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Jugend stärken – Projektarbeiter kümmern sich um Schulverweigerer

Offenbach, den 28.03.2011, letzte Bearbeitung: 30.03.2011

„Oftmals hören wir `Zuhause nicht angetroffen´, deshalb brauchen wir das Projekt“, meinen Fanni Mülot und Bruno Persichilli unisono. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Birgit Simon, dem Leiter des Jugendamtes Hermann Dorenburg, Robert Priore von der Koordinierungsstelle des Projektes „Jugend stärken“, Frank Wiehe, Projektmitarbeiter an der Bachschule, und Oliver Schröder, Schulleiter Mathildenschule, stellten die beiden Schulleiter das Modellprogramm, das Schulverweigerer zurück an die Regelschulen bringen soll, vor. Mit rund 600.000 € unterstützt das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds bis Ende 2013 das Jugendamt und vier ausgewählte Schulen der Stadt Offenbach. Weitere 150.000 Euro steuert die Stadt zur Finanzierung des Projektes bei.

"Also lautet ein Beschluss..." Nicht jeder Schüler hält es mit Wilhelm Busch. Vier Mitarbeiter des Projektes "Jugend stärken" kümmern sich jetzt um Schulverweigerer
"Also lautet ein Beschluss..." Nicht jeder Schüler hält es mit Wilhelm Busch. Vier Mitarbeiter des Projektes "Jugend stärken" kümmern sich jetzt um Schulverweigerer

Manchmal sind bereits im 7. und 8. Schuljahr erste Anzeichen für eine negative Schulkarriere erkennbar: oft folgt einer ersten Phase der psychischen Abwesenheit die Phase der größer werdenden physischen Abwesenheit. Erst wird nur hier und da eine Stunde geschwänzt, dann mal ein Tag bis manche Schüler schließlich gar nicht mehr auftauchen. In Absprache mit dem staatlichen Schulamt werden einige dieser Schüler im Abstand von vier bis sechs Wochen mit der Polizei abgeholt und zur Schule gebracht. Sofern sie überhaupt zuhause angetroffen werden, manche Eltern erfahren oft erst mit dem Besuch der Polizei, dass ihre Kinder die Schule nicht besuchen. „Bis zuweilen offenbart dies aber auch einen Einblick in die Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen“, weiß Fanni Mülot, Schulleiterin der Geschwister-Scholl-Schule.“
Mit dem jetzt gestarteten Modellprojekt steht der Bachschule, der Ernst-Reuter-Schule, der Mathildenschule und der Geschwister-Scholl-Schule jeweils ein Projektmitarbeiter zur Verfügung, die als Schnittstelle zwischen Schule, Schulverweigerer, Elternhaus, aber auch Freunden agieren. Sie haben die Möglichkeit, bei den ersten Anzeichen zu intervenieren, zwischen Schüler und Lehrer zu vermitteln, ein Gespräch mit den Eltern zu führen oder Schulverweigerer an ihren bevorzugten Aufenthaltsorten aufzusuchen.
Bruno Persichilli, Schulleiter der Ernst-Reuter-Schule, hofft, dass durch die individuellen Möglichkeiten dieses Projektes, Schulverweigerer wieder zurückgeholt werden können. Diese Art der konkreten Fallarbeit sei von den Schulen nicht zu leisten, daher „ist es ein guter Weg, wenn Schule und Jugendarbeit jetzt zusammenarbeiten.“
Diplom-Psychologe Frank Wiehe ist einer dieser Projektmitarbeiter und hat zusammen mit Vanessa Schambil (Mathildenschule), Alexandra Pleß (Geschwister-Scholl-Schule) und Bernd Cölsch (Ernst-Reuter-Schule) am 1.März seine Arbeit in der Bachschule aufgenommen: „Beziehungsarbeit“, so Wiehe“, „ist der Schlüssel. Wir versuchen, ein Vertrauensverhältnis zu den Jugendlichen, die innerlich gekündigt haben, aufzubauen und mit ihnen gemeinsam wieder eine Schulperspektive zu entwickeln.“ Die Ursachen für den Ausstieg der Jugendlichen sind seiner Erfahrung nach vielfältig: mangelnde Sprachkenntnisse, prekäre Familienverhältnisse, mangelnde Aufmerksamkeit, manchmal aber auch `falsche Freunde´ können zu einer negativen Schulkarriere führen. Gemeinsam will das Team aus Sozialarbeitern, Sozialpädagogen und eben auch einem Sozialpsychologen in einem ersten Schritt rund 20 Schulverweigerer zu einem Workshop außerhalb der Schule einladen. Dieser zweiwöchige Workshop, dezidiert als „Kontrastprogramm“ zur Schule verstanden, soll den Jugendlichen Raum geben, gemeinsam mit den Projektmitarbeitern die Gründe für die Schulverweigerung zu erarbeiten und Lösungen zu entwickeln. Vielfach haben die Schüler durch ihre Fehlzeiten inhaltlich den Anschluss verloren und darüber den Schulbesuch einfach aufgegeben.
„Mit einem entsprechenden Angebot lassen sich viele in die Schule zurückholen“, ist sich auch Bürgermeisterin Birgit Simon sicher. Dass es Bedarf für die intensive Arbeit mit Schulverweigerern gibt, belegen auch die statistischen Daten: zum Ende des Schuljahres 2008/2009 haben 97 Schüler die Schule ohne einen Abschluss verlassen, immerhin 23 Prozent des gesamten Jahrgangs. Das Projekt „Jugend stärken“ will Schulverweigerer erreichen und sie vor dem Schulabbruch bewahren. Dabei helfen ihnen jetzt die vier Ansprechpartner an den Offenbacher Schulen, damit sie Chancen haben und persönliche Perspektiven entwickeln können.