Gemeindepsychiatrischer Verbund für die Stadt Offenbach gegründet
Offenbach, den 12.04.2010, letzte Bearbeitung: 19.01.2011Um die psychosoziale Versorgung in Offenbach zu optimieren, wurde jetzt ein Gemeindepsychiatrischer Verbund (GPV) gegründet - Homepage GPV. In dem Gremium arbeiten professionell Tätige im Psychosozialen Bereich der Stadt Offenbach zusammen mit Betroffenen und deren Angehörigen. Ziel ist es, die unterschiedlichen Organisationen und deren Angebote in Offenbach zusammenzuführen und gemeinsam Leistungen auf den Weg zu bringen. „Das Thema gewinnt an Bedeutung, da die psychischen Beeinträchtigungen der Menschen zunehmen“, erläutert Bürgermeisterin und Gesundheitsdezernentin Birgit Simon.
Diese Beeinträchtigungen reichen vom Stress am Arbeitsplatz über Demenz oder Depressionen bis hin zur Schizophrenie. „Wir werden nun ermitteln, welche Angebote für welche spezifische Gruppe passen, wo es Lücken oder auch eine Überversorgung gibt“, sagt Birgit Simon. Angestrebt sei eine frühe und passgenaue Hilfe im Sinne der Prävention.
Schwerpunktthemen seien zunächst die psychosoziale Versorgung von Älteren sowie von Kindern und Jugendlichen, erklärt Prof. Dr. Ansgar Klimke, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Offenbach. Wie Waltraud Falkenberg von der Betroffenen Selbsthilfe ergänzt, solle der Informationsbedarf insgesamt besser abgedeckt werden – eine Internetseite zum Thema sei im Aufbau. Klimke und Falkenberg sind Sprecher des sechsköpfigen GPV-Vorstandes, der kürzlich gewählt wurde. Er trifft sich nun alle vier Wochen, um sich auszutauschen und Arbeitsgruppen zu bilden.
Das Stadtgesundheitsamt nimmt seit Januar 2009 die gesetzlichen Aufgaben wahr, die notwendigen Hilfen für den Personenkreis von Menschen mit seelischen Behinderungen und suchtkranker Menschen auf der Grundlage des Hessischen Gesetzes über den öffentlichen Gesundheitsdienst zu planen, aufzubauen und zu koordinieren. In enger Zusammenarbeit mit den verschiedenen Leistungsträgern und Leistungserbringern sollen neue Hilfs-Instrumente entwickelt sowie Qualitätsstandards vereinbart und gesichert werden. Die Wirkung der eingesetzten Mittel soll an der personenbezogenen, lebensfeld- und zielorientierten Hilfeleistung gemessen werden.
Zur Erfüllung dieser Aufgabe hat der Magistrat der Stadt Offenbach im Juli 2009 beschlossen, dass das Stadtgesundheitsamt einen Gemeindepsychiatrischen Verbund (GPV) gründen soll, der sich aus Vertreterinnen und Vertretern der im Psychosozialen Bereich der Stadt Offenbach professionell Tätigen sowie aus Betroffenen und deren Angehörigen zusammensetzt. Die Gründung dieses Verbunds ist nun am 23. Februar 2010 mit einer breiten Beteiligung erfolgt.
Zielsetzung des Gemeindepsychiatrischen Verbundes
Der GPV…
- berät über den entsprechenden Entwicklungsbedarf, über Planungsabsich-ten und Umsetzungsfragen
- strebt die Verständigung zwischen allen beteiligten Gruppen über konzeptionelle, institutionelle und finanzielle Fragen an, deren Klärung für die Umsetzung von Einzelvorhaben notwendig ist
- gibt Empfehlungen hinsichtlich regionaler Versorgungserfordernisse und ihrer Bewältigung an die politischen Entscheidungsträger
- geht eine Selbstverpflichtung ein, in der sich die Mitglieder bereit erklären, grundsätzlich ihre eigenen Planungsabsichten und -konzepte, soweit sie die Strukturen der psychiatrischen Versorgung der Stadt Offenbach betreffen, im GPV zur fachlichen Beratung und Stellungnahme einzubringen. Das soll Parallelplanungen vermeiden und die Pflichtversorgung sicherstellen.
