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Offenbach bekommt ein „Parlament der Visionen“: Marktplatzforum lädt Bürger zur Mitgestaltung des zentralen Platzes ein

Offenbach, den 06.02.2012

Vielleicht ein Garten? Eine Halfpipe? Was wünschen sich Bürger und Passanten und welche Elemente könnten zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität beitragen? Der Umbau des Marktplatzes ist ein integraler Bestandteil des im Mai 2010 verabschiedeten Handlungskonzeptes „Aktive Innenstadt“. Wie bei der Neugestaltung des Stadthofes und der erforderlichen Renovierung des Maindamms, ist den Planern auch beim Umbau des Marktplatzes die Beteiligung der Bürger wichtig.

„Schließlich“, erklärt Oberbürgermeister Horst Schneider bei der Vorstellung des Projektes, „haben wir gute Erfahrungen mit der Beteiligung unserer Bürger gemacht. Zudem hat diese neue Diskussionskultur den geplanten Projekten wirklich gut getan.“ Mitsprache, eine bessere Identifikation und ein Perspektivenwechsel: das geplante Marktplatzforum soll Planern und Architekten wichtige Hinweise für ihre Gestaltungsideen liefern, um der Bedeutung des Platzes als „Haupteingangstor“ zur Innenstadt gerecht werden zu können. In den 50er Jahren im Sinne des Leitbildes der autogerechten Stadt umgebaut, wird der bis 1903 für den Wochenmarkt genutzte Platz gegenwärtig nur noch als Verkehrsschneise und Busterminal wahrgenommen.

Daher sollen im ersten Schritt Menschen, die den Platz als Umsteige- und Durchgangsstation für den Platz mit Stadtführungen, einer Ausstellung und öffentlichen Workshops für den Stadtraum Marktplatz sensibilisiert werden. Diese partizipative Bestandsaufnahme soll Ideen und Themen sowie deren mögliche Bearbeitungsreihenfolge hervorbringen. „Mit dem `Marktplatzforum´ wollen wir versuchen“, erläutern Ragna Körby und Tobias Kurtz, beide Dipl. Ing. der Stadtplanung von der TU Berlin, deren Projektidee vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Rahmen des bundesweiten Ideenwettbewerbs „Tatort Stadt“ zur Umsetzung ausgewählt wurde, „den Abstand zwischen Laien und Experten zu verringern, daher sollen Menschen, Bürger und Passanten beiläufig und auch sehr gezielt angesprochen werden.“ Beide haben unter anderem mit Jugendbeteiligungsprojekten in Berlin bereits Erfahrungen gesammelt, wie sich Kinder und Jugendliche die Stadt „aneignen“ können. Daher soll das `Marktplatzforum´ als „Parlament der Visionen“ von Mitte März bis Ende Juni über die informative Ansprache hinaus, Menschen und Nutzer des Platzes mit ihren eigenen Erfahrungen und Ideen einbinden. Sie sei, so Körby, überzeugt, dass es Menschen gibt, die sich insgeheim bereits Gedanken über den Platz gemacht haben. Mit „fremdgeführten Stadtführungen“ wird diesen Ideen nun Raum gegeben, dann können Nutzer des Platzes erklären, warum sie den Marktplatz besuchen, ob und welche Aufenthaltsqualitäten er besitzt und natürlich auch, was sie sich für die Fläche zwischen Berliner Straße, Geleitsstraße und der Bieberer Straße bis zum Wilhelmsplatz wünschen.
Alle Ideen werden gesammelt und bei einem großen Ideenbasar öffentlich präsentiert. Die Nutzungsszenarien, die sich mit überschaubarem Aufwand umsetzen lassen, möchten die beiden Stadtplaner dann temporär testen. Also eben beispielsweise für ein paar Tage die Half-Pipe, denn „grundsätzlich soll alles möglich sein“, meint Tobias Kurtz.
Nach der Ideensammlung und Testphase einiger Projekte werden alle Erfahrungen zusammengetragen und ausgewertet und fließen direkt in den anschließenden städtebaulichen Wettbewerb ein.

Das „Parlament der Visionen“ und die fremdgeführten Touren, die eine wechselseitigen Perspektivwechsel nicht nur erlauben, sondern unbedingt fördern, hätten gefallen, berichtet Mustafa Tazeoglu von der Agentur „Urban Rhizome – für Stadt/Kultur/Ökonomie“ aus Duisburg, der zur Jury des Ideenwettbewerbs „Tatort Stadt“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVS) gehörte und die Umsetzung in Offenbach jetzt als „Pate“ begleitet. Unter dem Titel "mitMACHEN – Neue Wege zur Beteiligung der Öffentlichkeit“ wurden neue Ideen und Konzepte für die Beteiligung der Öffentlichkeit bei raumbedeutsamen Verfahren gesucht. Neben Offenbach zählen Fellbach in Baden-Württemberg, Weißwasser in Sachsen und Wolfsburg in Niedersachsen zu den ausgewählten „Tatorten“ in denen die Gewinner der vier halbjährigen Stipendien in Höhe von je 12.500 Euro ihre Konzepte „vor Ort“ umsetzen.

Die beiden Stipendiaten in Offenbach Ragna Körby und Tobias Kurtz arbeiten eng mit Astrid Tschann vom Amt für Stadtplanung und Baumanagement zusammen, die für Koordinierung des Projektes verantwortlich ist. Rund 3.670.000 EURO stehen zur Verbesserung der Gestaltungsqualität und Funktion des Marktplatzes zur Verfügung, einzier Wehmutstropfen sei, so Tschann, „dass die Fläche zwischen City Center und S-Bahn-Station zwar mitdiskutiert, aber finanziell nicht berücksichtigt werden kann.“ Aber sie sei schon jetzt sehr gespannt, „welche Ideen und Wünsche die zahlreichen geplanten Aktionen am Marktplatz bei den unterschiedlichen Nutzergruppen zu Tage fördern“.

Alle Offenbacherinnen und Offenbacher sind eingeladen sich zu beteiligen! Interessensbekundungen werden ab sofort entgegengenommen, per Email marktplatz@offenbach.de und persönlich im Baubüro im Stadthaus, Berliner Straße 60 (Mo-Fr 8.30 bis 12.00 Uhr und Do von 14.00 bis 16.00 Uhr.

weitere Bilder: Die beiden Neu-Offenbacher Tobias Kutz und Ragna Körby
Die beiden Neu-Offenbacher Tobias Kutz und Ragna Körby
v.l.n.r.: Mustafa Tazeoglu von der Agentur Urban Rhizome, Tobias Kurtz und Ragna Körby, Dipl. Ing. für Stadtplanung und "Tatort Stadt"-Stipendiaten, Astrid Tschann, Projektleiterin, und Susanne Schöllkopf, Leiterin des Amts für Stadtplanung und Baumanagement
v.l.n.r.: Mustafa Tazeoglu von der Agentur Urban Rhizome, Tobias Kurtz und Ragna Körby, Dipl. Ing. für Stadtplanung und "Tatort Stadt"-Stipendiaten, Astrid Tschann, Projektleiterin, und Susanne Schöllkopf, Leiterin des Amts für Stadtplanung und Baumanagement
Mehr Aufenthaltsqualität, bessere Wegeleitung, weniger Autos, mehr Fußgänger - wie soll der Marktplatz nach den Vorstellungen der Bürger einmal aussehen?
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