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Aufnahme der südlichen Innenstadt ins Hegiss-Förderprogramm beantragt

Offenbach, den 28.04.2010, letzte Bearbeitung: 07.12.2011

Die Stadt Offenbach strebt eine Aufnahme des Quartiers südliche Innenstadt ins Hegiss-Programm (Hessische Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt) an. Der Magistrat hat einer entsprechenden Bewerbung zugestimmt. Mit Hegiss-Fördermitteln könnten Wohn- und Lebensqualität in dem Quartier verbessert und die Bevölkerung zur stärkeren Mitwirkung aktiviert werden. Städtebaulich gilt es unter anderem die trennende Wirkung des Bahndamms zu entschärfen.

Das frühere Werksgelände der Firma MAN Roland ist Bestandteil der südlichen Innenstadt.
Das frühere Werksgelände der Firma MAN Roland ist Bestandteil der südlichen Innenstadt.

Das Programm Hessische Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt (HEGISS) der Hessischen Landesregierung fördert innerstädtische Quartiere mit besonderem Entwicklungsbedarf. Ziel des Programms ist die Förderung in den Bereichen Städtebau und soziale Stadtentwicklung, um diese als lebenswerte und gesunde Wohn- und Arbeitsorte, funktionierende Nahversorgungsstandorte und interessante Kulturstandorte zu gestalten.

Positive Erfahrungen mit Hegiss hat Offenbach in der östlichen Innenstadt gesammelt. Das Mathildenviertel wurde nach 1999 mit Fördermitteln aus dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ beziehungsweise Hegiss unterstützt. Dieser Bereich innerhalb Innenstadt zwischen Kaiserstraße, Bismarckstraße, Friedhofstraße und der Mainstraße ist geprägt durch eine hohe Nutzungsdichte und damit raumstrukturelle Vielschichtigkeit.

Der jetzigen Bewerbung der Stadt Offenbach für eine Aufnahme in das Förderprogramm Soziale Stadt mit dem Gebiet südliche Innenstadt liegt eine gründliche Bewertung weiterer infrage kommender Stadtgebiete zugrunde: Hierbei wurden die Statteile Nordend, Bieber-Waldhof, Lauterborn sowie die südliche Innenstadt einer ressortübergreifenden Analyse unterzogen. In Vor- und Abstimmung mit der Stadt wurde die grundsätzliche Förderfähigkeit des Planungsgebietes südliche Innenstadt zwischenzeitlich durch das Land Hessen bestätigt. Nach den Erfahrungen in der östlichen Innenstadt rechnet die Stadt für die südliche Innenstadt mit einem Fördervolumen von rund fünf Millionen Euro, sofern die Aufnahme ins Förderprogramm gelingt. Die Fördergelder werden vom Land jeweils projektbezogen gewährt. Offenbach geht davon aus, dass das Land im Laufe des Jahres über die Bewerbung entscheidet.

Das Gebiet der südlichen Innenstadt soll als Wohnquartier an Attraktivität für Familien, Senioren und Wohngruppen gewinnen, Investoren für den Wohnungsbau aktivieren und damit das Quartier langfristig sozial stabilisieren. Denn ebenso wie der Bereich der östlichen Innenstadt ist auch das rund 45,3 Hektar große Gebiet zwischen der Bismarckstraße, dem Starkenburgring mit dem Klinikum Offenbach und dem Albert-Schweitzer-Gymnasium in der Waldstraße, geprägt durch eine relative Einkommensarmut: die Bevölkerung hat mit knapp 41 Prozent einen vergleichsweise hohen Ausländeranteil und auch die Zahl der Bewohner mit SGB II-Bezug sowie die Zahl von Kindern SGB II-Bedarfsgemeinschaften liegt etwas über dem Durchschnitt. Hinzu kommt eine mit 17 Prozent pro Jahr überdurchschnittlich ausgeprägte Fluktuationsquote, die auf eine schwache Quartiersbindung der Bevölkerung schließen lässt.

Die Identifikation der Bewohner mit ihrem Lebensumfeld zu erhöhen, ist aus Sicht der Verantwortlichen wünschenswert. Dazu können Aktionen beitragen, die im Rahmen des Hegiss-Prozesses angestoßen werden könnten. Die Bewohner sollen aktiviert werden, sich für ihre Belange und für mehr Lebensqualität in ihrem Stadtteil einzusetzen. Denn die Erfahrung zeigt, dass mit der Identifikation auch die individuelle Verantwortung für den Stadtteil steigt. Vandalismus oder Verwahrlosung werden dadurch eingedämmt. Und meist bleiben zufriedene Bewohner auch länger im Stadtteil wohnen und sorgen so dafür, dass sich dauerhafte Angebotsstrukturen entwickeln.

Bereits 2006 wurde der Bereich „Senefelder Quartier“, das neben dem ehemaligen MAN-Gelände und der Senefelder Straße auch Teile des angrenzenden Gebietes umfasst, einer städtebaulichen Bestandsanalyse unterzogen: die hohe Bau- und Nutzungsdichte, städtebauliche Brüche, verbreitete Sanierungsrückstände und in weiten Teilen denkmalwürdige gründerzeitliche Bausubstanz bestätigen die Notwendigkeit einer umfassenden städtebaulichen und sozialräumlichen Entwicklung des Stadtteils. Mit der Schließung des MAN-Werkes 2003 entstand zudem ein unwirtlicher und unbelebter Stadtraum, der im Umfeld Ladenleerstände sowie Pflege- und Sanierungsrückstände zur Folge hatte.

Im Rahmen des Stadtumbaus wird die Aufwertung des brach liegenden Werksgeländes als Quartiersmitte mit einer Verbesserung der Nahversorgung und mit Grünflächen für Spiel und Erholung angestrebt. Mit der Einrichtung einer Grundschule, einer Mehrzweckhalle, einer Kindertagesstätte und einer Kleinkindkrippe könnte die südliche Innenstadt zusätzlich an Attraktivität gewinnen.

Darüber hinaus wurden bereits im Rahmen der Bestandsanalyse für das Senefelder Quartier zahlreiche Entwicklungspotentiale zur Stärkung der Lokalwirtschaft und Beschäftigung, im Sozialwesen und in der Jugendarbeit ermittelt. Dies betrifft auch den Bereich nördlich und südlich der Bahntrasse, weshalb Teilgebiete östlich der Waldstraße ebenfalls mit in das Auswahlgebiet aufgenommen wurden.

Eine vollständige Bestandsaufnahme mit einem städtebaulichen Rahmenplan wird der erste wichtige Schritt sein, allen Beteiligten – auch der ansässigen Bevölkerung – die Gegebenheiten und tatsächlichen Potentiale in einem Zusammenhang zu zeigen. Neben funktional-gestalterischen Maßnahmen wie beispielsweise der Umgestaltung der Bahnunterführungen einschließlich ihrer Vorflächen und der Neuanlage des Spielplatzes Schäferstraße soll mit der Einrichtung eines Quartiersmanagements die soziale Aktivierung und Partizipation der Bewohnerinnen und Bewohner gewährleistet sein. Damit lässt sich an die positiven Erfahrungen in dem Hegiss-Gebiet östliche Innenstadt anknüpfen. Gleichzeitig wäre dies ein weiterer Baustein im stadtteilübergreifenden Quartiersmanagement der Stadt Offenbach.