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Bürgermeisterin Birgit Simon vernetzt Akteure für Kinderschutz

Offenbach, den 25.07.2008

Kinder sind vor Vernachlässigung oder körperlicher Gewalt dann am wirkungsvollsten zu schützen, wenn alle beteiligten Akteure an einem Strang ziehen. Doch da die einzelnen Institutionen oft wenig voneinander wissen, hat Bürgermeisterin Birgit Simon einen Runden Tisch zum Kinderschutz eingerichtet, an dem Fachleute und Praktiker gemeinsam nach Verbesserungen des Kinderschutzes in Offenbach suchen.

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„Mein Ziel war es, in einem hochkarätigen Gremium Vertreterinnen und Vertretern aller Professionen, die aus den unterschiedlichsten Anlässen mit der Problematik konfrontiert werden können, an einen Tisch zu holen. Gemeinsam überlegen wir, wie in den unterschiedlichsten Situationen, in denen sich etwa Hinweise auf Vernachlässigung eines Kindes ergeben können, Reaktionsfähigkeit und Anlaufen des Hilfesystems gewährleistet ist – und gleichzeitig schaffen wir ein festes Beziehungssystem aller Akteure“ erläutert die Bürgermeisterin ihr Anliegen.

 

Entsprechend breit gefächert ist der Teilnehmerkreis der regelmäßigen Arbeitstreffen: am Runden Tisch nehmen Vertreter und Vertreterinnen von Rettungsdiensten ebenso teil wie Mitglieder des deutschen Kinderschutzbundes; Hebammen sitzen mit Polizei, Suchthilfezentrum und den Leitern von Kinderklinik und Gynäkologie an den Offenbacher Krankenhäusern an einem Tisch. Mitarbeiter der städtischen Fachämter bringen ihr Know-how ebenso ein wie Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen, freien Träger und die Frauenbeauftragte.

Vor allem drehen sich die Gespräche im Rathaus um die zentrale Frage, auf welchen Wegen sich besonders belastete Familien überhaupt zielsicher erreichen lassen. „Eine besondere Herausforderung“ besteht laut Simon darin, „vor allem die Kinder zwischen Null und drei Jahren zu schützen, denn sie tauchen noch in keiner Institution auf.

Drei mal hat die feste Gruppe inzwischen im Rathaus getagt – und kann erste Ergebnisse vorweisen.

 

„Vor allem haben wir verabredet, die Zusammenarbeit zwischen den Fachämtern der Verwaltung mit den unterschiedlichen Institutionen und Berufsgruppen zu erleichtern. Hierzu sollen vor allem kurze Wege, klare Ansprechpartner auf allen Seiten und die enge Kommunikation auch schon im frühen Verdachtsfall beitragen“ erläutert Simon. Denn je eher ein konkreter Unterstützungsbedarf erkannt wird, umso wirkungsvoller kann durch das vorhandene niederschwellige und breitgefächerte Hilfesystem reagiert werden. So finden bereits mit den Rettungsdiensten Informationsveranstaltungen zur Erreichbarkeit und eventuellen Einschaltungsnotwendigkeit des Jugendamtes bei erkannter oder vermuteter Kindeswohlgefährdung statt.

 

Eine besondere Rolle in der Prävention soll Simon zufolge zukünftig der Zusammenarbeit zwischen der Stadt und Hebammen zukommen, die im Rahmen ihrer regulären Tätigkeit in der Regel sehr schnell eine Vertrauensbasis zu Hilfe benötigenden Schwangeren oder jungen Müttern aufbauen können. Außerdem sind sie für Fragen und Probleme in den ersten Lebenswochen oft die wichtigsten Ansprechpartnerinnen. Sie können daher auch wirkungsvoll – und in Kooperation mit dem Jugendamt - die ersten Kontakte für die weitere Vermittlung von psychosozialen und materiellen Hilfen herstellen. Eine entsprechende Zusammenarbeit ist mit den Hebammen am Runden Tisch bereits verabredet. „Sofern Hebammen in diesem Zusammenhang zukünftig unterstützende Leistungen in Familien erbringen, die über ihre Gebührenordnung nicht abgedeckt sind, muss hierfür eine Kompensation aus den städtischen Mitteln für die Hilfen zur Erziehung erfolgen“ sagt Simon. Eine entsprechende Regelung zur Finanzierung dieser Leistung hat der Magistrat auf Initiative der Bürgermeisterin bereits beschlossen.

 

Auch das Informationsangebot über die Möglichkeiten einer frühen Hilfe und Beratung wird durch die begonnene Vernetzung erweitert. Zukünftig etwa sollen in Kooperation von Jugendamt und Frauenklinik werdende Eltern bereits bei den Vorstellungsrunden der Frauenklinik über die bestehende Babysprechstunde beim Jugendamt informiert werden. Die Babysprechstunde selbst hat ihr Beratungsangebot so konzipiert, dass Eltern jederzeit kurzfristig einen Beratungstermin erhalten. „Wer hier Hilfe sucht, wird nicht durch lange Wartezeiten abgeschreckt, sondern erhält vielmehr auch kurz entschlossen Unterstützung“, sagt Simon. Für minderjährige Mütter greift zudem ab 1. September das Projekt Goldmarie, welches wirkungsvolle Unterstützung für Teenagermütter und ihre Kinder bietet.

 

Seitens des Jugendamtes wird betont, dass sich neben Institutionen und externen Fachleuten wie Frauen- oder Kinderärzten jederzeit auch Bürgerinnen und Bürger in konkreten Kinderschutzfragen beim Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) beraten lassen können, ob und gegebenenfalls auf welche Weise eine Intervention angezeigt ist. „Auf Wunsch erfolgt diese Beratung auch anonym, denn im Vordergrund steht für uns die Chance, so früh wie möglich Informationen über mögliche Kindswohlgefährdung zu erhalten. Nur so können wir rechtzeitig helfen oder anderweitig eingreifen“, betont Jugendamtsleiter Hermann Dorenburg.

 

Das weitere Arbeitsprogramm der Akteure am Runden Tisch ist noch lange nicht erschöpft, dies zeigt ein Blick auf die Themen der nächsten Treffen; so sollen unter anderem Vorteile und Effizienz des Modells der Stadt Dormagen, Hausbesuche bei allen Familien mit Neugeborenen durchzuführen, gemeinsam diskutiert sowie positive Effekte einer „Elternschule“ besprochen werden. Auch mit der speziellen Kinderschutzproblematik im Zusammenhang mit Suchtproblematik der Eltern wird sich der Kreis noch beschäftigen.