Offenbach auf dem Weg zur Bildungsstadt – EBO 2009
Offenbach, den 19.01.2011, letzte Bearbeitung: 22.12.2011Seit 2004 informieren der Magistrat der Stadt Offenbach und das Staatliche Schulamt für die Stadt und den Landkreis mit dem jährlichen Erziehungs- und Bildungsbericht Offenbach (EBO) umfassend über die Erziehungs- und Bildungssysteme der Stadt. Dass wir nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen, wusste schon der römische Philosoph Lucius Seneca. Inzwischen hat die Leitidee des Lebenslangen Lernens Karriere gemacht, denn in der Schule erworbenes Wissen genügt in den meisten Fällen nicht mehr, um eine Berufslaufbahn sinnvoll zu durchlaufen.
Dem trägt der jetzt vorgestellte sechste EBO Rechnung, der einen großen Bogen von der frühkindlichen Bildung bis zur Erwachsenenweiterbildung spannt. Erstmals ist der Bildungsbericht im Kontext des Projektes „Lernen vor Ort“ entstanden, einer Initiative des Bundes die „Aufstieg durch Bildung“ ermöglichen und fördern soll. Eine weitere Neuerung ist die genaue Betrachtung des Übergangs von der Schule in den Beruf, auch der Schulsozialarbeit wurde ein eigenes Kapitel gewidmet.
Neben dem Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration, der Stadtbibilothek Offenbach, dem Stadtschulamt, der Volkshochschule Offenbach und der Fachgruppe Bildungsmonitoring mit Experten war das Staatliche Schulamt an der Erstellung des Berichtes beteiligt.
„Die Anstrengungen der Stadt zeigen durchaus erste Erfolge. Natürlich sind wir noch nicht am Ziel, aber in vielen Bereichen sind durchaus Verbesserungen erkennbar“, fasst Bürgermeisterin Birgit Simon die Erkenntnisse aus der aktuellen Bestandsaufnahme zusammen. So haben beispielsweise die schulischen Erfolge von Migranten erkennbar zugenommen, "ein zartes Pflänzchen zwar, aber mit der kontinuierlichen Investition in Sprachförderprogramme ist man hier auf dem richtigen Weg."
Sprachförderung, Ganztagsbetreuung, Krippenausbau: die Herausforderungen im Bereich der frühkindlichen Bildung und der Schulsysteme haben zugenommen. Mit den 2009 begonnenen Qualifizierungsmaßnahmen für alle pädagogischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Kindertagesstätten und der Entwicklung von Bildungsbausteinen, die sich an den Bedürfnissen der Kinder und Eltern orientieren und deren Inhalte sich dann in Grundschulen fortsetzen, soll der Bildungsplan von Null bis zehn Jahren konsequent umgesetzt werden, beschreibt Jugenddezernentin Simon den verordneten Fahrplan.
Der Ausbau der Krippenplätze wird weiter vorangetrieben: 309 Krippenplätze für die unter Dreijährigen kamen im Jahr 2009 hinzu, bis 2013 muss das Angebot von aktuell 803 Plätzen um weitere 409 erhöht werden, um der Vorgabe des Bundes, für 35 Prozent aller Kinder einen Betreuungsplatz bereit zuhalten, gerecht zu werden. Erhöht hat sich auch die Zahl der verfügbaren Kindertagesplätze: in 58 Einrichtungen finden nun 4.100 drei- bis sechsjährige einen Platz.
In einer Einwanderungsstadt wie Offenbach mit einer Quote von 30,2 Prozent nicht deutscher Einwohnerinnen und Einwohner ist Sprachförderung – vor allem im Kindesalter - besonders wichtig. 1.702 Kinder erhielten 2009 diese Förderung, die Verfasser des Berichts vermuten allerdings einen tatsächlich weit höheren Bedarf.
Stetig ausgebaut wird das Angebot an Ganztagsschulen, 2009 profitierten rund 5.500 Schüler der Jahrgangsstufen eins bis zehn von den Angeboten – dies entspricht fast der Hälfte aller Schüler. Sechs von 14 Grundschulen, eine Förderschule und acht weiterführende Schulen bieten eine pädagogische Mittagsbetreuung an, zwei Schulen arbeiten nach der Form der kooperativen Gesamtschule und eine integrierte Gesamtschule arbeitet mit offener Konzeption. Ob organisiert von Fördervereinen der Schulen oder in Kooperation mit dem Jugendamt, „die Betreuungsqualität“, so Dr. Peter Bieniussa vom Staatlichen Schulamt, „wird stetig vorangetrieben“.
Dass die Ganztagsfähigkeit einer Schule auch für Eltern ein wichtiges Kriterium darstellt, weiß auch Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß: „Dieser Aspekt wird auch bei baulichen Maßnahmen in den Schulen inzwischen mitberücksichtigt.“. Insgesamt soll das Angebot noch weiter ausgebaut werden, allerdings macht der EBO 2009 bereits jetzt deutlich, das Offenbach über ein differenziertes und plurales Bildungsangebot verfügt. „Offenbach ist auf dem Weg zu einer Bildungsstadt“ – diese Aussage sei in Anbetracht des Angebots – Offenbach verfügt über drei Gymnasien, drei integrierte Gesamtschulen, 14 Grundschulen, drei Förderschulen, vier Privatschulen sowie drei beruflich bildende Schulen – nicht vermessen, so der Bildungsdezernent. Durch die Auswahl Offenbachs als eine von bundesweit 40 Gebietskörperschaften für die Initiative „Lernen vor Ort“ des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft können zudem weitere Impulse, vor allem im Bereich „Familienbildung/ Elternarbeit“ gesetzt werden. So soll die Ausbildung von sogenannten Integrationslotsinnen und -lotsen weiter ausgebaut werden und die Kooperation zwischen Schulen und Kinder- und Jugendhilfe im Bereich der Elternarbeit verstärkt werden.
