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"Bildnis des Hof –und Medizinalrates Dr. Bernhard Meyer (1767-1836) in Offenbach"

Öl auf Leinwand, 84 x 69 cm, um 1825-30

1. Biographisches

Der Hof –und Medizinalrat, Apotheker, Zahnarzt, Botaniker und Ornithologe Bernhard Meyer wurde am 24. August 1767 als Sohn des Schiffarztes Jakob Meyer (1735-1795) und seiner Frau Susanne Meyer, geb. Spieß in Hanau geboren. Bernhard Meyer, der – so Emil Pirazzi – "einer der bedeutendsten und liebenswürdigsten Menschen waren, die jemals unsere Stadt bewohnten", genoss eine sorgfältige Erziehung und studierte ab Ostern 1787 in Marburg Medizin und promovierte dort 1790 zum Dr. med. Er unternahm Reisen an den Rhein und nach Berlin, wo er eine klinische Zusatzausbildung machte und sich mit Alexander von Humboldt anfreundete. Auf der Rückreise 1791 nach Hanau absolvierte er botanische Studien in Hanno-ver-Herrenhausen und besichtigte im Harz Mineraliensammlungen. Im Oktober 1791 erhielt er von Landgraf Wilhelm die "Litentia practicandi" und praktizierte dann fünf Jahre lang in seiner Heimatstadt. Am 30. November 1791 heiratete er die Tochter des Stadtschreibers von Homburg v.d. Höhe, Marie Helene Bruère, die schon 1794 starb und zwei Töchter hinterließ. Seine gründlichen Kenntnisse in der Kräuterkunde brachten ihm den Titel "Ehrenmitglied der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft" ein. Landgräfin Philippine von Hessen ernannte ihn zum Leib- und Hofarzt. Nach dem Tod seines Vaters 1795 entschloss er sich, nur noch als Zahnarzt zu praktizieren und siedelte ein Jahr später nach Offenbach über. Am 9. November 1796 heiratete er dort die aus Hanau stammende Maria Katharina Philippina Eckhard (1777-1839). Aus dieser Ehe gingen dreizehn Kinder hervor. Meyer praktizierte zu dieser Zeit als Zahnarzt und übernahm 1796 die "Schwanen-Apotheke" am Marktplatz (heute Alter Markt), die seit 1834 sein Sohn Wilhelm leitete.
Bald wendete er sein Hauptinteresse der Vogelwelt zu, der er – so Meyer – neben der Botanik "die seligsten Augenblicke seines Lebens verdanke". Seine Sammlung europäischer Vögel mit Nestern und Eiern, die 1814 Eier von 144 Arten aufwies, erlangte Berühmtheit und führte viele Wissenschaftler nach Offenbach: Coenraad Jacob Temminck, Philipp Franz von Siebold und Prinz Max von Neuwied. Auch von Goethe wurde sie 1814 und 1815 besichtigt, der diese sogar in seinem Werk "Reise am Rhein, Main und Neckar" erwähnte und Meyer darin als einen "verdienstvollen Mann" bezeichnete. Zunächst sammelte Meyer nur deutsche Vögel, erweiterte sein Sammelgebiet dann jedoch auf das gesamte Europa. Ab 1810 sammelte er auch Säuger.
Meyer veröffentlichte zahlreiche Lehrbücher über die Vogelwelt, die von den Künstlern Johann Mathias Hergenröder aus Offenbach und Ambrosius Gabler aus Nürnberg illustriert wurden. Fünf grundlegende Werke hat Meyer publiziert: das berühmteste ist wohl das zweibändige "Taschenbuch der deutschen Vögelkunde oder kurze Beschreibung aller Vögel Deutschlands", das er mit Professor Dr. Wolf im Jahre 1809 abschloss. Dieses Buch sollte auch Laien in die Vogelkunde einführen und war mit zahlreichen Abbildungen versehen.
