Stadt Offenbach legt Integriertes Konzept zum Schutz des Klimas vor
Offenbach, den 20.07.2010Auch in Offenbach stöhnen die Menschen unter der extremen Hitze. „Doch vom Klima reden alleine nützt nichts“, stellt Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Birgit Simon klar. „Jeder ist gefordert, den Klimaschutz aktiv anzugehen“. Die Stadt Offenbach hat nun ein Integriertes Klimaschutzkonzept vorgelegt, das auf einen Stadtverordnetenbeschluss von 2006 zurückgeht. Es identifiziert für die Kommune sechs Handlungsfelder und ermittelt ein realistisches Einsparpotenzial von 170.000 Tonnen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) pro Jahr bis 2020. Der 184 Seiten starke Leitfaden schlägt insgesamt 66 Einzelmaßnahmen vor. Mehr als 120 Personen und Institutionen haben laut Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Mobilität, an der Erstellung mitgewirkt.
Wenn der Klimawandel weiter fortschreitet, werden heiße Sommer wie dieser in Zukunft eher die Regel als die Ausnahme sein. Mit dem Anstieg der Durchschnittstemperatur in Offenbach um 3,5 Grad Celsius sei auch verbunden, dass bis 2100 das Quecksilber an zusätzlich 24 bis 42 Tagen im Jahr über die 25-Grad-Marke klettern werde, sagt Sabine Swoboda, Fachreferentin im Offenbacher Umweltamt und eine der drei Verfasserinnen des Integrierten Klimaschutzkonzepts. Experten sagen auch zehn Prozent mehr Niederschlag voraus, der sich allerdings in den Wintermonaten konzentriert, da es im Sommer weniger regnen wird.
Insgesamt haben die Fachleute für Offenbach ein Einsparpotenzial von 489.000 Tonnen CO2 pro Jahr ermittelt – vorausgesetzt, dass alle mitmachen. In den privaten Haushalten könnte der CO2-Ausstoß bis 2020 um 25 Prozent sinken, die Kommune könnte den Ausstoß um 23 Prozent zurückfahren, die Industrie um 19 Prozent. Die größten Einsparpotenziale bestehen beim Energieträger Strom (Minus 27 Prozent) und beim Verkehr (Minus 28 Prozent).
Die vorgeschlagenen 66 Maßnahmen umfassen ein Investitionsvolumen von 15 Millionen Euro. Ein Pilotprojekt will die Stadt im Herbst in Tempelsee starten. Dort wird es Haus-zu-Haus-Beratung geben. Wegen der homogenen Siedlungsstrukturen mit Einfamilienhäusern eignet sich Tempelsee dafür besonders gut. Auf Kosten der Stadt wird im Vorfeld der gesamte Stadtteil thermografiert. Die Ergebnisse sollen die Grundlage für weiterführende Gespräche mit den Hauseigentümern sein. Weiterführende Energieberatung soll auch in Form von Nachbarschaftsveranstaltungen im Stil von „Tupper-Partys“ stattfinden.
Um den Energieverbrauch mittelfristig zu senken, will die Stadt auch den Sanierungsbedarf an städtischen Gebäuden ermitteln. Dazu zählen unter anderem Sportanlagen, Altentagesstätten oder Jugendzentren. Eine Prioritätenliste soll unter anderem auch danach erstellt werden, an welchem Gebäude eine Sanierung für die Bevölkerung die höchste Vorbildwirkung hätte. Prüfen will die Stadt außerdem, inwieweit in kommunalen Gebäuden erneuerbare Energien zum Einsatz kommen können. Auch will die Stadt für kommunale Liegenschaften hochwertigen Ökostrom beziehen. Hochwertig heißt, es soll sich um Strom aus neuen und zusätzlichen erneuerbaren Energieanlagen handeln.
Die Stadt Offenbach setzt sich auch dafür ein, dass in der lokalen Energieproduktion der Anteil der erneuerbaren Energien steigt, vor allem durch Industriepellets in der Fernwärmeversorgung. Schon heute produziert die Energieversorgung Offenbach (EVO) AG selbst Holzpellets auf dem ehemaligen Firmengelände von Alessa. Die aktuell im Heizkraftwerk der EVO als Rohstoff verwendete Steinkohle könne um bis zu 30 Prozent durch lokal erzeugte Industriepellets ersetzt werden, so die Einschätzung der Gutachter.
Zur Minderung der Kfz-Emissionen will die Stadt durch den Einsatz des neuen Verkehrsrechners beitragen. Er soll dafür sorgen, dass der Verkehr weniger ins Stocken gerät.
An Kitas und Schulen plant die Stadt ein verstärktes Mobilitätsmanagement. Es zielt zum einen darauf ab, dass weniger Kinder mit dem Auto gebracht und abgeholt werden. „Es gehört zur Umweltbildung, mit den Kindern einzuüben, wie sie ihren Schulweg zu Fuß zurücklegen können“, sagt Bürgermeisterin Simon. Schulungen für Eltern und moderne Mobilitätsbildung im Unterricht sind vorgesehen.
Zentraler Bestandteil des Klimaschutzprogramms ist die Ausweitung des lokalen Klimaschutzmanagements. Die Klimaschutzstelle vor Ort kann auf bestehende Cluster
zurückgreifen, um ihre eigenen Aktivitäten voran zu bringen bzw. Informationen zu verbreiten. Sie kann zudem zentrales Moment sein, die Bildung solcher Cluster zu initiieren. Bei ihr laufen die Informationen über die Aktivitäten der unterschiedlichen Ebenen zusammen, so dass Synergien noch stärker genutzt werden können.
„Wir wollen ein positives Klima für Klimaschutz schaffen“, fasst Hannah Eberhardt vom Umweltamt die geplanten Aktivitäten in der Öffentlichkeitsarbeit zusammen. Der Stadtkonzern soll in die stadtweite Kampagne ebenso eingebunden sein wie weitere Multiplikatoren. Und für einen hohen Wiedererkennungswert aller Aktivitäten zum Schutz des Klimas soll ein Maskottchen mit beitragen. Noch ist die Entscheidung nicht abschließend gefallen, aber die Wahl könnte auf einen Pinguin fallen. Denn wie jedes Kind weiß, gehören Pinguine zu den Tierarten, die vom Klimawandel am stärksten bedroht sind.
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
Artikel drucken
Als PDF anzeigen