Verleihung des Integrationspreises 2010
Offenbach, den 23.04.2010"Ich bin davon überzeugt, dass wir die Integrationsmaschine Offenbach noch leistungsstärker und effektiver machen können. Dazu haben wir uns verpflichtet."

Begrüßung Bürgermeisterin Birgit Simon zur Verleihung des Integrationspreises 2010 der Stadt Offenbach am Main am 22.04.2010 im Saal des Deutschen Ledermuseums, Offenbach
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich heiße Sie im Ledermuseum herzlich willkommen. Ein passender Veranstaltungs-ort, denn auch die hier versammelten Exponate vermitteln uns einen umfassenden Einblick in die unterschiedlichen Kulturen dieser Erde.
Zum 12. Mal vergeben wir in diesem Jahr den Integrationspreis der Stadt Offenbach. Wir verleihen ihn jährlich für herausragendes Engagement im Bereich der Integration von ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in unserer Stadt.
In diesem Jahr würdigt die Stadt aber zum ersten Mal einen Verein, der 1975 und damit vor 35 Jahren von Zuwanderern selbst gegründet wurde. Sie kamen in den 60er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland und haben inzwischen über Genera-tionen in Offenbach ihre Heimat gefunden.
Selbst bei unserer nunmehr zwölften Preisverleihung musste die Jury zur Ermittlung des Preisträgers wie in jedem Jahr über einige preiswürdige Vorschläge intensiv be-raten. Für mich ein eindeutiger Beweis für ein wirklich nachhaltiges und damit erfolg-reiches Interesse für Integration und damit Partizipation aller in unserer Stadt.
Es ist gleichsam Zeugnis der ernsthaften und lebendigen Engagements vieler Einzelner im Ringen darum, die Vielfalt der Kulturen unter dem Dach unserer Stadt zu-sammenzubringen. Darunter verstehen wir Chancengleichheit, Teilhabe und Einbin-dung in die Stadtgesellschaft, damit sie sich für uns alles gut weiterentwickeln kann.
In diesem Jahr hatte die Jury über fünf Vorschläge - von kirchlicher Arbeit über Stadt-teilengagement bis zu Sport - zu befinden. Alle haben auf Ihre Weise Integration in Offenbach befördert – und zum Glück muss sich die Jury nie gegen einzelne Bewer-ber entscheiden, sondern zum Abschluss der Beratungen lediglich für einen ganz bestimmten.
Sie hat sich für die griechische Gemeinde in Offenbach entschieden. Dieser Verein ist ein gutes Beispiel dafür, in welcher Weise Integrationsleistungen von aktiven Kul-turvereinen in unserer Stadt erbracht werden. Mit dieser Preisverleihung wollen wir diese langwährenden und dauerhaften Leistungen anerkennen und würdigen.
Herzlichen Glückwunsch an alle Mitglieder der griechischen Gemeinde und ganz be-sonders an den Vorstand mit ihrem Vorsitzenden Christos Michailidis.
Als wir im letzten Jahr zur Verleihung des Integrationspreises der Stadt Offenbach am Main zusammengekommen sind, sprach ich von der Hoffnung, dass die Ankün-digung des Landes für ein Projekt „Modellregion Integration“ endlich entscheidungs-reif wird. Denn wir hatten uns darum beworben!
Heute spreche ich von einem Arbeitsauftrag. Denn die Stadt Offenbach hat zwi-schenzeitlich – wie Sie der Presse sicherlich bereits entnommen haben - den Zu-schlag erhalten. Das ist Anerkennung unserer gemeinsamen Anstrengungen und Erfolge. Und das ist auch eine Verpflichtung zu innovativer Weiterentwicklung des Erreichten.
Aber was hat das alles mit der heutigen Veranstaltung und dem Preisträger zu tun? Ich meine: sehr viel!
Bei unserer Auftaktveranstaltung zur Modellregion Integration, bei dem Sie, Herr Michailidis, ja auch anwesend waren, hat uns die Vertreterin des Landesministeriums dargelegt, dass die Auswahl zur Modellregion auch eine Auszeichnung für die bisherige gute und beispielhafte Integrationsarbeit in der Stadt Offenbach sei. Und hier darf sich auch die Griechische Gemeinde – wie ich meine – zu Recht mit angespro-chen fühlen.
Und nicht nur, weil Sie die drittgrößte nichtdeutsche Population in Offenbach reprä-sentieren. Immerhin leben rund 3.400 Griechinnen und Griechen in Offenbach. Sondern vielmehr aufgrund der Tatsache, dass die zahlreichen Aktivitäten des Vereines immer unter der einen Überschrift stattfinden:
Integration praktisch betreiben; das heißt, sich mit den griechischen Wurzel und ihren Traditionen zu identifizieren - aber in dem Bewusstsein, dass die Gegenwart und die Zukunft der meisten Familien hier ist und hier bleiben wird.
Besonders für Kinder und Jugendliche ist die Frage: wo ist eigentlich meine Heimat? Ein von Erwachsenen viel zu wenig beachtetes Thema. Zu oft fühlen sich Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund unbeheimatet; fühlen sich auch in der dritten Generation weder richtig hier noch richtig dort zugehörig. Das ist eine dramatische Situation für Heranwachsende, die sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung belastet und ihre Chancen auf Schulerfolg beeinträchtigt. Aus dem emotionalen „weder-hier-noch-dort“ muss für sie mindestens ein gefühltes hier und dort werden.
