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Stadt Offenbach verstärkt mit Bundesmitteln ihre Bildungsoffensive

Offenbach, den 20.06.2009, letzte Bearbeitung: 19.04.2010
Simone Kaucher-Quade

In ihren Bemühungen um optimale Bildungschancen für alle Offenbacherinnen und Offenbacher kann die Stadt jetzt noch einen Zahn zulegen: Als eine von bundesweit 40 Kommunen ist Offenbach in das Bundesprogramm „Lernen vor Ort“ aufgenommen worden. Mit Fördermitteln in Höhe von rund einer Million Euro kann die Stadt nun ihre bisherigen Aktivitäten abrunden und ergänzen, um die Wirksamkeit noch zu steigern. „Menschen haben nur dann gute Lebenschancen, wenn sie gut gebildet sind“, betont Offenbachs Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß. Dabei gehe es nicht allein um die beruflichen Chancen, sondern auch darum, die Herausforderungen des Alltags bestmöglich meistern zu können, ergänzt Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon.

Die Stadt Offenbach strebt an, dass sich 85 Prozent der Bevölkerung am lebenslangen Lernen beteiligen.
Die Stadt Offenbach strebt an, dass sich 85 Prozent der Bevölkerung am lebenslangen Lernen beteiligen.

Das Programm „Lernen vor Ort“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und deutscher Stiftungen. Es zielt darauf ab, lebenslanges Lernen auf der kommunalen Ebene, also im unmittelbaren Lebensumfeld der Menschen, zu ermöglichen. Eine umfassende Palette an Bildungsangeboten für verschiedene Zielgruppen ist dafür ebenso nötig wie qualifizierte Beratung. Zu einem stimmigen Konzept für kommunales Bildungsmanagement gehört außerdem die Vernetzung der Akteure sowie eine genaue Beobachtung, ob alle Bemühungen auch tatsächlich zum Erfolg führen, und wo noch Lücken bestehen.

Bildung ist Thema Nummer eins

Die Stadt Offenbach hat das Thema Bildung längst auf Platz eins der politischen Agenda gesetzt, denn der wirtschaftliche Strukturwandel stellt neue Anforderungen an die berufliche Qualifizierung. Hinzu kommt ein hoher Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund oder in sozialen Problemlagen.

Die beteiligten Ämter, Volkshochschule, Arbeitsförderung und Jugendamt, werten die Aufnahme in das Programm als eine Anerkennung für die bisherigen Anstrengungen auf dem Bildungssektor. In Offenbach arbeitet man seit Jahren daran, das Sprachvermögen der Kinder bereits im Kindergarten zu fördern und ihnen einen guten Schulstart zu ermöglichen. Zahlreiche Angebote versuchen außerdem den Übergang von der Schule zum Beruf zu erleichtern. Beratungs- und Qualifizierungsangebote werden möglichst passgenau auf den jeweiligen Bedarf von Jugendlichen zugeschnitten. Übergangsmanagement sei ein wichtiger Baustein – immer dann, wenn Menschen in eine neue Lebens- und Bildungsphase eintreten, sagt der Leiter des Amtes für Arbeitsförderung, Matthias Schulze-Böing. Und sein Kollege, Jugendamtsleiter Hermann Dorenburg, stimmt zu, denn auch den Übergang vom Kindergarten in die Schule gilt es möglichst bruchlos zu gestalten. Die Stadt Offenbach hat dazu konkrete Vereinbarungen mit dem Staatlichen Schulamt getroffen.

Alles unter einem Dach

Vhs-Leiterin Gabriele Botte betont die Wichtigkeit von Beratungsangeboten. In Offenbach versucht man, mit differenzierten Angeboten verschiedene Interessengruppen gezielt anzusprechen. Neben Weiterbildungsberatung für Menschen, die im Berufsleben stehen, gibt es daher auch allgemeine Bildungsberatung. Beides befindet sich unter einem Dach, nämlich in der Servicestelle Bildung, Berliner Straße 77. „Wir streben an, diese Anlaufstelle zu einer Art Bildungsbüro auszubauen, wo wir alles zum Thema Bildung bündeln“, so Stadtrat Weiß. Auch das Selbstlernzentrum soll konzeptionell verändert und in das Bildungsbüro eingebunden werden.

Über einen Zeitraum von drei Jahren werden neben Personal- und Reisekosten auch Öffentlichkeitsarbeit und Aufträge an Dritte (zum Beispiel für Veranstaltungen oder Bestandsaufnahmen) finanziert. Die Verantwortlichen wollen eine ämterübergreifende Steuerungsgruppe Bildung gründen. Die operative Federführung wird die Leiterin der Vhs, Dr. Gabriele Botte, übernehmen. Beteiligt sind die Leiterinnen und Leiter der relevanten Ämter sowie Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerstiftung Offenbach, die den Prozess unterstützt. Zu einzelnen Themenfeldern sollen Fachgruppen gebildet werden. Bis zu sechs neue Projektmitarbeiter sollen ab September das Bildungsmanagement in Offenbach zusätzlich voranbringen.

Mehr Menschen einbinden

Die Stadt Offenbach verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Langfristig sollen sich 12,5 Prozent der Erwachsenen am Prozess des lebenslangen Lernens beteiligen. 85 Prozent aller Offenbacherinnen und Offenbacher sollen einen Realschulabschluss erreichen.

Und auch das Monitoring soll weiter verbessert werden. Der jährliche Bericht „Erziehung und Bildung in Offenbach (EBO)“ soll ausgebaut werden und in ein übergreifendes Bildungsmonitoring einfließen.

Offenbach will einen Schwerpunkt auf die Aktionsfelder Familienbildung und Elternarbeit sowie Integration und Diversitätsmanagement legen. Geplant ist die verstärkte Ausbildung so genannter Integrationslotsinnen und –lotsen. Und auch die Kooperation von Schule und Jugendhilfe im Bereich der Elternarbeit soll ausgebaut werden. Die öffentliche Darstellung von gelungenen Biografien verschiedener Migrantinnen und Migranten sollen für Interkulturalität, Kreativität und Bildung werben.