Zum neuen Schuljahr gibt es flächendeckende Ganztags-Angebote
Offenbach, den 12.08.2010, letzte Bearbeitung: 16.08.2010Der Ausbau des Ganztagsbetriebs an Offenbachs Schulen kommt weiter voran: Zum neuen Schuljahr 2010/11 gibt es an allen 24 allgemeinbildenden Schulen der Stadt ganztägige Angebote in den unterschiedlichsten Formen, und beinahe jeder zweite Schüler nutzt sie. „Die Entwicklung zur ganztägigen Arbeit erfasst alle Schultypen gleichermaßen“, sagt Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß. Jetzt hat das Stadtschulamt für die Ganztagsarbeit an Offenbacher Schulen fünf weitere Stellen sowie zwei Stellen-Aufstockungen für die nächsten drei Jahre beantragt - und das Land Hessen signalisierte bereits Zustimmung.

Das im Vergleich zu anderen Kommunen überdurchschnittliche Engagement für den Ganztagsbetrieb an Schulen hat zwei Hauptgründe: Zum einen möchte die Stadt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern, was für die Sicherung der Arbeitsplätze bzw. den Wiedereinstieg in den Job von wachsender Bedeutung ist. Zum anderen möchte sie sich um die Kinder kümmern, „die zuhause nicht so gut gefördert werden“, erläutert Stadtrat Weiß. „Bei einem Migrantenanteil in Schulklassen von bis zu 80 Prozent gehört dazu natürlich auch die sprachliche Förderung.“ Für beide Punkte gab es in Offenbach eine „sehr starke Nachfrage“, so dass die Stadt sich schon ab 1996 um erste Ganztagsangebote bemühte.
Was damals mit von Fördervereinen organisierten Mittagessen vor Ort begann, wird seit 2007 mit dem 250 Millionen Euro umfassenden Schulbau- und –sanierungsprogramm in Offenbach vorangetrieben: Bis 2017 sollen an allen Schulen die baulichen Voraussetzungen für eine umfassende Ganztagsfähigkeit geschaffen sein. „Das ist der pädagogische Anspruch unseres Projekts“, betont Weiß. Abgesehen von diesem Mammutvorhaben stellte die Stadt, trotz leerer Kassen, im Haushalt des Stadtschulamtes 2010 rund 500.000 Euro für den Ganztagsbetrieb an Schulen bereit.
Konzepte für die gesamte Schule – oder einzelne Klassenzüge
Die ganztägigen Angebote sind höchst unterschiedlich. Sie reichen von Betreuungsangeboten vor und nach den „verlässlichen Schulzeiten“ an allen Grund- und Förderschulen, die die Schulen in Eigenregie und mit tatkräftiger Unterstützung von Fördervereinen oder freien Trägern geschaffen haben, über eine pädagogische Mittagsbetreuung, die mittlerweile an 14 Schulen zu finden ist, bis hin zur kooperativen Ganztagsschule mit offener oder gebundener Konzeption. Zu diesen „echten“ Ganztagsschulen zählen derzeit die Friedrich-Ebert-Schule (Grundschule), die Fröbelschule (Förderschule) und die Schillerschule (integrierte Gesamtschule) mit insgesamt rund 1.260 Schülerinnen und Schülern.
Während die Zeiten bei den Betreuungsangeboten je nach Einrichtung festgelegt werden, schreibt die pädagogische Mittagsbetreuung - als Einstieg in die „echte“ Ganztagsarbeit – vor, den Kindern und Jugendlichen an mindestens drei Wochentagen bis 14.30 Uhr Angebote zu machen. Dazu gehört auch ein verpflichtendes Mittagessen. Bei beiden Formen variieren die Angebote: Sie umfassen Hausaufgabenhilfe, Sport und Spiele sowie andere Förder- oder Freizeitaktivitäten. Die kooperative Ganztagsschule sieht Angebote von 7.30 bis 17 Uhr, freitags bis 14 Uhr vor.
„Es ist sehr vernünftig und entspricht dem Bedarf, dass man echte Ganztagsschule zunächst in einzelnen Klassenzügen einrichtet“, betont Bildungsdezernent Weiß. So beginnt in der Leibnizschule nach den Sommerferien erstmals eine der fünften Klassen als echte Ganztagsklasse, was auch dem Engagement der Lehrer an diesem Gymnasium zu verdanken sei.
