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Sozialtraining in Jugendeinrichtungen: Box- und Fußballprojekt

Offenbach, den 01.04.2008

Das Box-Projekt wird seit Januar 2003 im Jugendzentrum (JUZ) Nordend angeboten und durchgeführt. Dort können Jugendliche im Alter ab 12 Jahren bis zu dreimal wöchentlich an einem Boxtraining teilnehmen, welches von Trainer Peter Firner angeboten wird. In seiner Tätigkeit als Boxtrainer wird Peter Firner von dem ehemaligen Amateurboxer Bernd Hackforth unterstützt, der gleichzeitig im JUZ Nordend das erfolgreiche Projekt „Sonntagscafe" organisiert und leitet. Im Schnitt besuchen etwa 20 Jugendliche die Trainingseinheiten im JUZ Nordend.

Finanziert wird dieses Projekt durch Mittel, die im Rahmen der Kommunalen Präventionsarbeit der Stadt Offenbach zur Verfügung gestellt werden. Pädagogisch betreut werden die Jugendlichen im JUZ Nordend von Wolfgang Malik, JUZ Nordend, Johannes-Morhart-Strasse 7, Tel.: 82 36 39 04.
Das Boxtraining ist im JUZ Nordend am Dienstag und Mittwoch, von 18.00 Uhr bis 21.00 Uhr und für die regelmäßig Trainierenden ein Sparring am Sonntag, von 11.00 Uhr bis 14.00 Uhr.
Die Teilnahme ist für die Jugendlichen kostenlos.

Warum Boxen im Jugendzentrum?

Kampfsport (und der Boxsport im speziellen) stellt für viele Jugendliche eine sehr attraktive sportliche Betätigung dar, für die sie sich interessieren. Über das Interesse am Boxsport und die regelmäßige Teilnahme am Training lassen sich Beziehungen zwischen den Trainern und den Jugendlichen im Sinne einer Lehrer-Schüler-Beziehung aufbauen, welche von gegenseitigem Respekt und persönlicher Wertschätzung geprägt sein sollte.
Eine erfolgreiche Arbeit des Boxprojekts im Sinne von „Kampfsport als Gewaltprävention" kann nur über eine kontinuierliche enge Zusammenarbeit der Trainer (als feste Bezugspersonen) mit den Jugendlichen funktionieren. Hierzu gehören klare Regeln (zum Beispiel Pünktlichkeit, Disziplin, Fairness, gegenseitiger Respekt, kein Anwenden der Boxtechniken außerhalb des Trainings) und festgelegte Grenzen, an denen die Jugendlichen persönlich wachsen können.
Wer beispielsweise mehrmals wöchentlich am Training im JUZ Nordend teilnehmen will, muss sich für ein Fernbleiben vom Training entschuldigen. Die Jugendlichen haben hierfür die Telefonnummer von Peter Firner und müssen sich bei Nichtteilnahme telefonisch melden. Diese Regel funktioniert tadellos, was einige Sozialarbeiter, die die entsprechenden Jugendlichen seit Jahren kennen, sehr erstaunt.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Aufbau einer starken Persönlichkeit und das Verantwortungsgefühl für andere und für sich selbst entscheidende Ziele eines (sozial)pädagogisch geprägten Boxtrainings sind. Im Boxtraining erfahren die Jugendlichen, dass „hart und stark sein" kein Widerspruch zu Fairness und sozialem Miteinander darstellen muss, sie können sich dort persönlich und sportlich weiterentwickeln.


