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Kommunale Präventionsarbeit in Offenbach – ein Überblick

Offenbach, den 28.09.2009, letzte Bearbeitung: 13.01.2011
Frank Weber, Geschäftsstelle Kommunale Prävention

Um Kommunale Präventionsarbeit zu organisieren und zu steuern, wurden in Offenbach Strukturen geschaffen, die das unterstützen. Als oberstes Organ gibt es die Lenkungsgruppe Prävention. Mitglieder des Offenbacher Präventionsrates sind der Oberbürgermeister, die Bürgermeisterin, der Ordnungsdezernent, der Leiter des Ordnungsamtes, der Polizeipräsident, die Leiterin des Amtsgerichts, der Leiter der Staatsanwaltschaft, des Staatlichen Schulamtes und der Vorsitzende des Fördervereins Sicheres Offenbach e.V. Die Geschäftsführung liegt beim Ordnungsamt der Stadt, Geschäftsstelle Kommunale Prävention.

Darüber hinaus gibt es als örtliche Präventionsgremien in der Stadt die sogenannten Runden Tische und weitere Facharbeitskreise. Bei den Runden Tischen kommt die derzeitige Situation in den Stadtteilen zur Sprache, weitere Schritte zur Lösung von Problemen werden besprochen. Zur Förderung des Gemeinwesens werden Stadtteilfeste organisiert. Die Facharbeitskreise beschäftigen sich mit besonderen Themen wie Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Häusliche Gewalt, Sicherheit im Öffentlichen Personennahverkehr. So bildet z.B. die Offenbacher Verkehrsbetriebe GmbH (OVB) regelmäßig Schüler als Busbegleiter aus. Zum Thema Häusliche Gewalt wurde die Ausstellung Rosenstraße 76 organisiert, es werden Hilfsangebote für Männer wie für Frauen angeboten sowie Fachtagungen für die Fachkräfte.

Bürgermeisterin Birgit Simon hatte 2007 einen Runden Tisch „Kinderschutz“ mit Polizei, Kinderschutzbund, Kinderärzten, Sanitätern, Kitas und weiteren Fachleuten ins Leben gerufen, der sich zum Ziel gesetzt hat, Maßnahmen zur frühzeitigen Erkennung von Gewalt gegen Kinder frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Neben der Babysprechstunde wird das Jugendamt zukünftig im städtischen Klinikum Präsenz zeigen, um Väter und Mütter direkt anzusprechen und Hilfe anzubieten.

Vielfältige Angebote für Kitas und Schulen
Die wesentlichen Säulen für die Präventionsarbeit in den städtischen Kindertagesstätten in Offenbach sind die kontinuierliche Bildungsunterstützung mit regelmäßiger Sprachförderung, auch in Zusammenarbeit mit Grundschulen, sowie die Entwicklung der Sozialkompetenz der Kinder und damit deren Persönlichkeitsentwicklung. Um dies noch besser erreichen zu können, sind für die kommenden drei Jahre umfangreiche Weiterbildungsprojekte für Erzieherinnen und Erzieher in den 22 städtischen Kitas geplant, um die notwendigen pädagogischen Voraussetzungen für die Alltagsarbeit zu schaffen.

Papilio, ein pädagogisches Programm für Kindergärten, reduziert Verhaltensauffälligkeiten und erhöht die sozial-emotionale Kompetenz der Kinder. Es lässt sich in jedem Kindergarten in den normalen Alltag einfügen, was mit einem Modellprojekt in der Praxis sowie mit wissenschaftlicher Begleitung belegt wurde. Es richtet sich an Erzieherinnen und Erzieher, die Kinder und deren Eltern. Der Eigenbetrieb Kindertagesstätten arbeitet zur Implementierung von Papilio seit ca. 3 Jahren mit der Fachstelle für Suchtprävention des Suchthilfezentrums Wildhof zusammen; es werden ganze Teams in den Kitas geschult.