1822 brachte Meyer "Zusätze und Berichtigungen" zu diesem Werk heraus. Mitautor war Meyer bei der nur in 16 Exemplaren herausgegebenen "Naturgeschichte der Vögel Deutschlands in getreuen Abbildungen und Beschreibungen". "Kurze Beschreibung der Vögel Liv- und Esthland’s" heißt ein 1815 veröffentlichtes Buch. Bereits von 1799 bis 1802 hatte er in Zusammenarbeit mit Philipp Gottfried Gärtner und Dr. Johannes Scherbius die "Ökonomisch-technische Flora der Wetterau" in drei Bänden herausgegeben.
Zahlreiche Reisen führten ihn 1816 in die Schweiz, wo er seinen Freund, den Naturforscher Rudolf Heinrich Schinz (1777-1861) besuchte, nach Holland und 1827 nach Dänemark. Bernhard Meyer gehörte mit Metzler zu den Gründern der "Senkenbergischen Naturforschenden Gesellschaft" in Frankfurt. Mit zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen wurde sein Name bald in ganz Deutschland bekannt und er galt als ein Fachmann ersten Ranges. Am 1. Januar 1804 hatte ihn sein Landesherr Fürst Karl zu Isenburg zum Hofrat, 1816 Großherzog Ludwig zum Medizinalrat ernannt. Im Laufe der Jahre wurde Meyer von mehr als zwanzig bedeutenden gelehrten Gesellschaften des In- und Auslands Ehren- und wirkliches Mitglied. Ihm zu Ehren nannte der Naturforscher Eduard Rüppell (1794-1884) einen in Abessinien um 1831-1833 neu entdeckten Papagei "Psittacus Meyeri".
In Hanau gründete Meyer im Juli 1808 zusammen mit seinen Freunden Gärtner, Leisler, J. H. Kopp, Karl Caesar von Leonhard und anderen die "Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Naturkunde". Meyer wurde zum Auswärtigen Direktor der Gesellschaft gewählt. Berühmte Ehrenmitglieder waren Johann Wolfgang Goethe und Alexander von Humboldt.
1817 wurde die "Senckenbergsche Naturforschende Gesellschaft" gestiftet. Meyer wurde im Februar 1818 mit der Betreuung der zoologischen Abteilung beauftragt. Über die genauen Gründe liegen zwar keine Dokumente vor, jedenfalls verkaufte Meyer Mitte 1819 seine Vogelsammlung an das Museum. Es wurde vereinbart, dass er seine ehemalige Sammlung weiterhin vervollständigte, so dass er bis zu seinem Tode mit großem Interesse die Entwicklung des Senckenbergschen Museums verfolgte. Meyer starb am 1. Januar 1836.

Auch im öffentlichen Leben Offenbachs spielte Meyer eine wichtige Rolle: So leitete er 1814 die Feier der Schlacht bei Leipzig und wirkte 1819 bei der Einweihung der Schiffsbrücke mit. Meyer war Freimaurer und passionierter Jäger. Die präparatorischen Arbeiten führte er jedoch nicht selber aus; dies überließ er seinem Freund Hofintendant Schaumburg.
Darüber hinaus war er als Freund derber Späße – als Maître de plaisier – bekannt. Um 1800 soll er bei einem Maskenball im alten Komödienhaus in der Kirchgasse als Türke verkleidet erschienen sein und die Gesellschaft mit süßem Konfekt beschenkt haben. Diesem war jedoch ein schnell wirkendes Abführmittel beigefügt worden!

Das Brustbild zeigt Dr. Bernhard Meyer – ein Buch in den Händen haltend, welches hand-schriftliche Aufzeichnungen enthält. Zwei abgebildete Vögel weisen auf seine Verdienste in der Ornithologie hin. Meyer trägt die Mode der Biedermeierzeit: den typischen Vatermörder-Kragen und den Gehrock. Der Mode und dem Alter des Dargestellten nach zu schließen, dürfte das Gemälde um 1825-30 entstanden sein.