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Auf einer Geschäftsreise nach Wien, las Johann Anton André, Komponist und Musikverleger aus Offenbach am Main, 1799 in einer Münchener Zeitung eine Anzeige, in der ein neuartiges Steindruckverfahren angeboten wurde. André lernte Alois Senefelder, den Erfinder dieser neuen Technik kennen, der ihm in München die Erfindung vorführte. Der Geschäftsmann André war sofort überzeugt und erwarb die Rechte. Noch im Dezember 1799 reisten Senefelder und und sein Partner, der Münchner Hofmusiker Franz Gleißner, nach Offenbach um dort eine Notendruckerei einzurichten. Mozarts Klavierkonzerte waren ab 1800 die ersten lithographischen Drucke.

Alois Senefelder

Johann Nepomuk Franz Alois Senefelder wurde am 6. November 1771 in Prag als Sohn des Schauspielers Johann Peter Senefelder und Katharina Volck geboren. Während seiner Schulzeit in München zeichnete er sich besonders in Physik, Chemie und Mechanik aus. Nach dem Schulabschluss beabsichtigte er, wie der Vater, eine Schauspielerlaufbahn zu beginnen. Er hörte jedoch auf den Rat des Vaters und studierte zunächst drei Jahre Rechts- und Kameral-(Finanz-) Wissenschaften.

In seiner freien Zeit schrieb Senefelder Theaterstücke. Nach dem Tod des Vaters (1792) wollte er sich ganz der dramatischen Kunst als Dichter und Schauspieler widmen. Zwei Jahre zog er – ohne großen Erfolg – mit einer Schauspielertruppe durch deutsche Städte. Er gab auf und versuchte, als Theaterschriftsteller seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Verleger für seine Arbeiten waren schwer zu finden, der Druck war teuer. Senefelder entschloss sich, seine Stücke selbst zu vervielfältigen. Nicht der Wunsch, ein neues Druckverfahren zu entwickeln, sondern materielle Not zwang Senefelder, einen Weg zu suchen, die eigenen Stücke schnell und billig zu drucken.

Er experimentierte mit verschiedenen Möglichkeiten. Nach vielen Versuchen übte er mit einer selbst entwickelten »schwarzen Tinte aus Wachs, Talg, Seife, Kienruß (stammt aus harzigen Bestandteilen der Fichtenrinde) und Regenwasser« die Radiertechnik auf einer glattpolierten Solnhofer Kalkschieferplatte. Diese Steinplatten wurden in München häufig zum Belegen der Hausflure verwendet. Durch Zufall entdeckte er, dass die nicht mit seiner Wachstinte bedeckte Steinoberfläche mit Scheidewasser (Salpetersäure) wegzuätzen war. Die hochgeätzte Schrift ließ sich mit einem Buchdruckerballen einschwärzen und auf Papier abdrucken.

Senefelder schloß sich mit dem Hofmusiker Franz Gleißner zusammen. Als erste Arbeit wurde ein »Feldmarsch der Churpfalzbayer´schen Truppen« gedruckt. Finanzielle Anfangserfolge ließen sich aber nicht wiederholen.

1797 zeichnete Senefelder mit Seife auf den geschliffenen Stein, goß Gummiwasser (Gummi arabicum-Lösung) darüber und schwärzte die Zeichnung mit Ölfarbe ein. Die durch die Seife fettigen Stellen nahmen die Farbe an, der übrige Stein blieb weiß. Der chemische Steindruck (Flachdruck) war erfunden.

Technische Schwierigkeiten mit den bisher verwendeten Kupferdruckpressen führten im gleichen Jahr zur Konstruktion der Stangenpresse aus Holz mit einem Reiber anstelle einer Walze.

Die Anfänge des Erfolges

Auf einer Geschäftsreise nach Wien, las Anton André 1799 in einer Münchener Zeitung eine Anzeige, in der die Geschäftspartner Franz Gleißner und Alois Senefelder ein neu erfundenes Steindruckverfahren anboten. André lernte Alois Senefelder kennen. In der Münchner Werkstatt wurde ihm die Erfindung vorgeführt.

Die Steindrucktechnik überzeugte den Geschäftsmann sofort: »75 Seiten in einer Viertelstunde, wovon immer zwey zugleich gedruckt werden«, dies erlaubte die Lieferung von Musikalien im Steindruck für 6 Kreuzer je Bogen. Im Kupferdruck hergestellt kostete der Bogen bisher 24–30 Kreuzer.

Am 28. Sept. 1799 unterzeichnete Senefelder zusammen mit dem Hofmusiker Franz Gleißner einen Vertrag mit dem Musikverleger und Drucker Anton André und verkaufte das Geheimnis, Noten und Bilder auf Stein zu drucken, an André für 2000 Gulden.