Faustlos ist ein für Schulen und Kindergärten entwickeltes Curriculum zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen und zur Prävention von aggressivem Verhalten. Die Curricula vermitteln auf alters- und entwicklungsadäquate Weise sozial-emotionale Kompetenzen in den Bereichen Empathie, Impulskontrolle und Umgang mit Ärger und Wut, wodurch aggressives Verhalten verhindert wird. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen die Wirksamkeit des Programms und verschiedene "Nebeneffekte" wie die Förderung verbaler Kompetenzen.

Jugendliche und junge Erwachsene werden Paten von Kita-Kindern (vorrangig Gymnasiasten). Sie unterstützen die Kinder auf vielfältige Weise. Sie gehen auch mit nach Hause, sind manchmal wie ein großer Bruder oder eine große Schwester. Sie erhalten für ihre Tätigkeit eine Patenschaftsurkunde. Das Patenschaftsprojekt, organisiert vom Agenda-Büro, läuft seit 2005 in mittlerweile der Hälfte aller Kitas.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Präventionsarbeit in den Offenbacher Schulen. Das Jugendamt unterstützt Schulen dabei, Gewaltprävention als Daueraufgabe zu verstehen und in den Schulalltag zu implementieren, indem dafür Strukturen geschaffen werden (AG Prävention). Schulen sollen in die Lage versetzt werden, selbst zu erkennen, was es wo braucht, um rechtzeitig und mit den passenden Instrumenten präventiv tätig zu werden. Im Auftrag des Fördervereins Sicheres Offenbach e.V. hatte Dr. Michael Koch vom Jugendamt den sogenannten Offenbacher Methodenkoffer entwickelt, der den Schulen Handlungsorientierung gibt und Maßnahmen und Projekte zur Gewaltprävention vorschlägt. Die Maßnahmen werden jährlich evaluiert und der Methodenkoffer fortgeschrieben.

Kernmodule des Methodenkoffers sind neben den Schul-AGs “Gewaltprävention“ Präventionsprogramme wie Faustlos, Eigenständig werden, Cool sein, Cool bleiben, PIT-Prävention im Team. Es geht um die Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler im Sinne unserer Gesellschaft, um Konfliktlösungskompetenzen, aber auch um täterorientierte Konzepte mit Fallgesprächen und konfrontativen Ansätzen, um Grenzen aufzuzeigen, über Sanktionen zu reden und klare Erwartungen zu formulieren. Hier ist insbesondere die Polizei gefordert, die die Schulen und die Stadt auch bei vielen Projekten und Maßnahmen zur Gewaltprävention tatkräftig unterstützt. Neue Module zu den Themen Häusliche Gewalt“ und „Umgang mit neuen Medien“ ergänzen das Bewährte.

Der Offenbacher Methodenkoffer erreichte seit 2005 mehr als 3.000 Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern. Ermöglicht wird dies durch eine finanzielle Unterstützung des Fördervereins Sicheres Offenbach von derzeit 25.000 Euro jährlich. Dieser wiederum wird getragen von Offenbacher Unternehmen, deren Beiträge die Unterstützung ermöglichen. Das Offenbacher Konzept für die Schulen ist in weiten Kreisen der deutschen Fachwelt anerkannt und als vorbildlich gewürdigt.

Zum Thema Gewaltprävention bietet das Jugendamt zudem jährlich Fachtagungen für Pädagogen und Fachkräfte zum Erfahrungsaustausch und zur fachlichen Vertiefung an. Mobbing und der Umgang mit neuen Medien standen hier in zuletzt besonders im Fokus.

Fehlende Orientierung, Regeln und Werte von Kindern und Jugendlichen sind oft die Grundlage für Gewalt gegen Sachen und Mitmenschen. Vandalismus und Schmierereien im öffentlichen Raum stören: in Offenbach wie auch anderswo. Auch wenn primär die Eltern in der Pflicht stehen, so leisten Kindertagesstätten und Schulen einen wichtigen Beitrag, um die soziale Entwicklung der Jugendlichen zu fördern.

