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Taten und Folgen: Offenbacher Jugendliche berichten aus ihrem Alltag

Offenbach, den 24.03.2011, letzte Bearbeitung: 30.03.2011

Der Sachverhalt: „Ein Mädchen hatte ihr Busgeld bekommen, aber sie wollte sich etwas anderes dafür kaufen und deswegen ist sie schwarz gefahren. Sie wurde erwischt und eine Woche lang hat sie es ihren Eltern nicht gesagt. Nach einer Woche bekamen die Eltern einen Brief und mussten 42 Euro bezahlen“. Das Ergebnis: Strafanzeige, Identitätsüberprüfung auf dem Polizeirevier, mögliches Strafmaß: Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.

Ausschnitt aus dem Titelbild der Broschüre "Unser Leben - Geschichten aus dem Alltag Offenbacher Jugendlicher"
Ausschnitt aus dem Titelbild der Broschüre "Unser Leben - Geschichten aus dem Alltag Offenbacher Jugendlicher"

Schwarzfahren gilt für viele inzwischen als Kavaliersdelikt, oftmals jedoch wissen Jugendliche nicht, dass sie eine Straftat begehen, für sie "ist alles easy“, weiß Wolfgang Malik. Der Sozialarbeiter arbeitet seit über dreißig Jahren mit Jugendlichen. Jetzt stellte der Leiter des Jugendhauses und Initiator des Boxclub Nordend - einem beachteten und ausgezeichneten Gewaltpräventionsprojekt - gemeinsam mit Bürgermeisterin Birgit Simon, Rechtsanwältin Katharina Kärcher, Polizeikommissarin Andrea Bunjes von der Landesjugendkoordination des Landeskriminalamtes Hessen, Kriminalhauptkommissar Carsten Ott vom Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden und Agnes Tölkin vom Förderprojekt „Jugend Stärken“ die Broschüre „Das ist unser Leben! Geschichten aus dem Alltag Offenbacher Jugendlicher“ vor.

Ob Paul, Chantal oder Halim: Insgesamt sieben Jugendliche beschreiben Situationen aus ihrem Alltag, in denen sie mit dem Gesetz in Konflikt gerieten. Die Spanne reicht dabei von kopierten und weiterverkauften CD´s über einen geklauten Roller, Prügeleien, Erpressung und eben Schwarzfahren. Dass und welche Straftaten sie dabei begingen, hat die Rechtsanwältin Katharina Kärcher in einem zweiteiligen Workshop mit Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren erarbeitet. Im ersten Teil stand das Jugendstrafrecht im Mittelpunkt, gemeinsam ist sie mit den Jugendlichen Unterschieden zum Erwachsenenstrafrecht auf die Spur gegangen. Damit besaßen die Jugendlichen auch das Rüstzeug für den zweiten Teil, in dem in Rollenspielen justiziable Sachverhalte nachgespielt wurden. Wie fühlt sich das Opfer? Was empfindet der Täter? Und wie kommt der Richter zu seinem Urteil? In den Rollenspielen konnte jeder in eine andere Rolle schlüpfen und das, ist sich die Rechtsanwältin sicher, hat die Jugendlichen verändert. „Sprache und Verhalten änderten sich während der Rollenspiele und die Jugendlichen konnten auch eine andere Sichtweise zulassen.“
Auch Malik kennt das Wechselspiel zwischen Respekt und Angst, das den Alltag von Jugendlichen häufig bestimmt. Ein größerer Junge, der einem Morgens vor dem Schulhof auflauert und mit der Androhung von Prügel das Taschengeld „abzieht“ oder eben der Junge, der Respekt einflößt und das Geld kassiert. Das Projekt und die nun vorliegende Broschüre soll Jugendlichen die Konsequenzen ihres Handels bewusst machen: Sei es, dass das Opfer gefährlich verletzt wird und/oder sie nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden.
„Viele Jugendliche glauben, alles was technisch möglich ist, ist auch erlaubt“, bestätigt auch Carsten Ott vom LKA. So sei ihnen eben nicht klar, dass das Kopieren einer CD und deren Weitergabe eine Urheberrechtsverletzung darstellt und von strafrechtlicher Relevanz ist. In seiner Arbeit steht daher Prävention, nicht Intervention im Vordergrund. Insgesamt sei Jugenddelinquenz zwar rückläufig, jedoch habe die Qualität der Straftaten zugenommen. Neben Urheberrechtsverletzungen zählen Gewaltdelikte zu den am häufigsten verfolgten Tatbeständen. Angebote wie die des Boxcubs und der Hausaufgabenbetreuung seien daher elementar, so Ott, „schließlich geht es darum, Jugendliche vor einer kriminellen Karriere zu bewahren“: 95 Prozent der Jugendlichen kommen mit einer Verwarnung davon, 5 Prozent sind Wiederholungstäter oder begehen schwere Straftaten.
Die sieben Geschichten aus dem Alltag der Offenbacher Jugendlichen geben einen Einblick in die Vielzahl der strafrechtlich relevanten Tatbestände, strukturiert nach den jeweils betroffenen Gesetzen. Die 47-seitige Broschüre „Das ist unser Leben! Geschichten aus dem Alltag Offenbacher Jugendlicher“ ist im Infocenter im Salzgäßchen 1 und bei theater + konzerte im Ringcenter erhältlich. Interessenten können sich auch direkt an Wolfgang Malik im Jugendzentrum Nordend, Tel. 0 69 / 82 36 - 39 04 wenden.