Alternative kommunale Wege garantieren mehr Zeit für Bildung:
Kooperationsprojekte zwischen EKO/Jugendamt und Schule
Mit Ganztagsangeboten für einzelne Klassenzüge hat Offenbach auf anderer Ebene schon lange Erfahrung. Der jährlich erscheinende Erziehungs- und Bildungsbericht der Stadt Offenbach (EBO) verdeutlicht das: So besteht eine Kooperation von Eigenbetrieb Kindertagesstätten (EKO) und einigen Grundschulen mit dem Ziel, einzelne „Ganztagsklassen“ anzubieten. Diese Verzahnung von Hort und Schule wurde im Schuljahr 2006/07 an der Eichendorffschule gestartet. In diesem Pilotprojekt gestalten Lehrer und Erzieherinnen von 7:45 bis 17 Uhr gemeinsam einen Ganztags-Schultag. Schwerpunkte sind die „rhythmisierte Verzahnung“ zwischen Unterricht, Entspannung und Freizeit, die individuelle Förderung und die Anleitung zur selbstständigen Arbeit; Hausaufgaben gibt es nicht mehr. Solche Ganztagsklassen bieten auch die Goethe-, Mathilden- und Uhlandschule sowie die Grundschule Buchhügel.
Mit diesen Ganztagsangeboten in Kooperation mit dem EKO beschritt Offenbach einen alternativen kommunalen Weg zum förmlichen Ganztags-Schulprogramm des Landes Hessen. Eine weitere Besonderheit ist die Kooperation mit dem Jugendamt. Dessen Sachgebiet Kinder- und Jugendarbeit fördert seit 2005 gemeinsam mit dem Stadtschulamt an fünf weiterführenden Schulen das Projekt „Offene Ganztagsbetreuung“ mit dem Ziel, Bildungschancen zu verbessern, Schulabschlüsse zu sichern und damit Ausgrenzung zu vermeiden. In diesem Rahmen erprobt das mit Landesmitteln geförderte „Kooperative und schülerzentrierte Ganztagsschulprojekt“ (KUS) an Ernst-Reuter- und Mathildenschule seit 2007 die Verzahnung von Vormittags- und Nachmittagsunterricht. Dazu gehört auch die praktische Kooperation von Sozialpädagogen und Lehrkräften, um individuelle Lernpotenziale besser fördern zu können.
Zukunftsaufgabe: den Ganztagsbetrieb weiter professionalisieren
Mit all diesen Angeboten reagiert die Stadt Offenbach auf die pädagogische Herausforderung, dass etwa die Hälfte ihrer Schülerinnen und Schüler zwischen 6 und 16 Jahren einen Migrationshintergrund haben. „Dass wir beim Thema Ganztagsschule schon so überdurchschnittlich weit gekommen sind, haben wir auch den zahlreichen Fördervereinen und freien Trägern zu verdanken“, sagt Weiß. Das ehrenamtliche Engagement der Eltern stoße aber mittlerweile an Grenzen: „Wir müssen den Ganztagsbetrieb weiter professionalisieren.“
In diesem Sinne hat die Stadt beim Hessischen Kultusministerium gleich sechs Stellen für die nächsten drei Jahre beantragt – sonst war es im Schnitt nur eine Stelle pro Jahr. Für das neue Schuljahr 2010/11 bereits genehmigt sind eine Stelle an der Ludwig-Dern-Schule, die demnächst eine gemeinsame Cafeteria mit der Lauterbornschule erhält, sowie die Aufstockung von je zwei halben Stellen an der Eichendorffschule/Erich-Kästner-Schule. Für Schuljahr 2011/12 sind jeweils eine Stelle für Lauterborn- und die überlastete Goetheschule beantragt, und ab dem Schuljahr 2012/13 würden die dann neu gebaute Beethovenschule sowie die Grundschule Bieber von je einer neuen Stelle profitieren. „Mit dem Ausbau des Ganztagsbetriebs geht es in großen Schritten weiter“, freut sich Schuldezernent Weiß. Und derzeit könne man schön an den drei Gymnasien sehen, wie gut diese zusätzliche Bildungs-Zeit in neuen Räumlichkeiten den Schulen bekomme: „Dort sorgen die modernisierten Fachklassen für Naturwissenschaften für eine ganz neue Freude am Unterricht."
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