Sozialbericht 2008: Weniger Hartz IV-Empfänger, jedes 3. Kind betroffen
Offenbach, den 05.10.2009, letzte Bearbeitung: 14.10.2009Die Zahl der Hartz IV-Empfänger in Offenbach ist im vergangenen Jahr weiter gesunken. Das geht aus dem Sozialbericht 2008 vor, den Bürgermeisterin Birgit Simon jetzt vorgestellt hat. Die Stadt verzeichnet aber weiter ein hohes Niveau an SGB II-Beziehern. Vor allem für die jüngsten Einwohner ist die Lage ernst: Jedes dritte Kind in Offenbach erhält Leistungen nach Hartz IV.
Im Dezember 2008 wurden im Bereich SGB II fast 18.800 Leistungsempfänger in knapp 8.590 Bedarfsgemeinschaften gezählt. Gegenüber 2007 bedeutete dies für Offenbach einen Rückgang um 3 beziehungsweise 3,7 Prozent. Im Vergleich zu 2006 reduzierten sich die Zahlen um 5,9 bzw. 8,5 Prozent. „Insofern war 2008 für uns ein eher entspanntes Jahr“, sagte Sozialdezernentin Simon. Die Zahl der arbeitslosen Hartz IV-Empfänger sank gegenüber 2007 sogar um 16 Prozent auf 4.384 Personen.
Damit gingen auch die Ausgaben für die Leistungen zurück: Sie beliefen sich 2008 auf knapp 89 Millionen Euro (2007: 99 Mio. €). Von den größten Ausgabeposten trägt die Kommune die Beiträge für Unterkunft und Heizung (37,7 Mio.), der Bund übernimmt das Arbeitslosengeld II (34 Mio.)
Die jüngsten Bewohner Offenbachs profitieren von dieser Entwicklung nicht: 34,4 Prozent der Kinder waren 2008 auf Leistungen nach Hartz IV angewiesen; das ist ein marginaler Rückgang um 0,4 Prozentpunkte und hessenweit der höchste Wert. „Für die Kinder reicht der geltende Hartz IV-Regelsatz nicht aus“, betonte Bürgermeisterin Simon.
Diesen Kindern zu helfen, habe bei der Armutsbekämpfung vor Ort oberste Priorität, so die Sozialdezernentin. Daher baue die Stadt ihre qualifizierten Betreuungsangebote aus, etwa mit der neuen Kindertagesstätte „Potzblitz“ und ihren besonders flexiblen Zeiten. Die Übernahme von Kitagebühren, Hausaufgabenhilfen und der Familienservice der MainArbeit für Alleinerziehende gehören ebenfalls zum Angebot. „Armut ist ein sehr vielfältiges Phänomen, gegen das wir aktiv und initiativ vorgehen“, sagte Dr. Matthias Schulze-Boeing, Geschäftsführer der Mainarbeit GmbH. Hauptanliegen bleibe es, die Menschen zurück in den Arbeitsmarkt zu führen - allein dafür investiere Offenbach pro Jahr etwa 20 Millionen Euro.
Der Sozialbericht widmet sich auch der „Sozialhilfe in Form von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Hilfe zum Lebensunterhalt und in besonderen Lebenslagen“, kurz SGB XII. Hier stieg die Zahl der Leistungsempfänger um 8,8 Prozent auf 2.778 und die der Bedarfsgemeinschaften um 8,7 Prozent auf 2.506. „Bei immer mehr Leuten reicht die Rente nicht zum Leben aus“, erläuterte Sozialamts-Leiter Hans-Günter Neidel den Anstieg. Zudem gebe es mehr „Erwerbsunfähigkeiten auf Zeit“ und aufgrund der demographischen Entwicklung auch mehr Pflegefälle. Da die Hilfen jeweils individuell berechnet werden, sanken jedoch die Pro-Kopf-Ausgaben im SGB XII gegenüber 2007 von 386 auf 329 Euro.
Der komplette Sozialbericht 2008 befindet sich als Download am Fuße dieser Seite. Die Grafik zeigt den Anteil der Personen, die Leistungen nach SGB II erhalten, unterteilt nach Statistischen Bezirken. Sie verdeutlicht unter anderem, dass sich die Hartz IV-Bezieher im Bereich der Innenstadt konzentrieren.
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