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Schon im Kindergartenalter werden wichtige Weichen gestellt

Offenbach, den 18.12.2008, letzte Bearbeitung: 13.01.2009

Das Verständnis von Bildung hat sich in Deutschland nicht zuletzt durch die Pisa-Studie grundlegend gewandelt. Denn es wurde erschreckend deutlich, dass hierzulande viele Kinder keine echten Bildungschancen haben. Kinder aus sozial schwachen Familien, aus Familien mit Migrationserfahrung oder gar aus Familien, in denen beide Faktoren zusammenkommen, sind im Bildungssystem benachteiligt. Diese Nachteile werden im Laufe ihrer Schulzeit nicht etwa abgebaut – im Gegenteil: Viele von ihnen verlassen die Schule mit schlechtem Zeugnis oder ganz ohne Abschluss. Das führt dazu, dass ganze Bevölkerungsgruppen von gesellschaftlicher Ausgrenzung bedroht sind. Höchste Zeit umzudenken!

Benachteiligungen abbauen, statt sie zu verstärken, lautet das Gebot der Stunde. Auf der Suche nach neuen Konzepten und Ansatzpunkten ist mittlerweile verstärkt das Vorschulalter in den Blick gerückt. Es ist wissenschaftlich belegt, dass in den ersten Lebensjahren entscheidende Weichen für das Lernen und damit für den späteren Bildungserfolg von Menschen gestellt werden. Denn Lernbereitschaft und Lernvermögen sind in den ersten sechs Lebensjahren extrem ausgeprägt. Vor allem für das Verständnis von Sprache und von naturwissenschaftlichen Zusammenhängen werden in dieser Lebensphase wichtige Grundsteine gelegt.

Verzahnung von Bildung und Erziehung

Kindertagesstätten gelten demnach längst nicht mehr nur als Einrichtungen, in denen Kinder vor allem liebevoll betreut werden, und wo sie weitgehend zweckfrei spielen, basteln und erste Freundschaften schließen können. Vielmehr kommt Kindertageseinrichtungen eine zentrale Rolle in der Verzahnung von Erziehung und Bildung zu, denn beides hängt untrennbar zusammen. Das Prinzip “Lebenslanges Lernen“ bedeutet „Bildung von Anfang an“, wie es im hessischen Bildungs- und Erziehungsplan heißt. Schon die Kleinsten sollen mitsamt ihren sozialen und kulturellen Voraussetzungen wahrgenommen und in ihrem Lerneifer und ihrer kindlichen Neugier entsprechend gefördert werden. Bildung zielt nicht mehr länger allein auf die berufliche Karriere ab, sondern gilt im umfassenderen Sinne als ein Prozess, der darauf angelegt ist, Lebensperspektiven zu erweitern, bessere Lebenschancen zu eröffnen und zur Teilhabe am politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben zu befähigen.

Systematische Sprachförderung in allen Kitas, ein möglichst reibungsloser Übergang von der Kita in die Grundschule, Verbesserung der pädagogischen Qualität und eine damit verbundene Fortbildungsoffensive für das pädagogische Personal in den städtischen Kindertageseinrichtungen, sind zentrale Schritte, mit denen die Stadt Offenbach der Bildungsmisere entgegentritt. Der Problemdruck ist enorm. Denn gerade in Offenbach leben viele Menschen, um deren Erfolgsaussichten es im herkömmlichen Bildungssystem eher schlecht bestellt ist.

Nationalitätenvielfalt

In Offenbach leben mehr als 140 verschiedene Nationalitäten. Rund 30 Prozent der etwa 118.000 Einwohner haben keinen deutschen Pass. Hinzu kommen etwa 15 Prozent deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund. Bei den Kindern, insbesondere bei unter Sechsjährigen, liegt der Anteil derer mit Migrationserfahrung noch wesentlich höher. Zwar liegen hier keine exakten Zahlen vor, einen Anhaltspunkt liefert aber die Statistik des Eigenbetrieb Kindertagesstätten: Demnach betrug der Anteil an Migrantenkindern in Kindertagesstätten zum 1. Mai 2008 rund 79 Prozent. In der Innenstadt liegt die Quote sogar bei 84 bis 100 Prozent.

