Ingenieurstudiengang in Offenbach für Berufstätige und Auszubildende
Offenbach, den 28.06.2010, letzte Bearbeitung: 30.06.2010Startschuss für den berufs- und ausbildungsbegleitenden Studiengang „Bachelor of Engineering“ in Offenbach. Ab dem kommenden Wintersemester bietet die Hessische Berufsakademie (BA) in Zusammenarbeit mit der Stadt Offenbach ein ingenieurwissenschaftliches Studium mit den Schwerpunkten Elektrotechnik, Maschinenbau oder Mechatronik an. Oberbürgermeister Horst Schneider begrüßt dieses Angebot, denn es ermögliche jungen Menschen auch ohne Abitur eine ingenieurswissenschaftliche Qualifizierung und damit gute Berufschancen. Denn in Offenbach und Umgebung litten etliche technisch geprägte Unternehmen unter Fachkräftemangel, so Schneider

Das kann der Leiter der städtischen Wirtschaftförderung, Jürgen Amberger, bestätigen. Ortsansässige Firmen wie Areva, Siemens Sector Energy, Vibra Maschinenfabrik Schultheis oder auch das VDE-Prüfinstitut seien auf Ingenieure angewiesen und unternähmen teils verzweifelte Anstrengungen, um gute Nachwuchskräfte zu gewinnen. Hinzu kommt, dass in den kommenden Jahren etliche Fachkräfte aus dem Erwerbsleben ausscheiden werden ohne dass eine entsprechende Nachfolgerquote in Sicht wäre.
Doch was genau brauchen die Unternehmen? Angesichts benachbarter Hochschulstandorte ist die Hessische Berufsakademie dieser Frage besonders sorgfältig nachgegangen. Mit Unterstützung der Stadt Offenbach wurden Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds akquiriert, um den bedarf der Unternehmen und den Fachkräftearbeitsmarkt in der Region genau zu untersuchen. Es wurde ein Curriculum entwickelt, dass sich eng am Bedarf der regionalen Wirtschaft orientiert.
Der Ingenieursstudiengang der BA steht zum einen Schulabgängern mit (Fach-)Hochschulreife offen, die einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen der Region abgeschlossen haben. Und auch Berufstätige mit Techniker- oder Meisterqualifizierung können das Bachelor-Studium aufnehmen.
Das Studium dauert drei Jahre (sechs Semester). Akademischer Unterricht findet an zwei Tagen pro Woche statt, in der Regel freitags und samstags, jeweils von 8.30 Uhr bis 15.45 Uhr. „Wer schnell studieren und dabei Geld verdienen will, ist an der Hessischen Berufsakademie richtig“, sagt Geschäftsleiter Mark Moser. Für die Theorie stehen Räume im Klinikum und im Gründerzentrum Ostpol in der Hermann-Steinhäuser-Straße zur Verfügung. Fachpraktischer Unterricht findet an der Gewerblich-Technischen-Schule in der Offenbacher Innenstadt und bei einer Firma in Langen statt.
Die Studierenden sind also an vier Tagen pro Woche im Betrieb. Und der kann vom Studium des Mitarbeiters oder Auszubildenden ebenfalls profitieren. Denn aus der betrieblichen Praxis heraus können die Unternehmen das Projekt mitbestimmen, das der Mitarbeiter im Rahmen des Studiums bearbeitet. Auf diese Wiese fließt die ingenieurwissenschaftliche Qualifizierung direkt in den Betrieb ein. Und gleichzeitig werden die Studierenden mit Problemstellungen befasst, wie sie tatsächlich im Unternehmen zu lösen sind. Mit den Unternehmen steht die Hessische Berufsakademie in engem Kontakt, um Projektideen mit Praxisbezug zu entwickeln, und um sicherzustellen, dass die Studierenden auch im Betrieb eine entsprechende fachliche Anleitung haben.
375 Euro beträgt die Studiengebühr pro Monat. Bei Auszubildenden wird sie in der Regel von der Firma getragen und mit der Ausbildungsvergütung verrechnet.
Für den Standort Offenbach liegen aktuell acht Anmeldungen vor. Am stärksten ist das Interesse an der Fachrichtung Maschinenbau. Bei der BA geht man davon aus, dass bis September 15 bis 20 Anmeldungen zusammenkommen werden. Das entspricht in etwa der Mindestteilnehmerzahl, um den Studiengang anbieten zu können. Ob man schon im September gleichzeitig in allen drei Fachrichtungen starten wird, ist offen. Doch das Studium ist modular ausgebaut und in den ersten Semestern werden ohnehin fächerübergreifende Grundlagen unterrichtet. Dazu gehören Mathematik, Informatik, Physik, Elektrotechnik und technische Kommunikation. Daneben lernen die Studierenden auch Betriebsorganisation und –management sowie technisches Englisch. Die Spezialisierung für eine Fachrichtung folgt ab dem dritten Semester.
Oberbürgermeister Schneider erwartet vom neuen Studiengang auch Impulse für die Entwicklung der Stadt. Offenbach sei längst keine Arbeiter- und Industriestadt mehr. Im Unterschied zum klassischen produzierenden Gewerbe würden heute höhere Qualifikationsanforderungen an die Beschäftigten gestellt. Es gehöre zur Bildungsoffensive der Stadt, der technologischen Entwicklung zu folgen und sich für entsprechende Ausbildungsangebote stark zu machen, die Menschen für den Markt qualifizieren.
Mehr Informationen zum Studiengang und zur Hessischen BA finden Sie unter:
http://www.hessische-ba.de/ba_bachelor_of_engineering.html
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