Bürgerbüro kann Fingerabdrücke erfassen
Offenbach, den 15.08.2007, letzte Bearbeitung: 14.04.2008Ab dem 1. November enthält jeder neue Reisepass in Deutschland auch die Fingerabdrücke seines Inhabers. Wer einen Reisepass beantragt, dem werden dann in der Regel von beiden Zeigefingern jeweils drei Abdrücke genommen. Der jeweils beste wird auf einem Chip im Deckel des Reisepasses gespeichert. In Offenbach geschieht dies im Bürgerbüro. Die städtische Servicestelle ist dafür mit 16 kleinen Scannern ausgerüstet.
Offenbachs Bürgermeisterin Birgit Simon weiß um die Vorbehalte von Datenschützern und Bürgerrechtlern: „Das Thema ist ja seit Wochen schon in der Diskussion und wirft immer wieder Fragen auch zur Datensicherheit auf“ sagt Simon, die sich dem Procedere selbst unterzogen hat.
Martina Fuchs, Leiterin des Bürgerbüros, geht daher davon aus, dass Bürgerinnen und Bürger gerade in der Anfangsphase viele Fragen haben werden und der Antragsvorgang daher länger dauern kann als die üblichen zwei bis drei Minuten. Einige Bedenken kann Fuchs allerdings schon vorab zerstreuen: Die Abdrücke werden nirgendwo gespeichert außer auf dem Chip. Passbehörden wie das Offenbacher Bürgerbüro löschen die Abdrücke, so bald der neue Reisepass ausgehändigt ist. Auch die Bundesdruckerei, die die Pässe produziert, bewahre die Abdrücke nicht auf, so Fuchs. Denn sie sollen nicht polizeilichen Fahndungszwecken dienen, sondern ausschließlich dafür sorgen, dass eine Person zweifelsfrei zu identifizieren und der Pass fälschungssicher ist.
Das setzt voraus, dass der elektronische Abdruck deutlich gut genug ist, um von der Software erkannt zu werden. Bei Personen, deren Hände arbeitsbedingt stark verhornt oder verunreinigt sind, kann das schon mal schwierig sein. Notfalls können statt Zeigefinger auch Mittel- oder Ringfinger gescannt werden. Und falls jemand bei einem Unfall eine Hand verloren hat, genüge auch der Abdruck der verbliebenen Hand, erklärt Martina Fuchs.
In Kassel und Gießen ist man im Rahmen eines hessischen Feldversuchs außerdem auf eine weitere Schwierigkeit gestoßen. Manche Menschen haben solch trockene Haut, dass ihre Fingerabdrücke zu schwach sind. „In solchen Fällen helfen kleine Schwämmchen, wie man sie früher zum Anfeuchten von Briefmarken verwendet hat“, erzählt die Leiterin des Bürgerbüros.
Neben den üblichen Angaben zur Person – unter anderem Name, Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort, Staatsangehörigkeit, Größe, Augenfarbe – müssen Reisepässe seit November 2005 Passbilder nach bestimmten Vorgaben enthalten. Der so genannte ePass (elektronischer Pass) ist mit einem Frontalbild ausgestattet. Es ermöglicht das computergestützte Erfassen charakteristischer Gesichtsmerkmale. Die Vorgabe gilt auch für ausländerrechtliche Personendokumente. Bei Personalausweisen und Führerscheinen haben Bürgerinnen und Bürger die Wahl, ob sie Fotos nach altem oder neuem Muster verwenden wollen. Anders als die Fingerabdrücke bewahrt das Bürgerbüro Fotos zur Identitätsüberprüfung auf – falls beispielsweise jemand bei Verlust seiner Ausweispapiere neue beantragt. Gerade jetzt in der Hauptreisezeit komme es häufig vor, dass sich deutsche Konsulate aus aller Welt beim Bürgerbüro melden, weil Offenbacher im Ausland ihre Papiere verloren haben oder bestohlen wurden. In einem solchen Notfall wendet man sich an eine deutsche Auslandsvertretung, die in Zusammenarbeit mit der Heimatgemeinde für Ersatz zur Rückreise sorgt. „Es empfiehlt sich immer, sich vor Reiseantritt zum Beispiel auf den Seiten des auswärtigen Amtes die nächstgelegene Stelle für einen solchen Notfall rauszusuchen und dabei zu haben – das erspart im Ausland zusätzlichen Stress“ sagt Martina Fuchs. Zu finden sind die Informationen im Internet unter www.auswaertiges-amt.de
Die Einführung der Fingerabdruck-Scanner hat für die Stadt Offenbach keine Kosten verursacht. Die Bundesdruckerei hat die Geräte kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch für die Bürgerinnen und Bürger wird der Reisepass ab 1. November nicht teurer. Er kostet für Personen ab 26 Jahre weiterhin 59 Euro (91 Euro, falls er innerhalb von drei bis vier Werktagen fertig sein soll). Pro regulärem Reisepass bleiben dem Bürgerbüro übrigens nur 13,22 Euro, was die Kosten für Personal, Technik und Räumlichkeiten bei weitem nicht deckt. 45,78 Euro erhält jeweils die Bundesdruckerei.
Die Zahl der beantragten Personaldokumente steigt. Das Bürgerbüro rechnet im Durchschnitt mit einem Zuwachs von rund 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den Personalausweisen deuten die Zahlen für das erste Halbjahr 2007 (4275 Personalausweise) auf eine 35-prozentige Steigerung gegenüber 2006 hin (6317 Ausweise insgesamt). Reisepässe wurden in diesem Jahr bereits 2115 ausgestellt (2006: 3634 Reisepässe insgesamt)
Alte Reisepässe behalten übrigens über den 1. November hinaus ihre Gültigkeit für die jeweils angegebene Dauer. Und wer seinen Fingerabdruck noch möglichst lange für sich behalten will, der kann am 31. Oktober noch einen Reisepass nach altem Recht beantragen, der dann für zehn Jahre gilt. Wer in die USA reisen will, der muss allerdings sowieso seine Fingerabdrücke abgeben – egal ob er einen neuen oder einen alten Reisepass hat.
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