Sie kamen überein, dass Senefelder nach Offenbach reisen, daselbst die Presse herstellen und Leute abrichten sollte, um gehörig auf Stein schreiben und drucken zu können.

»... die Herren Gleisner und Senefelder in München verbinden sich das von ihnen erfundene Geheimniß Noten und Bilder auf Stein zu drucken dem Herrn Anton André aus Offenbach a/m mitzutheilen und ihm alles dahin einschlagende ohne die mindeste Hinterhaltung zu zeigen, so daß gedachter H[er]r A. André nach Willkühr beides in seiner Noten Handlung anzuwenden vollkommen berechtigt ist ...«

»... Herr Senefelder wird nach Offenbach a/m reisen um dort alle zu einer solchen Steindruckerei nöthigen Maschienen und was ferner dahin einschlägt unter seiner Direcktion und mit Zuziehung des H[er]rn A. André verfertigen zulassen, auch die dortige Gegend bereisen um die hierzu nöthige Steinart aufzusuchen. Alle Reisekosten zahlt H[er]r A. André ...«

»... Für die Mittheilung dieses Geheimnißes macht sich H[er]r A. André verbindlich den Herren Gleisner und Senefelder Gulden zweitausend zu zahlen und zwar auf folgende Art, daß er Gulden Dreihundert nach Unterzeichnung gegenwärtigen Contrackts, Gulden Siebenhundert nach Verkauf von Drei Monaten nach heute und Gulden Ein Tausend nach Verlauf eines Jahres nach heute zu zahlen hat ...«

»... Gegenwärtiger Contrackt ist doppelt ausgefertigt und von uns Unterzeichneten wohlbedächtlich gelesen und mit eigener Hand unterschrieben und besiegelt worden.«

München, d. 28. September 1799: Ant. André
Franz Gleißner, Hofmusiker
Alois Senefelder, grave mppria

»Im Dezember 1799 reisten Senfelder und Gleißner nach Offenbach. Senefelder wohnte im Haus André in der Domstraße. Andrés sorgten für Verpflegung und Kleidung. Es entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen dem Verleger und dem Erfinder. André versuchte den Aufenthalt Senefelders in Offenbach so angenehm wie möglich zu gestalten und behandelte ihn wie seinen eigenen Bruder.«

Senefelder: »Damit ich die zu meiner Gesundheit nöthige Bewegung hatte, hielt er mir sogar ein eigenes Reitpferd, und wenn er für sich ein neues Kleidungsstück kaufte, so erhielt ich gewiß ein ähnliches von ihm zum Geschenke, so wie ich auch an allen in und außer dem Hause Statt findenden Vergnügungen oft fast wider Willen, weil ich manchmal lieber gearbeitet hätte, Theil nehmen mußte. Ich hatte also ganz und gar keine weiteren Bedürfnisse ...«

Die Zeit materieller Not war vorbei. Doch Senefelder hatte kein Verhältnis zum Geld. Er überließ nahezu alle Einkünfte seinem Geschäftspartner Gleißner. Aus einer Eintragung im Journalbuch der Firma André (März 1801) geht hervor, dass André die verpfändete Uhr Senefelders bei einer Jüdin für 38 Gulden 6 Kreuzer auslöste.

Die Lithographie

Senefelder fasste die von ihm entwickelten Möglichkeiten der Lithographie(griech. »Lith« = Stein) wie folgt zusammen: Herstellung von Schriften, Musiknoten, Landkarten, Tabellen, Zirkularien (Rundschreiben), sowie die Wiedergabe von schwarz-weißen und farbigen Bildern, Holzschnitten, Handzeichnungen, Kupferstichen.

1799 erteilte Kurfürst Maximilian Joseph das langersehnte Privilegium exclusivum auf die Dauer von 15 Jahren für das Kurfürstentum Bayern. Bei einer Strafe von 100 Dukaten und Konfiskation (Beschlagnahmung) aller Vorräte und Werkzeuge war es verboten, Senefelder und Gleißner Konkurrenz zu machen. Das Privileg bezog sich auf alles, was man auf Stein drucken kann, sowohl schwarz als in Farben. 1801 erhielt er dieses Privileg auch für Großbritannien und Österreich.

