Offenbach.de - Diese Seite ist das Portal der Stadt Offenbach. Hier finden Sie Informationen zu verschiedenen Themen, Veranstaltungen und Neuigkeiten der Stadt.
 

Offenbach will Selbstorganisation der Migranten stärken

Offenbach, den 24.02.2010

Die Stadt Offenbach ist ein alter Hase in Sachen Integrationspolitik. Ob es nun die besonderen Anstrengungen für bessere Bildungschancen sind, ob es um Stadtteilarbeit oder um Arbeitsförderung geht. Stets sind diese Aktivitäten auch integrationspolitisch relevant, denn stets sind Migrantinnen und Migranten ein maßgeblicher Teil der Zielgruppe. Nun ist Offenbach eine von landesweit sechs Modellregionen für Integration. Im Besein des hessischen Ministers für Justiz, Integration und Europa, Jörg-Uwe Hahn, erklärten Oberbürgermeister Horst Schneider und Sozialdezernentin Birgit Simon, wie sie das neue Förderprogramm in die sonstigen Aktivitäten einbinden wollen.

Offenbach ist Modellregion für Integration (v.l.): Dr. Matthias Schulze-Böing, Oberbürgermeister Horst Schneider, Bürgermeisterin Birgit Simon, Staatsminister Jörg-Uwe Hahn und Dr. Walter Kindermann.
Offenbach ist Modellregion für Integration (v.l.): Dr. Matthias Schulze-Böing, Oberbürgermeister Horst Schneider, Bürgermeisterin Birgit Simon, Staatsminister Jörg-Uwe Hahn und Dr. Walter Kindermann.

Als Modellregion Integration hat Offenbach Anspruch auf Fördermittel des Landes, um die bisherigen Anstrengungen zur Integration von Einwandererfamilien zu vertiefen und auszuweiten. Fünf Handlungsfelder stehen bereits fest: Die Stärkung der Selbstorganisation von Migrantinnen und Migranten, die Förderung aktiver bürgerschaftlicher Teilhabe, die Entwicklung von Quartieren mit hohem Migrantenanteil, die Verbesserung der Bildungschancen und eine verbesserte Gesundheitsvorsorge.

Fördermittel in Höhe von 1,35 Millionen Euro stehen laut Staatsminister Hahn in diesem Jahr für die sechs Modellregionen zur Verfügung. Davon übernimmt das Land die Kosten für eine wissenschaftliche Auswertung der geförderten Projekte, denn sie sollen Modellcharakter für andere Städte, Gemeinden oder Landkreise haben. Die Projektförderung im Gesamtumfang von etwa 900.000 Euro wird auf Einzelantrag gewährt. Auch übernimmt das Land für jede Modellregion Personalkosten in Höhe von bis zu 50.000 Euro jährlich für Projektmanagement. Eine Vorauswahl für diese neue Stelle ist in Offenbach bereits gefallen, im März soll der Magistrat über die Stellenbesetzung entscheiden.

Oberbürgermeister Horst Schneider lobte die Entscheidung für Offenbach als Modellregion. Seit den hugenottischen Glaubensflüchtlingen im 18. Jahrhundert prägten Einwanderer die Stadt. Man habe in Offenbach viel Erfahrung mit Integration, so Schneider. Er erklärte weiter: „Wir sind stolz darauf, was wir in diesem Bereich geschafft haben. Trotz mancher Probleme: Bei uns gibt es keine Ghettos und keine gewalttätigen Eruptionen.“

Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon steht seit zwei Jahren in engem Kontakt mit gewählten Vertretern der Migranten-Organisationen in Offenbach. Deren Verankerung innerhalb der ausländischen Bevölkerungsgruppen gelte es zu stärken. Auch müsse ermittelt werden, welche Unterstützung die Organisationen brauchen, um wirkungsvoll zum Integrationsprozess beizutragen. Denn nach Simons Erfahrung fehlt es weder an Bereitschaft noch an Interesse.

Dr. Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amtes für Arbeitsförderung, Statistik und Integration betrachtet die zusätzlichen Fördermittel aus Wiesbaden als „Veredelungstropfen“, um die sonstigen Programme und Projekte sinnvoll zu ergänzen. Beispielsweise im Bereich der Quartiersarbeit. Denn gerade im unmittelbaren Lebensumfeld von Migrantinnen und Migranten könne Integrationspolitik wirkungsvoll ansetzen. Entsprechende Erfahrungen hat Offenbach im Rahmen des Programms „Hessische Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt“ (HeGISS) in der östlichen Innenstadt gesammelt. Quartiersmanagement wurde jüngst auch auf das Nordend ausgedehnt.

Mit einer sogenannten Elternschule will die Stadt Offenbach außerdem Mütter und Väter mit Migrationshintergrund in die Lage versetzen, die Bildungslaufbahn ihrer Kinder in Schule und Beruf bestmöglich zu unterstützen.

Man habe festgestellt, dass Kinder aus sozial schwachen Familien oft auf niedrige Bildungsabschlüsse orientieren, so Dr. Walter Kindermann, Leiter der Abteilung Integration im Ministerium für Justiz, Integration und Europa. Diese Kinder erhielten eher eine Empfehlung für die Hauptschule. Oft entspreche dies allerdings auch der Selbsteinschätzung der Schüler und ihrer Familien. Eine wissenschaftliche Untersuchung soll nun die Hintergründe dieser Bildungsentscheidungen erforschen. Finanziert wird dies von der Vodafone-Stiftung. Und eine der bundesweit drei Schulen, die mit Fördermitteln für eine entsprechende Untersuchung ausgestattet wird, ist die Offenbacher Goetheschule.