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Basis für Klimaschutzprogramm steht: Offenbach legt Energiebilanz vor

Offenbach, den 06.08.2009, letzte Bearbeitung: 07.08.2009

Die Stadt Offenbach hat erstmals eine Energie- und CO2-Bilanz vorgelegt. Dieser Zwischenbericht, der im Rahmen von Offenbachs Mitgliedschaft im hessischen Klimabündnis erstellt wurde, zeigt die gesamtstädtischen energiebezogenen Kohlendioxid-Emissionen der Jahre 2005 und 2006. Ein umfangreicher Maßnahmenkatalog legt dar, wie sich die ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen lassen. Bis 2030 sollen die jährlichen CO2-Emissionen in Offenbach um 41 Prozent reduziert werden – und jeder Einzelne kann seinen Beitrag dazu leisten.

Eine von vielen Maßnahmen zur Verbesserung der Energiebilanz in Offenbach: die Installation von Solaranlagen auf städtischen Dächern.
Eine von vielen Maßnahmen zur Verbesserung der Energiebilanz in Offenbach: die Installation von Solaranlagen auf städtischen Dächern.

Konkret sollen die im Bericht ausgewiesenen Emissionen von jährlich 1,26 Mio. Tonnen Kohlendioxid auf 740.000 Tonnen gesenkt werden. Damit würde Offenbach bis 2030 die Selbstverpflichtung als Klimabündnismitglied erfüllen. „Wir nehmen diese Ziele ernst und werden jetzt ohne Unterlass an deren Umsetzung arbeiten“, betonte Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Birgit Simon.

Die Bilanzierung der Energieverbräuche in Offenbach ist ein wichtiger Schritt hin zu einem städtischen Klimaschutzprogramm. Die Stadtverordnetenversammlung hatte den Magistrat 2006 beauftragt, ein solches Programm zur messbaren Reduzierung der CO2-Emissionen zu entwickeln. „Dabei galt es zunächst zu ermitteln, auf welchem Ausgangsniveau wir uns befinden“, sagte Simon. Zudem helfe der Bericht, das Maßnahmenpaket zum Klimaschutz möglichst spezifisch auf die Struktur der Stadt abzustimmen.

Mit der Erstellung der Bilanz beauftragt war das Amt für Umwelt, Energie und Mobilität. „Als Testkommune des Klima-Bündnisses bei der Erprobung eines neuen Bilanzierungstools waren wir bundesweit die erste Kommune, die eine Bilanz nach der Klima-Bündnis-Methodik erstellt hat“, sagt Amtsleiterin Heike Hollerbach. „Unsere Fachreferentinnen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Verfahren jetzt serienreif ist.“


Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Die Gesamtmenge des Energieverbrauchs in Offenbach 2005 und 2006 stimmt nahezu mit dem statistischen Erwartungswert – abgeleitet aus bundesdeutschen Durchschnittswerten – überein.
  • Die Berechnung der Emissionsfaktoren für in Offenbach erzeugte Fernwärme und Strom zeigt deutlich höhere Werte als der nationale Durchschnitt.
  • Die CO2-Emissionen aller Sektoren lagen 2005 mit offenbach-spezifischen Emissionsfaktoren bei 10,6 Tonnen pro Einwohner. In der Summe bedeutet dies ca. 1,26 Mio. t CO2.
  • Am stärksten genutzt wird in Offenbach der Energieträger Erdgas, gefolgt von Strom, Fernwärme und Heizöl.
  • Den größten Anteil am Gasverbrauch haben die Sektoren Industrie und Haushalte, während der Sektor Gewerbe den Großteil Fernwärme verbraucht.
  • Sektor Verkehr:

    • Mehr als 60 % der CO2- Emissionen des Verkehrssektors entfallen auf den PKW-Verkehr, gefolgt von Nutzfahrzeugen und dem Flugverkehr.
    • Die Fahrleistung des motorisierten Individualverkehrs liegt in Offenbach (470 Autos pro 1000 Einwohner) unter dem nationalen Schnitt (670 Autos pro 1000 Einwohner), während der öffentliche Nahverkehr eine überdurchschnittliche Leistung erbringt, was typisch für Großstädte ist.


    Gebäudebilanz:

    Die größten Energieverbraucher unter den vom Stadtkonzern genutzten Liegenschaften sind Schulgebäude (26 Mio. kWh/Jahr 2005) und das Klinikum Offenbach (ca. 35 Mio. kWh/Jahr)
  • Einzelne Objekte mit hohen Energiekennwerten zeigen einen energetisch schlechten Zustand an, zum Beispiel nicht isolierte Werkstatthallen, sanierungsbedürftige Kindertagesstätten und Sportanlagen.
  • Das Rathaus ist der größte einzelne CO2-Emittent unter den kommunalen Verwaltungsgebäuden Offenbachs; es liegt aber noch im Schnitt anderer Rathäuser in Deutschland.

  • CO2-Emissionen pro Einwohner:

    • Die höchsten CO2-Emissionen pro Kopf werden im Sektor Haushalt produziert (27%), gefolgt von den Sektoren Industrie (26%), Gewerbe (23%) und Verkehr (20%).

    Dieser Punkt zeigt, dass jeder Einzelne in seinem Haushalt zum Energiesparen und damit zur Senkung der Emissionen beitragen kann – etwa durch Verzicht auf die Standby-Funktion oder durch richtiges Heizen“, verdeutlichte Umweltdezernentin Simon. Nicht nur hier sei mehr Bildungspolitik im Klimaschutz notwendig.

    Zum Handeln fordern auch die hohen Offenbach-spezifischen Emissionsfaktoren für Strom und Fernwärme auf; hier schlagen das Kohle- und das Müllheizkraftwerk der EVO zu Buche. „Der Energiemix lässt sich beispielsweise durch Holzpellets positiv steuern“, betonte Hollerbach; eine entsprechende Anlage des örtlichen Energieversorgers ist bereits im Aufbau.

    Die Anlage ist ein Beispiel für Sofortmaßnahmen zum Klimaschutz, die die Energiebilanz detailliert auflistet. Unterschieden wird zwischen Maßnahmen in der Umsetzung – etwa energetische Schulsanierungen, Solaranlagen auf städtischen Dächern oder Verkehrsmittel wie Nextbike und Kleinbusse – und Maßnahmen in der Planung, wie Kita-Sanierungen und die Erprobung von Elektrobussen. Empfohlene Maßnahmen ergänzen den Katalog, z.B. der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung in Offenbach oder Car-Sharing im Stadtkonzern.

    „Nachdem das Bundesumweltministerium Fördergelder aus der Klimaschutzinitiative bewilligt hat, erarbeiten wir nun – gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Gewerbe, Bürgerschaft etc. – innerhalb eines Jahres ein `Integriertes Klimaschutzkonzept´ mit mittel- bis langfristigen Maßnahmen zur Reduzierung von CO2-Emissionen“, kündigte Birgit Simon an. „Klimaschutz ist Netzwerkarbeit“ ergänzte Heike Hollerbach. „Und unsere Akteure vor Ort sind die wichtigste Energie, die wir nutzen können.“