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Das Buch „Wenn das fremde Land zur Heimat wird“ berichtet aus 50 Jahren Migration

Offenbach, den 25.08.2011, letzte Bearbeitung: 29.08.2011

„Unsere Gedanken für die Zukunft waren alle gleich. Wir wollten höchstens drei bis fünf Jahre in Deutschland bleiben, ein bisschen Geld sparen und dann wieder zu unserem Mutterland Türkei zurückkehren“. So wie Mehmet Ali Zaimoğlu dachten die meisten Menschen aus der Fremde, die Anfang der siebziger Jahre nach Deutschland kamen. Fünfzig Jahre später ist Offenbach dem ehemaligen türkischen Gastarbeiter eine Heimat geworden. Seine Erlebnisse hat er in dem Buch „Wenn das fremde Land zur Heimat wird“ zusammengestellt.

Mehmet Ali Zaimoðlu und Bürgermeisterin Birgit Simon mit  "Türkiye’de Alamancý, Alamanya’da Yabancý“ und der übersetzen deutschen Ausgabe " Wenn das fremde Land zur Heimat wird“
Mehmet Ali Zaimoðlu und Bürgermeisterin Birgit Simon mit "Türkiye’de Alamancý, Alamanya’da Yabancý“ und der übersetzen deutschen Ausgabe " Wenn das fremde Land zur Heimat wird“

Gemeinsam mit Bürgermeisterin Birgit Simon stellte Mehmet Ali Zaimoğlu nun die deutsche Übersetzung seiner Migrationsgeschichte vor, die er 2004 in türkischer Sprache mit dem Titel“ Türkiye’de Alamancı, Alamanya’da Yabancı“ („ In der Türkei Deutschländer, in Deutschland Ausländer“) im Selbstverlag veröffentlicht hat. Die türkische Fassung endet 1999, die jetzt veröffentlichte deutsche Ausgabe reicht bis in das Jahr 2010. „Heute ist ein ganz besonderer Tag für mich“, betont der Autor, er ist stolz, seine Erfahrungen nun auch in deutscher Sprache in der Hand zu halten. Auch wenn er in der Türkei nur sechs Jahre die Schule besuchte, war das Lesen schon immer seine Leidenschaft. Später begann er, seine Erlebnisse in Tagebüchern zu notieren und möchte mit der Veröffentlichung nun zum besseren Verständnis der Kulturen beitragen: „Unsere Geschichten müssen gehört werden. Leider wissen viele türkische Jugendliche gar nicht, wie ihre Großeltern zum ersten Mal nach Deutschland gekommen sind. Und auch im deutschen Geschichtsunterricht kommt die Geschichte der türkischen Gastarbeiter viel zu kurz“.

Man könne viel lernen, vor allem aber sei das Buch ein Brückenschlag, betonte Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon „der Kulturelles und Politisches miteinander verbindet“. Eine spannende Reise in eine ungewisse Zukunft habe Zaimoğlu 1961 angetreten, mutig und voller Hunger nach Neuem sein Leben in die Hand genommen.
Der Militärdienst brachte den jungen Mann aus der anatolischen Provinz nach Istanbul, das Buch „Studieren im Ausland“ weckte seine Neugier auf Deutschland und festigte seinen Wunsch, in der Fremde zu arbeiten. Noch vor dem Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei bestieg der 23-jährige am 2.Januar 1961 in Istanbul den Zug und kam drei Tage später in Frankfurt an. „Schön sauber und gepflegt“ sei alles gewesen, die Menschen höflich und freundlich. Ein paar Monate wollte er bleiben, dann wurde es ein Jahr und als in der Türkei das Militär putschte, ein weiteres , bis er sich irgendwann eingestehen musste, dass ihm Deutschland inzwischen zur zweiten Heimat geworden war. Nahezu ein halbes Jahrhundert führt Zaimoğlu nun sein Leben zwischen zwei Kulturen, er hat viel erlebt und überwiegend positive Erfahrungen gesammelt und aufgeschrieben.

Durch seine Teilnahme an dem Schreibwettbewerb des Jugendbildungswerks „Geschichten aus dem Offenbacher Migrantenkoffer – Generationen erzählen in Bildern und Texten“ lernte Zaimoğlu Agnes Thölking kennen, die nun auch die deutsche Übersetzung seines Buches angestoßen hat. „Die positive Einstellung und vielen guten Erfahrungen von Herr Zaimoğlu, haben mich sehr beeindruckt“, meint die Initiatoren bei der Vorstellung der deutschen Ausgabe.

„Wenn das fremde Land zur Heimat wird - 50 Jahre Leben in Deutschland – Mehmet Ali Zaimoğlu erzählt“ wurde durch das Jugendbildungswerk des Jugendamtes und mit Unterstützung des Integrationsbeauftragten des Amtes für Arbeitsförderung, Statistik und Integration ermöglicht. 500 Exemplare hat das Bildungswerk nun produziert. Das Buch kann beim Bildungswerk in der Berliner Straße 77 für 7,00 EURO erworben werden.

weitere Bilder: Inzwischen überzeugte Offenbacher: Yildiz und Mehmet Ali Zaimoðlu mit Bürgermeisterin Birgit Simon
Inzwischen überzeugte Offenbacher: Yildiz und Mehmet Ali Zaimoðlu mit Bürgermeisterin Birgit Simon