Louisiana Red mit High-Energy-Blues im KJK Sandgasse
Offenbach, den 27.09.2011Wenn es jemanden geben könnte, für den der Titel „Still got the blues“ gilt, dann dürfte der 79jährige Giant of Blues, Louisana Red, sicherlich dazu zählen. Bereits zum fünften Male war der mittlerweile in Deutschland lebende Musiker zu Gast im KJK Sandgasse, dieses Jahr begleitet von der international besetzten Band „The Dynamite Daze“. Zu Beginn des Abends wiesen die Veranstalter vor gut besuchtem aber nicht ausverkauften Haus aus aktuellem Anlass darauf hin, dass Blues mehr als nur ein Musikstil ist. Der Jazzmusiker Duke Ellington sagte einmal, dass der Blues ein kalter, grauer Novembertag sei.
Die Wurzeln dieser Musik liegen in der langen Geschichte der Versklavung, Ausbeutung, Unterdrückung, Ausgrenzung und Armut der afroamerikanischen Bevölkerung und in deren Hoffnung auf eine bessere Zukunft. In diesem Sinne widmeten Louisiana Red und seine Band sowie die Veranstalter diesen Konzertabend dem in dieser Woche in Georgia hingerichteten Gefangenen Troy Davis und dessen Familie.
Als nach zwei einheizenden Stücken von Dynamite Daze dann Big Red, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, auf die Bühne kam, startete dieser stimmgewaltig mit einem spontan improvisierten Song über die Hinrichtung von Troy Davis. Neben Begeisterung lag da auch viel Nachdenklichkeit und Betroffenheit in den Gesichtern des Publikums, zeigte ihnen doch ein alter Bluesveteran , dass der Blues mit wenigen Worten und einfacher musikalischer Struktur zu tiefst bewegen kann.
Unterbrochen von einer kleinen Pause endete das Konzert erst nach fast drei Stunden. Neben Eigenkompositionen gab es auch Bluesklassiker, z. B. von Muddy Waters zu hören. Und wer Louisiana Red kennt, der erwartete an diesem Abend auch keine filigranen Bluesläufe auf der Gitarre wie z. B. von B. B. King oder Buddy Guy. Das raue, ungeschliffene Gitarrenspiel von Iverson Minter, wie Louisiana Red bürgerlich heißt, erinnert eher an den frühen John Lee Hooker oder andere Bluesmusiker aus den Südstaaten des frühen 20. Jahrhunderts.
Doch wenn er dann sein Bottleneck aus der Jackettasche nestelt, dann spürt man wieder, wie beim Slidegitarrenspiel seine Energie explosionsartig zurückkehrt. Nicht umsonst nannte ihn der großartige Eric Burdon einmal Mr. Devil Slide. Das Publikum war begeistert und kann sich bereits darauf freuen, dass die offRock-Macher des Jugendkulturbüros 2012 zu Louisiana Reds 80. Geburtstag ein Extra–Konzert für und mit dem Giant of Blues planen. Für all jene, die das Konzert versäumt haben, gibt es die Möglichkeit Louisiana Reds neueste Songs auf der gerade vor einigen Tagen erschienen CD „Memphis Mojo“ anzuhören.
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