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Broschüre stellt "Orte des Glaubens" in Offenbach vor

Offenbach, den 07.11.2011

152 Nationen leben in Offenbach, entsprechend vielfältig ist die Mischung kultureller und religiöser Identitäten. Seit zehn Jahren arbeitet die Initiative „Eine Stunde für den Frieden“ in Stadt und Kreis Offenbach für ein nachbarschaftliches Miteinander der Religionen. Anlässlich ihres zehnjähriges Bestehen wurde im Rahmen einer Feierstunde die Broschüre über Offenbacher „Orte des Glaubens“ des städtischen Forum Sport und Kultur vorgestellt.

Um diese Publikation müsse die Kreisverwaltung die Stadt Offenbach beneiden, sagte dabei der Kreisbeigeordnete Carsten Müller. Das von Dr. Ralph Philipp Ziegler redigierte Taschenbuch porträtiert die sakralen Orte von Christen, Juden, Muslimen und Freireligiösen in dieser Stadt. Zudem werden in kurzen Beiträgen die jeweiligen Glaubensinhalte skizziert. .

Orte des Glaubens sollten auch Orte des Dialogs sein, sagte in seiner Begrüßungsansprache Prof. Alfred Jacoby, der Vorsitzende der gastgebenden Gemeinde. Sie jedenfalls verstehe ihr Gemeindezentrum als ein für alle offenes Haus. Die Gläubigen jedweder Richtung forderte Jacoby auf, auch auf ferne Konflikte friedenstiftend einzuwirken. Ähnlich äußerte sich Abdelkader Rafoud, der Ausländerbeauftragte der Stadt Offenbach.

Bürgermeisterin Birgit Simon hält es für eine moralische Pflicht, sich nicht im Dialog zu erschöpfen, sondern dem anders Betenden auch Schutz zu gewähren. Carsten Müller wiederum mahnte: „Die Staatsgewalt geht nicht von Gott aus, sondern vom Volk“. Müller sieht über den Religionen den säkularen Staat als den Schirm, unter dem die unterschiedlichen Religionen sich behütet entfalten können. Pointiert wandte er sich gegen Auffassungen, die mittels staatlicher Gewalt die Alleingültigkeit eines Glaubens durchzusetzen trachten.

Ziegler fand es beispielgebend, dass sich in Offenbach diese Allianz für ein verständnisvolles Miteinander gebildet hat: „In Offenbach ist Spannendes zu erleben!“ Für die „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“ zollte Bekir Alboga Beifall. Aus dem Koran leitete er die Verpflichtung ab, dem Andersgläubigen nicht nur „in Würde“ zu begegnen, sondern ihm auch Schutz zu gewähren.

Alboga sprach von dem einen Gott, der zu Moses, Jesus und Mohamed gesprochen habe. Dabei ermahnte er die Gläubigen, die gemeinsame Verfassung zu verteidigen, die eine freie Religionsausübung sichert. An die Mehrheitsgesellschaft richtete sich der Appell, den Neubau von Moscheen nicht in abgelegene Stadtviertel zu verdrängen. Wer die Integration der Zugewanderten wünsche, müsse ihnen auch die repräsentative Moschee in der Innenstadt zubilligen, im Gleichklang mit Kirche und Synagoge. Erst in Architektur werde Integration optisch wahrnehmbar. (Lothar R. Braun)

Die Broschüre "Orte des Glaubens" ist gegen eine Schutzgebühr von 1,00 EURO im OF-InfoCenter, Salzgässchen 1 erhältlich.