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Wer kann und will die Zukunft des Klinikums sichern?

Offenbach, den 16.02.2012

Die Stadt Offenbach will europaweit nach den besten Konzepten für die Zukunft des Offenbacher Klinikums suchen. Der Magistrat hat beschlossen den Markt mit Hilfe eines Konzeptwettbewerbs zu erkunden. Die Stadt folgt damit einer entsprechenden Aufforderung seitens des Regierungspräsidiums Darmstadt. Die kommunale Finanzaufsicht hat der Stadt aufgegeben, über den laufenden Sanierungsprozess hinaus Möglichkeiten der finanziellen Konsolidierung des Klinikums auszuloten. Mit Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung will die Stadt eine Frankfurter Rechtsanwaltsgesellschaft mit der Ausschreibung beauftragen. Das Markterkundungsverfahren soll die Stadt aber nicht zur Annahme eines Angebots verpflichten.

Neubau Klinikum Offenbach Juni 2010

Laut Klinik-Dezernent Michael Beseler geht es darum, alle denkbaren Zukunftsperspektiven für das Klinikum zu eruieren. Er selbst hatte dies bereits im Sommer 2011 unter dem Stichwort „Ideenwettbewerb“ ins Gespräch gebracht. Die Präferenz sei unverändert: „Die Stadt favorisiert eine kommunale Lösung“. Denkbar sei aber auch die vom hessischen Sozialminister Stefan Grüttner verfolgte Variante eines kommunalen Klinikverbundes. Offenbachs Klinikdezernent weiß: „Gerade im Ballungsraum besteht die Gefahr, dass kommunale Träger nach und nach verschwinden.“ Grüttners Variante ziele darauf ab, die Trägervielfalt im Rhein-Main-Gebiet zu erhalten.

Hinsichtlich der Trägerschaft will die Stadt im Konzeptwettbewerb keine Vorgaben machen: Neben einer kommunalen Lösung sollen auch die Chancen und Möglichkeiten einer Privatisierung oder Teilprivatisierung festgestellt werden. „Die Stadt Offenbach am Main ist offen für unterschiedliche Konzepte“, heißt es in der Magistratsvorlage. Als Partner eines Krankenhausverbundes oder einer strategischen Partnerschaft kämen sowohl private als auch öffentliche oder freigemeinnützige Träger in Frage.

An die Wettbewerbsbeiträge stellt die Stadt allerdings vier Bedingungen: Weil es sich beim Offenbacher Klinikum um ein Lehrkrankenhaus handelt, dürfen nur Vorschläge eingereicht werden, die die medizinische Versorgung auf universitärem Niveau gewährleisten. Die Vorschläge sollen dazu dienen, die Zukunft der Klinikum Offenbach GmbH nachhaltig zu sichern. Berechtigte Arbeitnehmerinteressen sollen ebenso gewahrt bleiben wie die Einflussmöglichkeiten der Stadt.

Zwar sei denkbar, dass ein strategischer Partner die Mehrheit und damit auch die unternehmerische Verantwortung für das Klinikum übernehme. Die Stadt behalte sich allerdings das Recht vor, über die Erfüllung des Versorgungsauftrags zu wachen.

Mit Unterstützung der Rechtsanwälte soll der Wettbewerb so gestaltet werden, dass die Stadt nicht gezwungen werden kann, eines der Wettbewerbsangebote auch tatsächlich anzunehmen oder auch nur zu verhandeln. Auch erstattet die Stadt den Wettbewerbsteilnehmern keine Kosten.

Um das Verfahren möglichst offen zu gestalten, soll es vorab keine Trennung des Klinikums in Betriebs- und Besitzgesellschaft geben. So will man prüfen, welche Interessen das Klinikum am Markt weckt. Obwohl die Stadt rechtlich zu einer europaweiten Ausschreibung verpflichtet ist, rechnet Beseler eher mit Interessenten aus der Region. Er geht von einem Abgabeschluss im Spätsommer aus: „Dann wissen wir, wo wir stehen.“

Im Klinikum geht der Sanierungsprozess unterdessen mit unvermindertem Druck weiter. Der Magistrat hat zum 1. März Marion Gereke als neue Verwaltungsdirektorin berufen. Sie verstärkt die Führungstroika mit Geschäftsführerin Franziska Mecke-Bilz an der Spitze und dem ärztlichen Direktor Professor Norbert Rilinger. Die knapp 50-jährige Betriebswirtin verfügt über eine 20-jährige Erfahrung im Krankenhausmanagement und hat bisher das Controlling der Berliner Vivantes-Kliniken geleitet. Seit August 2011 unterstützt sie Franziska Mecke-Bilz in der Geschäftsführung des Offenbacher Klinikums. Zunächst war sie von Berlin aus tätig, wertete die Geschäftsdaten des Offenbacher Klinikums aus und stellte Vergleiche mit den Konzerndaten von Vivantes an. Seit Oktober arbeitete sie zwei Tage pro Woche in Offenbach und wirkte maßgeblich an der Erstellung des Sanierungsplans mit. Nun wird sie ab März Vollzeit in Offenbach tätig sein. Als Gesamtprokuristin für die Klinikum Offenbach GmbH wird sie das Controlling, das Personalmanagement und das Rechnungswesen steuern. Die verheiratete Mutter zweier erwachsener Kinder ist überzeugt, dass das Offenbacher Klinikum von ihren Erfahrungen mit dem kommunalen Erfolgsmodell Vivantes profitieren kann. Die Komplexität des Krankenhauswesens schreckt sie nicht, es fasziniert sie. Und sie ist beeindruckt von der Aufbruchstimmung im Offenbacher Klinikum.

weitere Bilder: Die neue Verwaltungsdirektorin des Offenbacher Klinikums: Marion Gereke
Die neue Verwaltungsdirektorin des Offenbacher Klinikums: Marion Gereke