Nachricht (aus der »Kurfürstlich gnädigst privilegirte Münchner-Zeitung«, 26. Sept. 1799)

Se.[ine] kurfürstl.[iche] Durchlaucht haben sich den 3. Sept.[ember] d.[es] J.[ahres] huldreichst bewogen gefunden, uns endesunterzeichneten auf unsere neu erfundene, bisher noch ganz unbekannte Art auf Stein zu druken, das Privilegium exclusivum tax- und siegelfrei auf fünfzehn nacheinander folgende Jahre dahin gnädigst zu ertheilen, daß wir alles, was man auf Stein druken kann, zu druken, und damit sowohl schwarz als koloriert in Höchstdero Kurlanden Verkehr zu treiben berechtigt seyn sollen, wie wir es zu unserm bessern Fortkommen für dienlich erachten, so zwar, daß Niemand bei Strafe von 100 Dukaten eine ähnliche Drukerei errichten, und unsere Kunst nachmachen dürfen. - Mit dem tiefsten Gefühle des Dankes für diese höchste Gnade machen wir dieses hiermit Jedermann zu dem Ende bekannt, um sich mit Bestellungen hierüber an uns wenden zu können. Wir werden durch unseren Fleiß und unsere Accuratesse das Vertrauen des Publikum in jedem Falle zu verdienen suchen. Unsere Wohnung ist im Schmädlischen Hause in der Residenzgasse.
München, den 23. Sept.[ember] 1799 Franz Gleißner, Hofmusikus
Alois Sennefelder

Die Erfindung wurde erstmals ab 1799 in der Offenbacher »Notenfabrique« von Anton André kommerziell mit großem Erfolg genutzt. 1801 übersiedelte Senefelder von Offenbach nach Wien. Am 18.01.1803 erhielt er ein Privileg für Österreich, befristet auf 10 Jahre. Nach arbeitsreichen aber im Ergebnis erfolglosen Jahren kehrte er nach München zurück und richtete 1807 mit Gleißner und anderen Teilhabern eine eigene Steindruckerei für Notendrucke und Kunstblätter ein.

Von größter Bedeutung war die aktive Mithilfe des damaligen Direktors der Centralgalerie München (heute Pinakothek) Johann Christian von Mannlich, der die berühmt gewordene Reproduktionsgraphik »Les Oeuvres Lithographique« herausgab.

Für Senefelder arbeiteten die beiden Lithographen Johann Nepomuk Strixner und Ferdinand Piloty. In seinem Schüler Franz Weishaupt hatte er den fähigsten Drucker. Gewinnbringenden Nutzen konnte er selbst aber aus seiner Erfindung nicht ziehen.

Senefelder trat im Range eines »Königlichen Inspectors der Lithographie« in den bayerischen Staatsdienst. Zwischen 1819 und 1824 hielt er sich überwiegend in Paris auf. Er kümmerte sich dort um die Herausgabe seines Lehrbuches in französischer Sprache und arbeitete an der Verbesserung seines Steinersatzes. Mit Treuttel & Würtz gründete er in Paris die Lithographische Anstalt Senefelder & Comp. 1824 kehrte Senefelder endgültig nach München zurück. Auch in den letzten Jahren seines Lebens war er unaufhörlich um die technische Verbesserung seiner Erfindungen bemüht.

Am 26.02.183 starb Alois Senefelder in München.

Mitte der dreißiger Jahre entstanden in Mühlhausen/Elsaß und in London bereits hochqualifizierte Farblithographien. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die farbigen Steindrucke französischer Künstler weltberühmt. Was mit dem Notendruck begonnen hatte, war zum künstlerischem Medium demokratischer Gesinnung geworden. In der Lithographie, vor allem in den Blättern von Honoré Daumier, äußerte sich Kritik an sozialen und politischen Mißständen. Die lithographierte Karikatur erreichte durch die Massenauflagen der Tagespresse und in Bilderbogen alle Schichten der Bevölkerung.

Senefelder sagte in seinem Lehrbuch: »Ich wünsche, daß sich (die Lithographie) bald auf der ganzen Erde verbreitet, der Menschheit durch viele vortreffliche Erzeugnisse vielfältigen Nutzen bringen und zu ihrer größern Veredlung gereichen, niemals aber zu einem bösen Zwecke mißbraucht werden möge. Dieß gebe der Allmächtige! Dann sey gesegnet die Stunde, in der ich sie erfand!«

Der Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Der Steindruck bildet die verfahrensmäßige Grundlage des modernen Offsetdruckes.

Offsetmaschinen werden in Offenbach hergestellt. Offenbach ist durch die 1971 gegründete Internationale

Erste mit Erfolg arbeitende Steindruckerei

In der Notendruckerei standen 10 Kupfer- und Zinndruckpressen. Die Hälfte wurde durch Steindruck-Stangenpressen ersetzt und die Arbeiter entsprechend angelernt. Der Umsatz ging in die Höhe. Vom Erfolg des Unternehmens angeregt, richtete Andre Geschäftsfilialen in London und Paris ein und ließ sie durch seine Brüder Philipp und Friedrich leiten. Weitere Niederlassungen waren in Berlin und Wien vorgesehen.

