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Mathildenschule zeigt interaktive Ausstellung „Echt Fair!“ zur Gewaltprävention

Offenbach, den 02.05.2011, letzte Bearbeitung: 13.10.2011

Am Ende bleibt Betroffenheit. Mit dem Lied „How come“ haben die Tänzer des gemeinnützigen Vereins aus dem Kreis Offenbach „people theater“ ihre eindrucksvolle Darstellung häuslicher Gewalt unterlegt. Sie zeigten, wie die Anziehung eines Paares in Aggression umschlägt. Die stummen Schreie des Opfers verhallen ungehört, die umstehenden Menschen verschließen ihre Augen und Ohren, keiner reicht eine helfende Hand. Ein Mädchen versucht zu vermitteln und gerät selber in den Strudel der Gewalt. Am Ende, als die Situation eskaliert und das Opfer leblos am Boden liegt, regiert Fassungslosigkeit die Szenerie.
Ein gelungener Einstieg in ein schwieriges Thema. Gemeinsam mit Polizeipräsident Roland Ullmann eröffnete Oberbürgermeister Horst Schneider am 2. Mai 2011 die interaktive Ausstellung zur Gewaltprävention in der Mathildenschule, „Echt Fair!“.

Interaktiv und spielerisch nähert sich die Ausstellung "Echt Fair!" einem komplexen Thema
Interaktiv und spielerisch nähert sich die Ausstellung "Echt Fair!" einem komplexen Thema

Gewaltprävention gehört zu den vorrangigen Themen in Schule, Polizei und den beteiligten Partnern – Jugendamt, Frauenbüro, Staatliches Schulamt, Weißer Ring, Boxclub, Migrationsbüro, Kommunale Prävention - die die Realisierung der interaktiven Ausstellung „Echt Fair“ in der Mathildenschule ermöglichen. Bis zum 13.Mai können Schulklassen, Jugendgruppen und Interessierte die von der Berliner Präventionszentrale bei Häuslicher Gewalt (BIG) in Kooperation mit dem Präventionsbüro Petze konzipierte Ausstellung im Schülertreff der Mathildenschule besuchen.

Für Schulleiter Oliver Schröder „der perfekte Ort“, da der Schülertreff ohnehin durch die Schulsozialarbeit betreut ist, die Kinder also immer auf einen kompetenten Ansprechpartner treffen. Während des Ausstellungszeitraums gibt es in der Zeit von 09.30 bis 15.40 Uhr täglich vier begleitete Führungen von qualifizierten Teams durch die Ausstellung.

Nachdem Stephanie Padberg vom Hessenweiten Netzwerk gegen Gewalt, Regionale Geschäftsstelle Südosthessen, ihn ansprach, hat Schröder der Raumnot in der Schule zum Trotz sofort zugesagt und gemeinsam mit dem Kollegium die Voraussetzungen für die Präsentation geschaffen. Schließlich können Kinder in der Schule gut erreicht und für die Problematik sensibilisiert werden. Hinzu kommt, dass man inzwischen weiß, dass Gewalterfahrungen im häuslichen Bereich, ob als Zeuge oder Opfer, auch Auswirkungen auf den Schulerfolg von Mädchen und Jungen haben. Neben Angstzuständen, Schlafstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und zahlreichen weiteren Folgen.

Oberbürgermeister Horst Schneider, der „aus behüteten Verhältnissen stammt und kaum Gewalterfahrungen gemacht hat“, nennt die Entscheidung des Kollegiums der Mathildenschule schlichtweg „mutig“, denn schließlich erfordere die Ausstellung mehr als die bloße Präsentation.

Die Ausstellung besteht aus sechs Stationen, die interaktiv und spielerisch die Themenbereiche „Gewaltig“, „Strittig“, „Mit Gefühl“, „Ich und Du“, „Hilfe“ und „Mit Recht“ behandelt. Es gibt Antworten hinter Klappen zu entdecken, Audiostationen, Schiebetafeln und Magnete zu positionieren. Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse zeigt „Echt Fair!“, dass sie ein Recht auf gewaltfreie Erziehung und auf die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit haben.

Auch wenn es seit 2001 ein Gewaltschutzgesetz gibt, ist der Kontakt mit der Polizei, das Aufsuchen des Frauenhauses oder einer Beratungsstelle immer auch das Eingeständnis eines gescheiterten Lebenstraumes, weiß Karin Dörr vom Frauenbüro, das auch dem Arbeitskreis häusliche und sexuelle Gewalt angehört. In 80 Prozent der Fälle geht die Gewalt in Beziehungen von Männern aus, auch wenn Kinder nicht immer direkt betroffen sind (allerdings gilt Vielen Gewalt nach wie vor als probates Erziehungsmittel), befinden sie sich in einem für sie kaum auflösbaren Loyalitätskonflikt. Daher, so Dörr, sei es wichtig, Kinder und Jugendliche in der Schule über die bestehenden Angebote zu informieren und ihnen, gleichwohl ob als Opfer oder Zeuge die Angst vor dem ersten Schritt zu nehmen.

„Schutz und Sicherheit für Kinder und Jugendliche“ sind auch für Polizeipräsident Roland Ullmann ein zentrales Anliegen, denn seit 2002 hat sich das Delikt Häusliche Gewalt auf, so Ullmann „relativ hohem Niveau stabilisiert“: rund 1200 Fälle werden seit 2005 jährlich im Polizeipräsidium Südosthessen, das für Hanau sowie Stadt- und Kreis Offenbach verantwortlich ist, registriert. In vielen Fällen sind auch Kinder und Jugendliche betroffen.

Mit der Ausstellung „Echt Fair!“ und der damit verbundenen Auseinandersetzung lässt sich, so hoffen die Beteiligten, langfristig vielleicht auch die Antwort auf die Frage einer Station der Ausstellung „Wie viele Kinder und Jugendliche werden von ihren Eltern geschlagen?“ verändern: Aktuell lautet diese "mehr als die Hälfte, 17 Prozent werden sogar schwer geschlagen".

Die Ausstellung „Echt Fair!“ ist nur nach telefonischer Anmeldung oder nach Anfrage per Mail bis zum 15. Mai in der Mathildenschule zu sehen. Anschließend wird sie vom 16. bis 27. Mai in der Weibelfeldschule in Dreieich gezeigt.

weitere Bilder: v.l.n.r.: Polizeipräsident Roland Ullmann, Stephanie Padberg vom Netzwerk gegen Gewalt, Oberbürgermeister Horst Schneider, Nevin aus der 6b, Schulleiter Oliver Schröder und Denis aus der 6b der Mathildenschule
v.l.n.r.: Polizeipräsident Roland Ullmann, Stephanie Padberg vom Netzwerk gegen Gewalt, Oberbürgermeister Horst Schneider, Nevin aus der 6b, Schulleiter Oliver Schröder und Denis aus der 6b der Mathildenschule
Eindrucksvolle Darstellung des "Peoples Theatre"
Eindrucksvolle Darstellung des "Peoples Theatre"
Karin Dörr vom Frauenbüro beim Rundgang durch die Ausstellung
Karin Dörr vom Frauenbüro beim Rundgang durch die Ausstellung