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Kindergartenkinder dürfen mehr fürs Leben lernen

Offenbach, den 17.12.2008

Die Stadt Offenbach stellt für die Jahre 2008 bis 2011 jährlich viel Geld zur Verfügung, um die pädagogische Qualität in den städtischen Kindertagesstätten zu verbessern. Dazu plant sie derzeit ein mehrjähriges Weiterbildungsprogramm für die rund 350 Beschäftigten des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO) und sichert die dadurch entstehende Mehrarbeit durch den Einsatz von sieben neuen Stellen ab. Damit soll die Qualität der Bildungsarbeit in den Einrichtungen steigen und gleichzeitig die Belastung des pädagogischen Personals sinken. 600.000 Euro hatte der EKO dafür zusätzlich in seinem Wirtschaftsplan für 2008 veranschlagt, im Jahr 2009 werden es 900.000 Euro sein.

Bedarfsdeckung bei den Kindergartenplätzen

Die gesetzliche Forderung nach ausreichend Kindergartenplätzen für 85 Prozent der 3- bis 6-Jährigen kann die Stadt Offenbach inzwischen erfüllen. Rund 4000 Plätze stellen Stadt und freie Träger zusammen bereit. Doch zurücklehnen kann sich die EKO-Betriebsleitung deshalb noch lange nicht – im Gegenteil. Weil die Stadt seit Jahren stark darum wirbt, dass Eltern ihre Kinder auch tatsächlich in den Kindergarten schicken, damit sie dort möglichst gut auf den Schuleinstieg vorbereitet werden, liegt die Nachfrage nach Plätzen mittlerweile bei etwa 95 Prozent und ist weiter ansteigend.
Insofern sind immer noch Kindergartenkinder in Warteposition und um sie nicht abweisen zu müssen, braucht der EKO nach wie vor seine laut Betriebserlaubnis genehmigten Plätze. Selbst die drei neue entstehenden Kitas (Klinikum, ASB, Erasmus- Kindergarten) können den Bedarf noch nicht im vollen Umfang decken.

Gruppengrößen

Das bedeutet, dass die überfällige Reduktion der Gruppengrößen im EKO (von 25 Kindern auf 22 Kinder) noch immer nicht vorgenommen werden kann. Ebenso müssen die Halbtags- Kindergarten- Plätze vorerst gehalten werden, die nachmittags von Hortkindern besetzt sind.
Um die nicht zuletzt durch die Gruppengrößen von 25 Kindern resultierenden Belastungssituationen für die Kinder und die Erzieher wenigstens etwas zu entschärfen, hat die Betriebsleitung in Absprache mit dem Personalrat vorgeschlagen, das Geld, das eigentlich zur Gruppenreduzierung vorgehalten wurde, für ein fundiertes Weiterbildungsprogramm zu nutzen.
Das Ziel der Gruppenreduktion ist im Rahmen des weiteren Ausbaus von Kinderbetreuungsplätzen nicht aufgehoben und wird zu einem späteren Zeitpunkt weiter verfolgt werden.

Programm zur Qualitätsverbesserung

Das zur Verfügung gestellte Geld soll im Wesentlichen für vier Schwerpunkte ausgegeben werden.
1. Reduktion der Gruppengrößen in den Kitas, in denen die Belastung am stärksten ist,
2. Schaffung von sieben neuen Stellen, um den größten aktuellen Personalbedarf in den Kitas zu erfüllen,
3. Ausbau des Supervisionsangebotes für ErzieherInnen und Leitungen,
4. Weiterbildung von LeiterInnen und ErzieherInnen in aktuellen pädagogischen Schwerpunktthemen.

Weiterbildungsidee

Die Idee der Gruppenreduktion um 3 Kinder pro Gruppe wird von den Fachleuten im EKO als nicht sehr hilfreich eingeschätzt, um den Kindern eine bessere Entwicklungsunterstützung zu geben. Auch die Personalvertretung ist inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass die Belastung der Erzieherinnen und Erzieher nicht allein von der Anzahl der zu betreuenden Kinder abhängt, sondern auch viel mit den steigenden Anforderungen, die durch die Kinder in den Einrichtungen zum Tragen kommen, zu tun hat. Hier braucht es ein besonderes Maß an pädagogischer Intervention und pädagogischem Know How, um ein Bildungsprogramm auflegen zu können, das die Kinder in ihrer Persönlichkeit gestärkt und in ihrem Forscherdrang befriedigt in die Schule entlassen kann.

Auf diese Anforderungen werde das pädagogische Personal während der Ausbildung nur unzureichend vorbereitet, so der EKO-Betriebsleiter Hermann Dorenburg. In anderen europäischen Ländern würden Erzieherinnen und Erzieher inzwischen an Hochschulen ausgebildet. Aus gutem Grund. Denn mittlerweile ist wissenschaftlich bewiesen, dass Klein- und Vorschulkinder bereits sehr interessiert
und aufnahmefähig sind, wenn es um naturwissenschaftliche oder technische Zusammenhänge, um Sprachverständnis oder um mathematische Gesetzmäßigkeiten geht. Daneben gelte es, musische Begabungen stärker anzusprechen und soziale Kompetenzen noch mehr zu fördern. Wie dabei vorzugehen sei, werde in der klassischen Erzieher/innen-Ausbildung jedoch noch viel zu wenig vermittelt.

Um diese Herausforderung bewältigen zu können, werden die Kita- LeiterInnen und ihre Stellvertretungen zusätzlich vorqualifiziert, denn sie müssen dafür sorgen, dass die neuen Erkenntnisse auch tatsächlich Eingang in den Kindergartenalltag finden und ihre ErzieherInnen darin anleiten, innovative pädagogische Konzepte auch zur Anwendung bringen zu können.

Die Weiterbildung mit den ErzieherInnen findet in den jeweiligen Einrichtungen mit den ganzen Teams statt. Innerhalb von drei Jahren werden sechs verschiedene pädagogische Thematiken pro Kita bearbeitet und die Experten von außen werden danach Umsetzungshilfen für den Alltag in den Kitas geben.
Ein wissenschaftliches Institut soll den Prozess begleiten und eruieren wie sich die Veränderungen im Kita- Alltag etablieren können.
Damit die Fortbildung nicht zu einer reinen Zusatzbelastung wird, stellt der EKO sieben zusätzliche Fachkräfte ein, die während der Fortbildungen vertretungsweise einspringen.

Politischer Wille

Die Stadtverordnetenversammlung hatte die 600.000 Euro für 2008 bereits im November 2007 bewilligt und dem Magistrat aufgegeben, ein Konzept zur Qualitätsverbesserung vorzulegen. Den politischen Willen fasst Bürgermeisterin Simon so zusammen: „Wir wollen, dass die Menschen, die hier leben, gute Entwicklungschancen haben und gut vorankommen. Und wir fangen bei den Kindern an, weil das der Einsatz ist, der sich am meisten lohnt und später auszahlen wird.“