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Kinder und Jugendliche in Offenbach haben gesündere Zähne als früher

Offenbach, den 03.08.2010, letzte Bearbeitung: 10.08.2010

Enorme Fortschritte sind bei der Zahngesundheit von Offenbacher Schülerinnen und Schülern zu verzeichnen: „Wir haben heute Kinder und Jugendliche mit weitgehend gesunden Zähnen“, freut sich Bürgermeisterin und Gesundheitsdezernentin Birgit Simon. Grundlage dieser Erkenntnis sind Daten aus Vorsorgeuntersuchungen, die der zahnärztliche Dienst der Stadt Offenbach seit 1995 an den Schulen erhoben hat. Deren Analyse belegt in den Altersgruppen der 6-, 12- und 15-Jährigen einen bis zu 70-prozentigen Rückgang von Karieserkrankungen.

Gute Zähne machen gute Laune: Bürgermeisterin Birgit Simon, Zahnmedizin-Abteilungsleiter Dr. Andreas Prenosil und die stellvertretende Leiterin des Stadtgesundheitsamts, Gudrun Schüler (v.r.), mit dem 11-jährigen Andreas Geyer.
Gute Zähne machen gute Laune: Bürgermeisterin Birgit Simon, Zahnmedizin-Abteilungsleiter Dr. Andreas Prenosil und die stellvertretende Leiterin des Stadtgesundheitsamts, Gudrun Schüler (v.r.), mit dem 11-jährigen Andreas Geyer.

"Wir sind jetzt schon teilweise unter den Vorgaben, die die Weltgesundheitsorganisation WHO für das Jahr 2020 gemacht hat“, betont Dr. Andreas Prenosil, Leiter der Abteilung Zahnmedizin im Offenbacher Stadtgesundheitsamt. So hatten die 15-Jährigen vor etwa 15 Jahren durchschnittlich 6,58 von Karies befallene Zähne; heute sind es nur noch 2. Im gleichen Zeitraum hat sich der Anteil von 15-jährigen Jugendlichen mit kariesfreien Zähnen von nur 6,6 auf fast 40 Prozent erhöht. Bei den Zwölfjährigen sind mittlerweile fast zwei Drittel frei von Karies - bei den Sechsjährigen ist es allerdings nur knapp jeder Zweite: „Damit sind wir noch nicht ganz zufrieden“, so Prenosil.

Der Abteilungsleiter hat die Ergebnisse der zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen durch den zahnärztlichen Dienst der Stadt Offenbach am Main analysiert. Ausgewertet wurden die Daten der 6-, 12- und 15-Jährigen in den Schuljahren 1995/1996, 2000/2001, 2004/2005 und 2008/2009 jeweils getrennt nach Jungen und Mädchen. Einige Grafiken hierzu finden sich am Fuße dieser Seite.

"Offensichtlich profitierten die Schulkinder ganz besonders von den gruppenprophylaktischen Maßnahmen, die jahrelang sehr intensiv, konsequent und kontinuierlich zum Einsatz kamen“,  bilanziert Prenosil. Der zahnärztliche Dienst der Stadt sucht mit seinen insgesamt fünf Mitarbeitern die Kinder und Jugendlichen in den Schulen auf. Dort bietet er ihnen bis zum 12. Lebensjahr flächendeckend (mit Ausnahme der 5. Gymnasialklassen) und bis zum 16. Lebensjahr bei erhöhtem Kariesrisiko folgende Maßnahmen an:

  • Zahnärztliche Vorsorgeuntersuchung einmal pro Schuljahr (Teilnahme verpflichtend bis zum Eintritt der Volljährigkeit).
  • Beratung zur Verwendung und Wirkung von Fluoriden.
  • Aktive Fluoridierung der Zähne (Grund- und Förderschulen) zweimal pro Schuljahr.
  • Altersgemäßer Prophylaxeunterricht mit den Schwerpunkten (zahn-)gesunde Ernährung, Mundhygiene, kieferorthopädische Behandlung, Entstehung von Karies und Zahnfleischerkrankungen, Möglichkeiten der Individualprophylaxe.
  • Praktische Übungen zur Mundhygiene.
  • Angebot an Vorschul- und 1. Klassen zum „Praxisbesuch“ im Gesundheitsamt.


„Dieses nachhaltige Angebot sichert auch den Einstieg in die Zahngesundheit innerhalb der Familie“, sagt Bürgermeisterin Birgit Simon – denn gerade Sechsjährige seien häufig noch nie beim Zahnarzt gewesen. Da der Zuckerkonsum in der Gesellschaft insgesamt nicht zurückgehe, habe das Stadtgesundheitsamt „großen Anteil“ an der positiven Entwicklung, sagt Prenosil. Die Werte stagnierten nun auf niedrigem Niveau. Dies sei aber kein „Selbstläufer“, man müsse das Thema weiter verfolgen, betont Simon. So dürfe nicht in Vergessenheit geraten, wie schädlich gerade Süßgetränke für die Zähne seien.


Bericht zur Zahngesundheit: Die Ergebnisse im Einzelnen
12-jährige Schülerinnen und Schüler in Offenbach hatten im Schuljahr 2008/2009 durchschnittlich weniger als einen Zahn (0,81), der kariös oder wegen Karies behandelt ist. Im Schuljahr 1995/1996 waren es noch fast drei Zähne (2,83). Das entspricht einer Reduktion des Kariesbefalls um über 70%.
Die Anzahl der kariesfreien Kinder in diesem Alter (noch vorhandene Milchzähne bleiben unberücksichtigt) hat sich im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt: von 100 Schülerinnen und Schülern hatten knapp 63 (62,65%) völlig gesunde bleibende Zähne, während es 1995/1996 nur 28 (28,17%) waren.