Und deshalb sorgen Sie dafür, dass sich die Mitglieder der griechischen Gemeinde hier auskennen, verstehen und teilnehmen. Die intensive Jugendarbeit setzt darauf, die Jugendlichen zu ermutigen, die vielfältigen Chancen zu nutzen und konkret auf-zuzeigen, wie das geht. Sie holen sich bei uns Unterstützung für ihre Vorhaben und nehmen unsere Angebote gerne an.
Was ich meine? Beispielsweise die vielen Veranstaltungen der Griechischen Ge-meinde, wenn es um konkrete Beratungs- und Unterstützungsangebote geht: bei der Lehrstellensuche, bei den Themen Arbeitsrecht, Schwerbehinderte am Arbeitsplatz, Hausaufgabenhilfe, Gesundheitsvorsorge, Einblicke in das Deutsche Schulsystem, Suchtproblematik, Unterstützung bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen und der Arbeitssuche.
Daneben kommen Spaß und Sport in der Gemeinschaft nicht zu kurz: Und wer bei der Kleinen Olympiade im Jahr 2004 nicht teilnehmen wollte, kann uns immer noch mit der Vorführung Griechischer Tänze verzaubern oder mit einer Theateraufführung begeistern – natürlich im Rahmen der Interkulturellen Wochen, wie in diesem Jahr.
Doch nicht nur während der Interkulturellen Wochen ist die Griechische Gemeinde ein fester und tragender Knoten in Offenbachs Interkulturellem Netz. Der Vorsitzende der Griechischen Gemeinde, Christos Michailidis, ist auch von Anbeginn an Mitglied im "Kompetenzteam Zusammenleben".
Dieses Gremium haben wir – der Vorsitzende des Ausländerbeirates Abdelkader Rafoud und ich - im Jahr 2007 geschaffen.
Hier sitzen Fachleute aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen mit Vertreterinnen und Vertretern der Kulturvereine und Moscheegemeinden regelmäßig an einem Tisch.
Wir arbeiten intensiv an einer gemeinsam erarbeiteten Agenda rund um die Belange Integration und Migration.
Wir verschaffen uns gegenseitig vertiefte und auch neue Einblicke in Problemlagen und treffen konkrete Verabredungen. Auf diese Weise gelingt es uns, den Prozess der Integration zu intensivieren und gemeinsam weiterzuentwickeln.
Mir eröffnet diese enge Zusammenarbeit auch ein Verständnis für die Fragestellungen der unterschiedlichen Kulturgemeinden, und sie erweitert unseren Horizont für die positiven Wirkungen der eigenen Leistungen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder der Griechischen Gemeinde,
mit ihren vielfältigen Aktivitäten erfüllt die Griechische Gemeinde als diesjährige Preisträgerin die aufgestellten Kriterien der Jury für die Vergabe des Integrationsprei-ses in besonderem Maße.
Diese sind:
• Herausragendes berufliches,
• ehrenamtliches
• kontinuierliches und
• nachhaltig wirksames Engagement für die Sache der Integration.
Mit ihrem Engagement leistet die Griechische Gemeinde darüber hinaus bereits auch schon einen Beitrag zu denjenigen Themenfeldern, die wir auch im Rahmen des Modellprojektes Integration identifiziert haben - als diejenigen Bereiche, die wir in den nächsten Monaten weiter ausbauen und stärken werden:
Das ist die Selbstorganisation von Migrantinnen und Migranten ebenso wie ihre akti-ve bürgerschaftlicher Teilhabe; die Verbesserung der Bildungschancen sowie die Förderung von Gesundheit und die Krankheitsprävention.
Auch hier hat, wie man sieht, die herausragende Arbeit der Griechischen Gemeinde Offenbach und Umgebung e.V. durchaus wegweisende Themen in den Mittelpunkt ihrer Vereinsarbeit gerückt. Und sie ist ein gutes Beispiel dafür, was Kulturvereine heute schon für die Integration in unserer Stadt leisten und über viele Jahre geleistet haben.
Die Arbeit der Griechischen Gemeinde zeigt deutlich: Selbstorganisation und Eigen-initiative von Kulturvereinen sind ein wichtiges Pfund für erfolgreiche Integration in einer Stadtgesellschaft. Dieser Leistung sollten wir mehr Beachtung schenken und sie auf ihren Wegen in die Mitte der Stadtgesellschaft unterstützen, befördern und begleiten.
Ich bin davon überzeugt, dass wir auf diese Weise auch die Integrationsmaschine Offenbach noch leistungsstärker und effektiver machen können. Dazu haben wir uns verpflichtet – und dabei zähle ich auf Ihre Unterstützung.
Liebe Preisträger,
Ich freue mich, wenn diese Auszeichnung für sie Anerkennung und Ermutigung zugleich ist. Ermutigung, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Und ich danke Ihnen im Namen des Magistrats für Ihr ehrenamtliches Engagement und Ihre langjährige erfolgreiche Arbeit.
Bevor ich Ihnen die Auszeichnung verleihe, bitte um die Laudatio, die der Vorsitzen-de des Offenbacher Ausländerbeirates, Abdelkader Rafoud, halten wird.
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
Artikel drucken
Als PDF anzeigen