Das People's Theater, ein mehrfach ausgezeichneter gemeinnütziger Verein, gegründet in Offenbach, hilft mit seinen Shows den Kindern soziales Verhalten über das Medium Theater nahe zu bringen bzw. zu stärken. Um den Schulen die Entscheidung für ein Engagement des Ensembles zu erleichtern, bietet die Stadt den Schulen seit 2008 gemeinsam mit dem Förderverein Sicheres Offenbach e.V. eine Kostenbeteiligung von 75 Prozent an. Ziel ist es, dass damit die Kompetenzen möglichst vieler Schülerinnen und Schüler für ein gewaltfreies und respektvolles Miteinander gestärkt werden. Alle Kinder profitieren davon, nicht nur diejenigen aus offensichtlich schwierigen Verhältnissen. Das Angebot, das die Geschäftsstelle Kommunale Prävention beim Ordnungsamt organisiert, gilt für alle dritten bzw. vierten Klassen.

Aus der Arbeit des RTN heraus entstand das Boxprojekt im Nordend, daraus resultierend der Boxclub Nordend e.V.. Der Boxclub Nordend ist seit dem Jahr 2003 eines der erfolgreichsten Gewaltpräventions- und Integrationsprojekte Hessens. Sein Angebot wendet sich vor allem an schwierige, gewaltbereite Jugendliche im Alter zwischen 12 und 22 Jahren. Unter dem Motto „Fordern und Fördern“ werden den etwa 70 regelmäßig im Verein trainierenden jungen Menschen , die zum überwiegenden Teil einen Migrationshintergrund haben, Werte wie Pünktlichkeit, Disziplin und Respekt und gegenseitige Wertschätzung vermittelt und konsequent eingefordert. Immer mit dem Ziel, die jungen Männer und Frauen in ihren Entwicklungsprozessen zu unterstützen und ihnen zu vermitteln, dass Gewalt keine Lösung von Konflikten ist. Daher wird das regelmäßige Boxtraining u.a. durch Hausaufgabenhilfe, Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und bei Behördengängen sowie Ernährungsberatung, Entspannungs- und Atemübungen aus dem Yoga flankiert. Die Vereinsarbeit unterstützt er aus Zuschüssen der Stadt, des Vereins Sicheres Offenbach e.V., durch Sponsoren und Preisgelder. Unter vielen weiteren Auszeichnungen erhielt der Boxclub Nordend den Hessischen Präventionspreis verliehen. Weitere Infos finden Sie unter http://www.boxclub-nordend-offenbach.de/.
Das Pilotprojekt „Hilfeinsel Offenbach“ ist von der starthäuschen–innovative Pädagogik gGmbH, der Hessischen Polizei und der Stadt Offenbach am 18. 5. 2010 gestartet worden.
Zuvor hatte der Offenbacher Präventionsrat empfohlen, das „Projekt Hilfeinseln“ als Pilotprojekt im Stadtteil Nordend durchzuführen. Die Idee von „Leon“, dem Kinderkommissar, als sichtbares Zeichen in Läden und Schaufenster zu platzieren, ist von der Polizei Hessen schon seit mehreren Jahren erfolgreich in anderen Kommunen und Städten durchgeführt worden. Nun organisiert starthäuschen–innovative Pädagogik GmbH dieses soziale Angebot auch in „unserer Stadt Offenbach“.
Das Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensumwelt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in unserer Stadt zu verbessern.
Ziel ist, dass sich Kinder und Jugendliche im öffentlichen Raum sicher und unbeschwert bewegen können. Im Falle eines kleinen oder großen Notfalls sollen sie möglichst sofort sichere und zuverlässige Hilfe erhalten.
Das Projekt soll dazu beitragen, ein kinder- und familienfreundliches Klima in der Stadt weiter zu fördern, und sich alle Bürger ihren Mitmenschen gegenüber rücksichtsvoll und hilfsbereit zeigen.
