Bürgerarbeit - eine echte Chance zum Wiedereinstieg
Offenbach, den 15.06.2011, letzte Bearbeitung: 16.06.2011„Bürgerarbeit verschafft den Menschen Unabhängigkeit und ist eine Chance zum Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt“, erklärte Bürgermeisterin Birgit Simon bei der Vorstellung der Zielsetzungen des Konzeptes.
Der Arbeitsmarkt ist in Bewegung und mit dem Strategiewechsel des Bundearbeitsministeriums wird mit diesem Modellprojekt nun ein neuer Weg beschritten, Menschen wieder in sozialversicherungspflichtige Arbeit zu vermitteln. Neben der Stadt Offenbach nehmen hessenweit acht weitere Landkreise und Städte an dem Modellprojekt teil.
„Wir möchten Arbeit und nicht Arbeitslosigkeit finanzieren“, betont Dr. Matthias Schulze-Böing, Geschäftsführer der MainArbeit: „Mit der Bürgerarbeit haben wir ein Instrument zur Aktivierung und gleichzeitig auch Qualifizierung unserer Kunden.“ Primat bei allen Aktivitäten der MainArbeit ist die Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt - das mit EU-Mitteln finanzierte Bundesprogramm der Bürgerarbeit sei hierbei eine nachrangige Maßnahme, so Schulze-Böing weiter. Seit August 2010 wurden im Rahmen der Integrationsmaßnahme fast 700 Langzeitarbeitslose aktiviert und gemeinsam mit dem jeweiligen Berater der MainArbeit eine Standortbestimmung durchgeführt. In einem zweiten Schritt wurden die Vermittlungsaktivitäten verstärkt und etwaige Vermittlungshemmnisse gemeinsam angegangen. Bis Mai 2011 hatten 19 Prozent aller aktivierten Teilnehmer wieder eine Beschäftigung im allgemeinen Arbeitsmarkt gefunden, 147 Teilnehmer waren zwischenzeitlich weggezogen, in Elternzeit gegangen oder wegen langer Krankheit ausgeschieden.
In Phase vier werden die Kunden nun in Schulkantinen, im Naturschutz, im Umweltschutz und im Quartiersmanagement gemeinnütziger Träger als Bürgerarbeiter eingesetzt. Insgesamt 100 solcher Arbeitsplätze umfasst der Förderrahmen des Bundesverwaltungsamt, 81 sind aktuell bewilligt. Die Offenbacher Träger wie CariJob und GOAB haben ihrerseits 96 beantragt. Rund 60 Bürgerarbeiter sind momentan bei CariJob beschäftigt und erhalten für ihre Tätigkeit ein Gehalt. „In der Regel beträgt die Arbeitszeit zwischen 20 bis 30 Stunden die Woche, in puncto Vergütung ist Bürgerabeit allerdings nur ein Einstieg. Die Entlohnung ist angemessen, aber nicht üppig und soll die Leute motivieren, sich für den ersten Arbeitsmarkt zu bewähren“, erläutert Bernd Bleines, Geschäftsführer der CariJob gGmbH.
„Ich bin froh, jetzt als Bürgerarbeiter tätig zu sein. Aber langfristig will ich meinen Gesellenbrief nachmachen:“ Markus Breuer hat die sechsmonatige Bewährungsphase hinter sich und ist nun als Energielotse in dem Projekt „Energiespar-Check“ der Caritas beschäftigt. Eine abgebrochene Ausbildung und viele Jahre Berufserfahrung als Elektriker bringt der Fünfunddreißigjährige mit und berät jetzt im Rahmen der „Aktion Stromspar-Check“ des Deutschen Caritasverbandes e.V. und des Bundesverbandes der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands einkommensschwache Haushalte, also Bezieher von SGBII-Leistungen, Sozialhilfe- und Wohngeldempfänger darüber, wie sie mit wenigen Handgriffen Wasser, Energie und damit Geld sparen können.
Ausgerüstet mit einem Strommessgerät und einem Messbecher ermitteln die Energielotsen den Stromverbrauch aller Geräte im Haushalt, von der Kaffemaschine, dem Fernseher im standby-Betrieb bis hin zur Deckenlampe: alles kommt auf den Prüfstand. Diesem ersten Erfassungstermin folgt ein zweiter Besuch, bei dem kleine Umbauten vorgenommen werden. Für insgesamt 70 EURO können Durchlaufbegrenzer in Wasserhähne und Duschen sowie Energiesparlampen eingebaut werden . Das Beste daran ist: den jeweiligen Haushalt kostet weder der Energiecheck noch das Material einen Cent. Verbunden mit einer entsprechenden Verhaltensänderung lassen sich somit übers Jahr durchschnittlich 153 EURO an Energiekosten sparen, um 98 EURO reduziert sich alleine die Stromrechnung. Aber auch für die Kommune sind die eingesetzten Energielotsen ein Gewinn, denn bei Beziehern von ALGII-Leistungen und Sozialhilfe tragen sie die Kosten für Wasser und Heizenergie.
Umfangreiche Kenntnisse bringt auch Energielotse Andreas Stegmüller mit: der 49jährige hat als Maschinenbauer und Klimatechniker gearbeitet und ist froh, dass er nach zwei Jahren als AGH-Kraft nun als Bürgerarbeiter tätig werden kann: denn die Altersgrenze zur Teilnahme ist 50, danach greifen andere Programme der MainArbeit. Jedoch bis dahin hofft auch er den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt geschafft zu haben. Seine jetzige Tätigkeit macht ihm Spaß und er will gerne weiter als Energieberater arbeiten: „Endlich kann ich mein Wissen wieder sinnvoll einsetzen und leiste nebenbei auch noch einen Beitrag zum Umweltschutz.“ Schließlich lassen sich beispielsweise pro Haushalt durchschnittlich rund 315 Kg CO2 im Jahr einsparen, dies entspricht einer 2250 KM langen Fahrt mit einem PKW Kleinwagen.
Leistungsempfänger die Geld und CO2 einsparen wollen, können sich telefonisch oder persönlich melden um einen kostenlosen Stromspar-Check zu vereinbaren:
CariJob gemeinnützige GmbH
Projekt Stromspar-Check
Bieberer Straße 51
63065 Offenbach
069-98558298-0
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
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