Konkrete Aufgaben des Gemeindepsychiatrischen Verbundes in Offenbach
Allgemein:
- Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit
- Qualitätsoptimierung initiieren und kontrollieren
- Berichtswesen erstmals etablieren
In der klinisch-sozialpsychiatrischen Versorgung und zum Bereich Arbeit:
- Eigene Notaufnahme für die psychiatrische Klinik schaffen
- Notfallpässe für Betroffene einführen
- Kriseninterventionsbetten schaffen
- Sicherstellung von ambulanter Behandlung, Prävention, Pflegedienstangebote am Bedarf orientieren
- Angebot an niederschwelliger Beratung vorhalten
- Einführung eines Case-Managements anstreben
- Modellprojekt „Borderline“ in OF etablieren
- Notwendigkeit eines Krisendienstes prüfen
- Bedarfsgerechte Versorgung, adäquate Beschäftigung von Menschen mit psychischen Handicaps erreichen
In Bezug auf ausländische Mitbürger:
- Vernetzung mit der Modellregion Integration OF
- Prüfung der Notwendigkeit einer spezialisierten Betreuung für den Personenkreis
Zusammensetzung des Gemeindepsychiatrischen Verbundes
Die Zusammensetzung des Verbundes orientiert sich an den „Empfehlungen der Expertenkommission der Bundesregierung zur Reform der Versorgung im psychiatrischen und psychotherapeutisch / psychosomatischen Bereich" vom November 1988.
Diese beinhalten kommunale Institutionen ebenso wie externe Akteure:
- Gesundheitsdezernat
- Kommunale Behindertenbeauftragte
- Sonstige Dienste der Stadt Offenbach als kommunale Gebietskörperschaft
- Dienste, Institutionen und Einrichtungen der Gemeindepsychiatrischen Versorgung in der Stadt Offenbach
- Berufsbetreuer
- Selbsthilfegruppen psychisch kranker Menschen und Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung
- Selbsthilfegruppen der Angehörigen psychisch kranker Menschen und Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung
- Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
- Niedergelassene Fachärzte und Schwerpunktpraxen (auch für die Versorgung der Kinder und Jugendlichen)
- Arbeitsagentur/Bundesagentur für Arbeit
- Krankenkassen/Rentenversicherungsträger, sowie die Gemeinsame Servicestelle der Rehabilitationsträger
- Überörtliche Kostenträger – insbesondere der Landeswohlfahrtsverband LWV Hessen
Bisherige Mitglieder des GPV:
- AG der Selbsthilfegruppen im Gesundheitswesen
- Aidshilfe Offenbach
- Angehörige Hessen
- Behindertenbeauftragte der Stadt Offenbach
- Berufsbetreuer (nach dem Betreuungsgesetz)
- Calla e.V.
- Der Paritätische, Selbsthilfebüro Offenbach
- Fachabteilung Psychosoziale Gesundheit Stadtgesundheitsamt Offenbach
- Internationaler Bund
- Klinikum Offenbach, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
- Landeswohlfahrtsverband Hessen
- Lebensräume gGmbH
- Niedergelassene Fachärzte
- Selbsthilfe Betroffene
- Sozialamt der Stadt Offenbach
- Suchthilfezentrum Wildhof
- Werkstätten Hainbachtal gGmbH
Für weitere Interessenten an einer Mitarbeit ist der Verbund grundsätzlich offen.
Die Krankenkassen sollen ebenso wie die Rentenversicherungsträger zur Mitarbeit gewonnen werden. Zudem wird eine fachliche Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe angestrebt.
Arbeitsweise des GPV
Der GPV wählt aus seiner Mitte einen drei- bis siebenköpfigen Vorstand, der die inhaltliche Arbeit der Gremiums steuert, Arbeitskreise bildet koordiniert sowie die Sitzungen des Gremiums vorbereitet. Die Geschäftsführung übernimmt der Koordinator Psychosoziale Gesundheit des Stadtgesundheitsamts Offenbach, Diplom-Sozialpädagoge Jürgen Stein. Der GPV tagt bei Bedarf; mindestens ein Mal pro Halbjahr.
Kontakt
Jürgen Stein, Stadtgesundheitsamt, Telefon (069) 8065-2049, E-Mail juergen.stein@offenbach.de
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
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