Zu diesem Zweck soll ein lokales Netzwerk aufgebaut und betreut werden. Die Partner im Netzwerk erklären sich bereit, Kindern und Jugendlichen in kleinen und großen Notsituationen zu helfen.
Das Projekt Hilfeinsel setzt auf verschiedenen Ebenen an:
• Die lokalen Partner (sowie eine breite Öffentlichkeit) werden sensibilisiert für die Situation von Kindern, Jugendlichen und Hilfebedürftigen. Sie tragen dadurch zu einer erhöhten sozialen Aufmerksamkeit bei.
• Zudem werden sie selbst als hilfsbereit und kinderfreundlich wahrgenommen.
• Das subjektive Sicherheitsgefühl der Kinder (und auch deren Eltern) wird erhöht. Im Falle von Gefahren oder anderen Notsituationen wird aber auch objektiv schnelle, verlässliche und adäquate Hilfe geleistet.
• Die Bereitschaft zum sozialen Handeln wächst.
Mit der Projektidee ist eine ausführliche Evaluation vorgesehen, die den Nutzen und die Wirksamkeit des Projekts sichern soll. Kitas, Schulen und Kindereinrichtungen wurden und werden ermuntert, das Projekt und seine Bedeutung regelmäßig an die Eltern und vor allem an die Kinder zu vermitteln. Weitere Infos finden Sie unter http://www.starthaus.org/sh_hilfeinsel_offenbach.htm .
Ordnungsstörungen und Verwahrlosungen beeinträchtigen das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung - unabhängig davon, dass sie häufig auch einen Nährboden für Kriminalität bieten. Kommunen aber, in denen sich die Bürgerinnen und Bürger unsicher fühlen, verlieren auf Dauer ihre Attraktivität. Da die örtliche Wirtschaft und potentielle Investoren in Sicherheit und Ordnung einen entscheidenden Standortfaktor sehen, liegt es im Eigeninteresse der Städte, im Rahmen ihrer Zuständigkeiten maßgeblich zur Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung beizutragen. Im Rahmen des Projektes „Besser leben in Offenbach – Gib acht auf Offenbach“ werden Stadtteile „aufgeräumt“ und punktuell aufgewertet, beschmierte Schaltkästen gesäubert. Die enge Zusammenarbeit von Stadt, Polizei und den großen Baugesellschaften führte zu einer Vereinbarung, bei neuen Graffitis Anzeigen zu erstellen, die Täter zivilrechtlich zu belangen und die Schmierereien schnellstmöglich zu beseitigen. Angebote der Stadt an private Hauseigentümer sollen diese animieren, ebenso zu agieren. Punktuelle Videoüberwachungen tragen ebenso zur objektiven und subjektiven Sicherheit bei. Die Anzahl der Stadtpolizisten wurde weiter erhöht und die Dienstzeiten auf Montag bis Samstag von 6:30 Uhr bis 24 Uhr ausgeweitet. Präventive Aspekte fließen ein bei Schulbausanierungen und Baumaßnahmen im öffentlichen Raum.

Zur besseren Information und Kommunikation zwischen Polizei und den Bürgern bietet die Stadt mit dem Förderverein Sicheres Offenbach e.V. das Bürger-Alarm-System an. Teilnehmende Bürger, mittlerweile über 4.700, werden per Telefon von der Polizei über verdächtige Vorfälle und konkrete Gefahren gewarnt.

Wie man in gewaltgeladenen Situationen agieren kann, lernen Bürgerinnen und Bürger in Seminaren, die die Stadt gemeinsam mit der Polizei im Rahmen der landesweiten Kampagne „Gewalt-Sehen-Helfen“ anbietet. Seit 2008 finden jährlich Offenbacher Präventionstage statt, bei denen die Öffentlichkeit über präventive Angebote in Offenbach informiert werden. Federführend werden die Veranstaltungen organisiert von der Stadtwerke Offenbach Holding und der Stadt Offenbach, Geschäftsstelle Kommunale Prävention.