Im Auftrag Andrés reiste Senefelder 1800 nach London, um die dortige Filiale zu unterstützten. Am 20.06.1801 erhielt er das Privileg für England und Irland und am 03.08.1801 für Schottland. Nach siebenmonatigem Aufenthalt in London kehrte Senefelder nach Offenbach zurück. Im Zusammenhang mit Streitigkeiten wegen eines Privilegs für Österreichs kam es 1801 vorübergehend zum Bruch zwischen Senefelder und André.

1802 hatte sich Friedrich André in Paris ein Patent verschafft. Er löste damit die Beschäftigung mit dem künstlerischen Steindruck in Frankreich aus.

War der Steindruck zunächst lediglich zur Reproduktion gedacht, so wurde er schon bald auch in Deutschland für die Bildende Kunst genutzt. Der Kupferstecher François Johannot (*um 1756 +1838) gründete um 1802 eine weitere Steindruckerei in Offenbach. Vermutlich war er durch André oder Senefelder selbst in die Geheimnisse des Steindrucks eingeweiht worden. Da sich der Musikalienverlag André überwiegend mit dem Notendruck befaßte, richtete Johannot seine Druckerei vor allem für Künstlerlithographien ein. Geschickte Maler und Zeichner, u.a. Wilhelm Reuter aus Berlin, arbeiteten zu dieser Zeit in Offenbach.

In einem zeitgenössichem Artikel heißt es:

»...Daher liefert dieses Institut außer eigentlichen Kunstwerken, sehr nett alle Gattungen, Schriften, Wechselbriefe, Visitenkarten, Titel zu Büchern, Vignetten (Zierbildchen) und was sonst in dieses Fach einschlägt und nimmt auch unter den billigsten Bedingungen Bestellungen darauf an ...«

1806 ging Johannot nach Paris.

Durch die Notendruckerei André, deren Geschäftsniederlassungen in London und Paris und die Steindruckerei Johannot nahm die Erfindung Alois Senefelders von Offenbach aus ihren Weg in die Welt

Offenbach - Wiege der Lithographie

Alois Senefelder (1771–1834) ist der Erfinder der Lithographie. In seiner Münchner Werkstatt gelang ihm 1798 endgültig – nach Versuchen seit dem Jahr 1796 – ein revolutionär vereinfachtes Druckverfahren. Die langwierigen Arbeiten zur Herstellung eines Kupferstiches waren mit einer chemisch behandelten Platte aus Kalkstein, die als Druckform dient, überwunden. Durch einen Zufall wurde Offenbach zur Wiege jenes ältesten Flachdruckverfahrens: Im Jahr 1799, auf einer Geschäftsreise nach Wien, hatte der Offenbacher Musikalienverleger und Notendrucker Anton André (1775–1842) in einer Münchner Zeitung eine Anzeige gelesen, in welcher Senefelder das neue Verfahren bewarb. Eine Vorführung überzeugte den Geschäftsmann sofort: »75 Seiten in einer Viertelstunde, wovon immer zwei zugleich gedruckt wurden«, erlaubten die Lieferung von Musikalien für sechs Kreuzer je Bogen. Im Kupferdruck hergestellt, kostete der Bogen 24 bis 30 Kreuzer.

Anton Andrés Geschäftsreise nach Wien hatte zu einem zweiten, nicht weniger folgenreichen Ergebnis geführt. Von Mozarts Ehefrau Constance kaufte André den Nachlass des Komponisten: zur Unterstützung der Witwe, zum Wohl seiner Firma (die Manuskripte wurden jedoch wenige Jahrzehnte später bei einer Erbteilung zerstreut). Mozart selbst hatte im Jahr 1790 bei einer Durchfahrt die Firma André in Offenbach aufgesucht, womit dieser Erwerb eine gewisse Voraussetzung erhält. Ab 1800 erschienen die ersten lithographierten Notendrucke. Senefelder selbst hat für die Firma André die Steindruckpressen eingerichtet und deren Arbeiter angelernt. Zeitgleich gründete die Firma Niederlassungen in europäischen Staaten und suchte das Verfahren durch Privilegien zu schützen. Der Siegeszug der neuen Technik blieb nicht an Privilegien gebunden. Allgemein wurde die Lithographie für die Wiedergabe von Künstlergraphik bedeutend. Der ehemalige Standort der Firma André war die Domstraße 21. In den Kellerräumen des 1943 aufgegebenen Komplexes wurden bei jüngeren Grabungen zahlreiche lithographische Drucksteine gefunden.