Gleichzeitig ist Offenbach eine Stadt mit einer schwachen Sozialstruktur. Die Arbeitslosigkeit ist – bezogen auf die alten Bundesländer – hoch, sie lag im 2. Quartal 2008 in Offenbach bei etwa 11,2 Prozent, während die Quote im hessischen Durchschnitt bei 6,5 Prozent lag. Viel zu hoch ist die Zahl derer mit einer problematischen Schullaufbahn: Im Schuljahr 20005/2006 verließen knapp 27 Prozent der Hauptschüler die Schule ohne Abschluss.

Sprachkenntnisse verbessern

Ein massives Problem der Kinder, das die spätere Schullaufbahn erheblich gefährdet, ist die mangelnde Sprachfähigkeit in Deutsch. Viele kommen ohne jeglichen Kenntnisse der deutschen Sprache in den Kindergarten. Die Eltern sprechen häufig kein Deutsch, oder sie sprechen es sehr schlecht. Hinzu kommen oft Defizite in der Herkunftssprache, die folglich ebenso fehlerhaft und unvollständig an die Kinder weitergegeben wird. So fehlen den Kindern auch in der Muttersprache Sicherheit und Souveränität.

Dass mangelnde Sprachkenntnisse die Schul- und Berufsaussichten der Kinder massiv gefährden, ist den Eltern mehrheitlich bewusst geworden. Und die meisten haben erkannt, dass es wichtig ist, die Kinder möglichst frühzeitig in den Kindergarten zu schicken. Diese erfreuliche Entwicklung stellt die Stadt allerdings auch vor große Probleme: Denn in den Kindertageseinrichtungen fehlen Plätze, vor allem für Kinder unter drei Jahren und vor allem in der Innenstadt, wo vermehrt kinderreiche Migrantenfamilien wohnen.

Qualifizierung des pädagogischen Personals

Gute Entwicklungsförderung erfordert die hohe Professionalität der Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten. Entwicklung und Bildung realisieren sich nicht einfach von alleine. Kinder brauchen verlässliche und stabile Beziehungen, die ihre Progressionsbedürfnisse und Lernmotivation unterstützen. Sie brauchen professionelle Fachkräfte, die motivieren, anregen und Selbstbildungsprozesse in Kindergruppen unterstützen können. Das alles setzt neben fundiertem Fachwissen auch ein hohes Maß an Selbstreflexionsfähigkeit voraus.

Die neuere Forschung stellt überzeugend dar, dass die Lernvoraussetzungen im Kindergartenalter nicht hoch genug eingeschätzt werden können und die Kinder ihrer Lernmotivation entsprechende Bildungsangebote brauchen. Dazu gibt es in der Kindergartenarbeit keine Tradition. Bildung im Elementarbereich muss curricular aufgearbeitet werden und die Erzieher/innen brauchen dafür eine fachliche und im Alltag verwertbare Qualifikation.

weitere Bilder: Birgit Simon, Bürgermeisterin, Jugend- und Sozialdezernentin der Stadt Offenbach: "Bildung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Wohlstand, soziale Chancen-gleichheit, gesellschaftliche Teilhabe und Integration. Bildung stellt insofern den entscheidenden Faktor für nachhaltige Entwicklung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit dar."
Birgit Simon, Bürgermeisterin, Jugend- und Sozialdezernentin der Stadt Offenbach: "Bildung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Wohlstand, soziale Chancen-gleichheit, gesellschaftliche Teilhabe und Integration. Bildung stellt insofern den entscheidenden Faktor für nachhaltige Entwicklung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit dar."