Sogar mehr als verfünffacht hat sich der Anteil der Kariesfreien bei den 15-Jährigen. 2008/2009 hatten von 100 Jugendlichen gut 38 (38,21%) gesunde Zähne gegenüber lediglich knapp 7 (6,58%) im Schuljahr 1995/1996.
Wie bei den 12-Jährigen ist die Karieserkrankungsrate gegenüber dem Ausgangswert um ca. 70% reduziert; 15-Jährige hatten im abgelaufenen Schuljahr im Durchschnitt 2,15 Zähne mit „Karieserfahrung“, vor 13 / 14 Jahren lag dieser Wert bei 6,58.

Nicht ganz so spektakulär, aber ebenfalls sehr erfreulich ist die Entwicklung bei den 6-Jährigen, die während der Kindergartenzeit –gemäß den Rahmenvereinbarungen von 1990- in Hessen von niedergelassenen Zahnärzten im Rahmen des „Patenschaftsmodells“ gruppenprophylaktisch betreut wurden. Unterstützung erhalten sie hierbei teilweise von Mitarbeiterinnen des Arbeitskreises Jugendzahnpflege Stadt und Kreis Offenbach. Ergänzend bietet die Abteilung Zahnmedizin des Stadtgesundheitsamtes Vorsorgeuntersuchungen an, die aber aus Kapazitätsgründen nicht flächendeckend durchgeführt werden können.
Mit durchschnittlich 2,4 aktuell erkrankten und/oder bereits sanierten Milchzähnen hatten 6-jährige Kinder 2008/2009 ca. 30% weniger Karies als 1995/1996 oder anders ausgedrückt einen erkrankten Milchzahn weniger (Ausgangswert: 3,4).
Hatten 1995/1996 von 100 Untersuchten lediglich etwa 33 gesunde Milch- und bleibende Zähne, waren bei der letzten Untersuchung ungefähr 46 völlig frei von Karies.

Dies ist übrigens der einzige Parameter, bei dem die Jungen etwas besser abschneiden (46,99% gegenüber 44,76% bei den Mädchen). Ansonsten fallen bei allen betrachteten Altersgruppen in sämtlichen analysierten Schuljahren die Werte der Jungen und der männlichen Jugendlichen etwas ungünstiger aus. Das betrifft vor allen Dingen die Bereitschaft, an Karies erkrankte Zähne sanieren zu lassen und das wiederum auffällig bei den 12- und 15-Jährigen.


Schlussfolgerungen und Empfehlungen:
Die Strukturen und Strategien der Gruppenprophylaxe im Grundschul- und Förderschulbereich haben sich außerordentlich bewährt und müssen in gleicher Intensität fortgeführt werden.
In der pubertären Phase verschlechtert sich der Gebisszustand der Jugendlichen durchschnittlich ziemlich stark, wenn auch auf viel niedrigerem Niveau als noch Mitte der 90er Jahre.
Bis zum Schulanfang profitieren Offenbacher Kinder von der Gesamtheit der Prophylaxeangebote bisher nicht in dem Maße wie die 12- und 15-Jährigen.

Erste Umstrukturierungen im Zuständigkeitsbereich der Abteilung Zahnmedizin sind bereits erfolgt. So werden die Gymnasien inzwischen weniger intensiv betreut, da sie statistisch gesehen einen überdurchschnittlich guten Gebisszustand vorweisen. Frei werdende Kapazitäten wurden und werden in die Vorsorgeuntersuchungen in Kinderkrippen und –gärten sowie zusätzliche Prophylaxeangebote an die 13- bis 14-Jährigen mit erhöhtem Kariesrisiko investiert.
Ebenso wird Fluoridlack für Kinder ab 3 Jahren in den Kindertagesstätten mit besonders hohem Kariesrisiko angeboten.


Wichtige Regeln für gesunde Zähne

Zur Gesunderhaltung des Milchgebisses und der ersten durchbrechenden bleibenden Zähne können die Erziehungsberechtigten beitragen, indem sie einige wichtige Regeln beachten:

  • Zahnpflege mit dem Durchbruch des ersten Zahnes etablieren; ab dem Alter von 2 Jahren
    Zähne morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen putzen
  • zunächst Kinderzahnpasta mit reduziertem Fluoridgehalt (500 ppm) und ab dem Alter
    von 6 Jahren Erwachsenen- bzw. Juniorzahnpasta verwenden
  • Hilfe bei der Zahn- und Mundhygiene bis ins Schulalter (1. oder 2. Klasse) möglichst
    mit der aus Kindergarten und Schule bekannten KAI-Systematik (Kauflächen, Außen,
    Innen)
  • Auf (zahn-)gesunde, kauaktive und ausgewogene Ernährung achten; besonders wichtig
    sind der „zuckerfreie Vormittag“ (ohne Süßigkeiten) und die Wahl der (ungesüßten!) Getränke
  • Inanspruchnahme der aufeinander abgestimmten Angebote der Individual- (zahnärztliche
    Praxis) und Gruppenprophylaxe (Kindergarten und Schule), besonders wichtig und
    effektiv ist die lokale Fluoridierung
  • Möglichst frühe Gewöhnung an die Umgebung der zahnärztlichen Praxis und Vorsorgeuntersuchungen alle 6 Monate.