Die Person des Trainers ist hierbei die zentrale Vermittlungsinstanz und wichtiger als der Inhalt  - sprich der Boxsport. Die gewaltpräventive Wirkung des Trainings hängt unter anderem von der Haltung und der sozialen Kompetenz des Trainers ab.
Im JUZ Nordend ist es beispielsweise gelungen, Jugendliche aus verschiedenen Stadtteilen Offenbachs (Nordend, Lauterborn, Bereich Innenstadt) in den Trainingsbetrieb zu integrieren, was in Bezug auf die Gewaltproblematik zwischen rivalisierenden Stadtteilgruppierungen als Präventivmaßnahme gewertet werden kann.
Der Kontakt zwischen den Jugendlichen als auch zwischen den Jugendlichen und den verantwortlichen Trainern geht über den rein sportlichen Trainingsbetrieb hinaus. Meist suchen die Teilnehmer nach Beendigung des Trainings das Gespräch und den Kontakt untereinander beziehungsweise zu den Trainern. Hierzu sind die Räumlichkeiten des JUZ Nordend (mit Theke, Musikanlage und Sitzgelegenheiten) ideal und ermöglichen einen gemütlichen Ausklang des Trainings.
Das Boxtraining wird von Sozialarbeitern begleitet, die den Jugendlichen bei Problemen und Krisen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das Boxtraining wird schließlich mit weiteren Maßnahmen ergänzt. So wurde vom JUZ Nordend im letzten Jahr ein Wochenendtrainingscamp in einer Jugendherberge außerhalb Offenbachs organisiert. Ein Cevapcici-Abend und eine gelungene Strassenfestpräsentation förderten schließlich auch den sozialen Zusammenhalt der Gruppe.
Die Begeisterung und das sportliche Engagement einiger Jugendlicher war so groß, dass im August 2004 die Gründung eines eigenen Boxvereins möglich wurde. Der neu gegründete BC Nordend ist der bisher einzige Verein, der aus einem Präventionsprojekt hervorgegangen ist und der in seiner Satzung festgelegt hat, dass er Boxsport im Sinne von Nahkampfsport zur Gewaltprävention anbietet. Neben der sportlichen wurde die Förderung der persönlichen Entwicklung (unter anderem Fairness, Disziplin, respektvolles Auftreten) der Mitglieder sowie deren Unterstützung beim Aufbau von Verantwortungsgefühl für sich selbst und andere als Vereinszweck beschlossen. Jetzt können die Jugendlichen auf eigenen Wunsch hin an sportlichen Wettkämpfen des Hessischen Amateurboxverbandes teilnehmen und sich dabei weiterhin in der Obhut des vertrauten Trainers persönlich und sportlich weiterentwickeln.
An diesem Boxtraining Interessierte wenden sich direkt an das JUZ Nordend.

Mit dem Fußball-Projekt in Waldhof sollen ähnliche, wenn auch aufgrund der zeitlichen Befristung nicht ganz so hoch gesteckte Ziele erreicht werden.

15 bis 20 Jugendliche aus dem Waldhof und Bieber beteiligten sich im Sommer 2003 an einem Fußballprojekt, das unter Leitung von Christian Wolff jeden Dienstag Nachmittag in der Turnhalle der Geschwister-Scholl-Schule betrieben wurde und in den Ferien auf dem Bolzplatz im Waldhof stattfand.

Der Höhepunkt der Aktion war das Turnier gegen das Fußballprojekt der Mathildenschule am 14. Juli 2003.

Eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und sportliche Betätigung ist gerade für junge Menschen die beste Vorbeugung vor weniger sinnvollen Aktivitäten – ein einfacher Grundsatz für dieses von Peter Heckt vom IB Waldhof geleitete Projekt, dass ebenfalls von der Kommunalen Präventionsarbeit getragen wurde.

Für den Ortsteil Waldhof ist die Prävention von besonderer Bedeutung, weil die Jugendlichen unterschiedlichster Herkunft dort nur unzureichende Freizeitmöglichkeiten vorfinden.

Auch diese gemeinsame sportliche Betätigung für Jugendliche aus vielen verschiedenen Kulturkreisen trägt nicht nur zum besseren Verständnis untereinander bei, sie entwickelt – ähnlich wie beim oben beschriebenen Boxtraining - soziales Gruppenverhalten und fordert die Beachtung von Regeln.

Im Sommer 2004 - von April bis August - wurde ein weiteres Fußball-Projekt durchgeführt. Als Spielort wurde aufgrund seiner zentralen Lage im Ortsteil Waldhof allein der sogenannte "Bolzplatz" in der Ottersfuhrstrasse gewählt. Für dieses zweite Projekt musste gar nicht mehr geworben werden. Es genügte, die Besucher des Treff Waldhof über den wöchentlichen Termin zu informieren, um bereits in den ersten Wochen mit einem Stamm von 25 teilnahmewilligen Jugendlichen beginnen zu können. Auch dieses Projekt wurde von den beiden Teamern im Hinblick auf die oben genannte Zielsetzung als voller Erfolg gewertet.
Problematische Jugendliche hatten im Laufe der Zeit Gelegenheit zu lernen, was es heisst, Toleranzverhalten zu zeigen und soziale Verantwortung für sich und das eigene Handeln zu übernehmen. Hervorzuheben ist auch die Teilnahme der Mitspieler, die mit ihrem positiven (Gruppen-)Verhalten zum Lernerfolg der Problemfälle beigetragen haben. Sie haben als Gleichaltrige wirkungsvoll gezeigt, dass mit einer solchen positiven (Lebens-)Einstellung nicht nur Fußballspielen Spass bereiten kann.