Das Schulangebot ist vielfältig, jedoch verändern sich die Übergänge zwischen den einzelnen Schulformen sichtbar: die Attraktivität der Förderstufe nimmt deutlich ab ( 2006 setzten 41 Prozent des Jahrgangs ihre Schullaufbahn dort vor, 2009 waren es nur 28 Prozent), während sich das Interesse an der integrierten Gesamtschule mehr als verdoppelt (13 Prozent in 2006, 28 Prozent in 2009). Relativ gleich geblieben ist das Interesse am Besuch des Gymnasiums (von 41 Prozent in 2006 auf 44 Prozent in 2009), an Bedeutung verloren hat die Förderschule (2006 noch fünf Prozent, 2009 Null Prozent). Für Kai Seibel aus dem Dezernat für Bildung und Ordnung lässt insbesondere die Zunahme der Schülerzahlen an den integrierten Gesamtschulen nur den Schluss zu, dass erst jetzt ein entsprechendes Angebot existiert und dieses gut angenommen wird.
Kleine Erfolge lassen sich bei den Hauptschulabschlüssen verbuchen: waren es 2006 noch ca. 130 Schüler (27 Prozent) , die die Hauptschule ohne Abschluss verließen, sind es 2009 noch 97 Schüler (23 Prozent).
Zum ersten Mal bezieht der Erziehungs- und Bildungsbericht die beruflichen Schulen mit ein. Die Ausbildung in beruflichen Schulen erweist sich als stark nach Geschlechtern differenziert: so überwiegt der Anteil der Frauen im Bereich der schulischen Ausbildung (20,6 Prozent), Männer hingegen finden sich überwiegend (70 Prozent) in der dualen Ausbildung, also in der Kombination von Ausbildung und berufsbildender Schule. Signifikante Unterschiede ergeben sich allerdings im Bereich der Nationalität: Deutsche Schüler/innen der beruflichen Schulen gehen zu über zwei Drittel einer dualen Ausbildung nach, nicht-deutsche dagegen nur zu 41 Prozent.
Sozialindex
Ein Novum innerhalb des EBO ist die Untersuchung der schulischen Leistungsdaten nach der räumlichen Sozialstruktur. Ausgehend von der Arbeitshypothese, dass Schul- bzw. Lernerfolg und Sozialstruktur korrelieren, wurden auf Grundlage der Ergebnisse des Lesetests in der 2. Grundschulklasse, den Übergangszahlen auf das Gymnasium sowie dem Armutsbericht der Bundesregierung Indikatoren gebildet, deren Ergebnisse auch Handlungsfelder abbilden. Der Mittelwert des Index der bildungsrelevanten sozialen Belastung liegt bei 155,6 Prozent, der Mittelwert der Erfolgsquote des Lesetests bei 63,8 Prozent. Hier führen vor allem die Schulen im innenstädtischen Bereich das Ranking an. Im oberen Bereich mit einem Sozialindex von 200,61 und einer Erfolgsquote von 44,4 Prozent liegt die Eichendorfschule auf Rangplatz 14, gefolgt von der Mathildenschule. Im Mittelfeld liegen die Beethovenschule und die Anne-Frank-Schule, mit einer Lesetest Erfolgsquote von 74,2 Prozent und einem Sozialindex von 105,58 liegt die Ernst-Reuter-Schule am unteren Ende der Skala. Dieser Index stelle eine erste Annäherung dar, die Datenbasis müsse stetig erweitert werden, meint Dr. Peter Bieniussa vom Staatlichen Schulamt.
Einigkeit besteht aber darin, dass der Erziehungs- und Bildungsbericht eine Progression abbilde, „die Schwachen sind besser geworden“, so Bieniussa.
Weiterbildung
Dazu haben auch die Angebote der Volkshochschule mit beigetragen: Die inhaltliche Bandbreite der insgesamt 1075 Kurse reicht von Deutsch als Fremdsprache und Fremdsprachen über kreative Angebote, die von rund 11.000, überwiegend jungen Menschen besucht wurden (24,6 Prozent waren zwischen 25 und 34 Jahre alt, 33,2 Prozent zwischen 35 und 49 Jahre).
Jung ist auch die größte Nutzergruppe der Stadtbibliothek: 4.000 Kinder bis 12 Jahre leihen aktiv Bücher und Medien aus. Insgesamt wurden 2009 ca. 441.000 Medien durch 12.000 aktive Entleiher ausgeliehen.
Ausblick
Bereits 2004 formulierte das Bundesministerium für Bildung und Forschung: „Lebenslanges Lernen hilft, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken und Ausgrenzung soweit wie möglich zu vermeiden.“ Die Stadt Offenbach baut ihre Angebote aus – die Neuausrichtung des EBO an der Lebenslaufperspektive ist nur ein Teil dieses gesamtgesellschaftlichen Konzeptes.
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
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