zu beleben. Die Vereinigung ging aus dem 1809 in Wien gegründeten Lukasbund hervor, einer asketisch-strengen Künstlerbruderschaft. 1810 siedelten einige der Lukasbrüder, darunter Friedrich Overbeck und Franz Pforr, in das abgelegene Franziskanerkloster Sant’Isidoro bei Rom über, wo sich ihnen später zahlreiche Künstler anschlossen. Die Verpflichtung zu einer strengen sittlich-religiösen Lebensführung trug den Künstlern die eigentlich spöttische Bezeichnung Nazarener ein, die sie dann selbst übernahmen. Im Geist mittelalterlicher Werkstattgemeinschaften schufen die Maler vor allem große Freskenzyklen mit biblischen Sujets. Ihr Ziel war eine neudeutsche, religiös-patriotische Kunst, in der die Linie Vorrang vor der Farbe erhalten sollte.

Als Gegenreaktion auf die verstandesbetonte Aufklärung wendete sich die Romantik (1800-1830) besonders der Religion, dem Emotionalen und der Vergangenheit (vor allem dem Mittelalter) zu. Ihr Charakter äußerte sich im Individuellen und im Seelischen. Die von den Romantikern bevorzugte Landschaftsdarstellung löste sich allerdings von der bisher dominierenden antikischen Ideallandschaften und entdeckte den Wert der eigenen Heimat neu (Philipp Otto Runge, Caspar David Friedrich). Die Romantik – den Begriff prägte Friedrich Schlegel erstmals 1798 in der Zeitschrift "Athenäum", der diesen vom mittelalterlichen Versepos und Roman ableitete – strebte ebenfalls eine Einheit von Kunst und Religion an. Das Unvollendete, Angedeutete, Religiöse, Zauber- und Sagenhafte, Volkstümliche und Ritterliche wurde zum bevorzugten Thema. Madame de Staël macht diese Gedanken in ihrem Buch "De l’Allemagne" ab 1810 auch den französischen und englischen Lesern zugänglich, welche die Ideen begeistert aufnahmen.
Die Romantik entwickelt eine eigene Theorie, welche drei Grundtendenzen dieser Epoche festhielt:

1. Romantik bedeutet die Emotionen und die Intuition über (oder zumindest gleichberechtigt neben) die Vernunft zu stellen
2. den festen Glauben, dass es entscheidende Momente von Erfahrungen gibt, welche vom Vernunftsinn nicht erfasst und so vernachlässigt werden
3. die Überzeugung von der umfassenden Wichtigkeit des Individuellen, Persönlichen und Subjektiven