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Lauterborngemeinde: Kirche für die Bewohner

Offenbach, den 22.11.2006, letzte Bearbeitung: 18.04.2008
Als Pavillon-Bau errichtet steht der Kirchenbau der Evangelischen Gemeinde Lauterborn mitten in dem Offenbacher Stadtteil Lauterborn. Während von außen nur der freistehende Glockenturm verrät, dass es sich bei dem Gebäude an der Richard-Wagner-Straße/Ecke Anton-Bruckner-Straße um eine Kirche handelt, zeugen Holzaltar und das Kreuz von einem schlicht gehaltenen Gottesdienstraum. Daneben der größte Blickfang: „das Lauterborner Herzfenster“, das eine der zahlreichen großflächigen Glasscheiben ersetzt.

Die Lauterborngemeinde ist so jung wie der Stadtteil, in dem sie steht. Durch das Wirtschaftswunder begünstigt zogen seit den späten 50er Jahren vermehrt Menschen in das bis dahin als Kleingartenanlage genutzte Gebiet im Südwesten Offenbachs. Der Stadtteil wuchs, Wohnhochhäuser „schossen“ aus dem Boden und mittendrin entstand das Bedürfnis einen Treffpunkt für Christen zu finden. Also wurde zu Beginn des Jahres 1969 die Evangelische Gemeinde Lauterborn gegründet und neun Monate später das aus Beton und Naturstein errichtete Gemeindezentrum eingeweiht. Gegen kirchliche und politische Widerstände setzte die Gemeinde durch, den Namen des Stadtteils zu tragen – denn das Motto der Gläubigen war und ist: eine Kirche für die hier Wohnenden.

Zunächst gab es keinen Kirchenbau im herkömmlichen Sinne. Die Gottesdienste wurden in dem Versammlungsraum gefeiert. Wie bei einem Puzzle kamen in den darauf folgenden Jahren weitere Anbauten hinzu, die das Evangelische Gemeindezentrum komplettierten. Die im Pavillon-Stil erbaute Rundkirche zeichnet sich dadurch aus, dass die Gläubigen nicht sofort den Gottesdienstraum betreten, sondern zunächst in einen Vorraum eintreten. Wer dann den Ende der 70er Jahre erbauten Gottesdienstraum betritt, mag nicht auf den ersten Blick eine Kirche sehen. Parkettfußboden, Holzstühle, eine große Fensterfront zur Richard-Wagner-Straße, davor dunkle, schwere Vorhänge, ein weißer Raumteiler. Erst der zweite Blick offenbart die religiöse Nutzung: ein schlichter Altar aus hellem Holz, ein schnörkelloses Kreuz darüber, eine elektrische Orgel. Etwa 200 der zurzeit rund 1.800 Gemeindemitglieder finden dort Platz. Der Blickfang jedoch ist das „Lauterborner Herzfenster“ – ebenfalls erst später hinzugefügt. Es verbildlicht die vier Jahreszeiten, die alle von der Liebe Gottes durchströmt werden. In dem „kunstlosen“ Raum ein Fixpunkt für die Augen.

Der freistehende Glockenturm aus Beton mit einer kleinen eingebauten Kirchenglocke war zwar bereits in den Bauplänen der 60er Jahre vorhanden, jedoch erst knapp 20 Jahre später an die Rundkirche angesetzt wurden. Der Innenhof des Gemeindezentrums Lauterborn mit seiner parkähnlichen Anlage lädt in dem dicht bebauten Stadtteil zum Ausruhen ein. Im Sommer finden dort auch regelmäßig Open-Air-Gottesdienste statt.

Ihrem Motto eine Kirche für die Stadtteilbewohner zu sein getreu, betreibt die Lauterborngemeinde montags bis freitags seit über 35 Jahren eine Hausaufgabenbetreuung. Zudem finden in dem Versammlungsraum Bridge-Abende und Seniorenstammtische statt. Der Kirchenraum wird regelmäßig seit über 15 Jahren für Veranstaltungen aus der Reihe „Lieder und Töne“ verwandelt, bei denen eine Mischung aus Mozart oder Jazz mit Lesungen und Kabarett verbunden wird.Dem modernen Ambiente der Kirche entsprechend sind auch die Kirchenführungen innovativ – mit verbundenen Augen sollen die Besucher den Kirchenraum ertasten oder zu den Inschriften des „Herzfenster“ ihren Gedanken freien Lauf lassen.

Lauterborngemeinde

Richard-Wagner-Straße 117
63069 Offenbach
069 / 83 46 31
Lauterborngemeinde@t-online.de

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