Wirtschaftsstandort im Wandel
Offenbach, den 27.03.2008Offenbach wurde Großstadt in einer Phase tief greifender Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur. Die Industrie, die bis zum Zweiten Weltkrieg zu einer erheblichen Vergrößerung der Bevölkerungszahl geführt hatte, begann sich zurückzuziehen. Strukturkrisen, verstärkte internationale Konkurrenz und auch Managementfehler waren die Ursachen für einen enormen Rückgang der einst führenden Leder- und Maschinenbaubranchen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass das Ende des Industriezeitalters bevorstand als Offenbach 1954 Großstadt wurde.
In weniger als einem Jahrzehnt hatte Offenbach nach dem Krieg den Aufstieg zur Großstadt geschafft. Die Zahl der Einwohner stieg zunächst von 70.000 (1945) auf 100.000 (1954), unterstützt durch den Zustrom der Flüchtlinge aus dem Osten. Der wirtschaftliche Aufschwung zog Arbeitskräfte erst aus Südeuropa und später aus dem gesamten Mittelmeerraum an. Mit 120.000 erreichte die Bevölkerungszahl im Jahr 1970 ihren bisherigen Höchststand. 1970 begann der Industriesektor auch in Offenbach zu schrumpfen.
Gab es zu Anfang der 1950er Jahre in Offenbach noch über 400 Lederwarenfirmen, so waren es 2002 weniger als ein Dutzend. Ihre Beschäftigtenzahl sank von ehemals mehr als 10.000 in den 50er Jahren auf gut 3.000 in den 70er Jahren. 2003 gab die Lederbranche in Offenbach nur noch 100 Menschen Arbeit.
In dieser Zeit verschwanden namhafte Produktionsfirmen, wie die Nähmaschinenfabrik Haid & Neu, die Schraubenfabrik Gebr. Heyne, die Lederwerke Mayer & Sohn, die Schleifmaschinenfabrik Friedrich Schmaltz, die Maschinenfabriken Collet & Engelhard und Hartmann AG. Diese Firmenschließungen waren sichtbare Zeichen des schmerzlichen Strukturwandels, der die Stadt in den 1970er Jahren hart traf und auch in den nachfolgenden konjunkturellen Schwächephasen zu sichtbaren Veränderungen führte.
Allein die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Offenbach verringerte sich nach 1970 innerhalb von 17 Jahren von fast 66.000 auf 56.000. Weitere 17 Jahre später, 2004, betrug sie circa 46.000. Ursache für diesen Verlust war hauptsächlich der Abbau von Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe. Im Bereich Stahl-, Maschinen- und Fahrzeugbau sank die Zahl der Beschäftigten zwischen 1970 und 1987 um 39 Prozent, im Bereich Elektrotechnik, Feinmechanik und EBM-Waren um 40 Prozent, in der Holz-, Papier- und Druckindustrie um 43 Prozent und in der Leder-, Textil- und Bekleidungsindustrie gar um 73 Prozent.
Die zunehmende Tertiärisierung, also die wachsende Bedeutung der Dienstleistungsbranche, auch im produzierenden Gewerbe, bot allerdings neue Chancen. So wurden das Gewerbegebiet Waldhof, in dem inzwischen mehr als 200 Betriebe ansässig sind, und der zukunftsorientierte Dienstleistungsstandort Kaiserlei entwickelt. Es entstanden das Hochhaus der Kraftwerk Union AG / KWU, das Gebäude des Wetterdienstes, das Haus der Firma Honeywell.
Mit dem Bau des Omega-Hauses Anfang der 1990er Jahre und nicht zuletzt mit der Einweihung der S-Bahn gewann diese Entwicklung an Tempo. Weitere Büro- und Geschäftshäuser im Kaiserlei, an der Berliner Straße und auch in der Innenstadt kamen hinzu. Allein in den vergangenen zehn Jahren wurde links und rechts der neuen S-Bahn-Strecke mehr als eine Milliarde Euro investiert.
Bereits zwischen 1970 und 1987 hatte sich das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Beschäftigten im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor nahezu umgekehrt. Nahm 1970 der produzierende Sektor noch einen Anteil von 56 Prozent und der Dienstleistungssektor einen Anteil von nur 38 Prozent ein, so lagen die Werte 1987 im produzierenden Bereich bei 38 Prozent und im Dienstleistungsbereich bei 62 Prozent. Rechnet man die Dienstleistungsaufgaben hinzu, die im produzierenden Sektor einen erheblichen Anteil einnehmen, aber statistisch nicht gesondert ausgewiesen werden, ergibt sich bereits für 1987 ein Anteil der Dienstleistungen an der Gesamtbeschäftigung von 77 Prozent.
Heute liegt dieser Wert mit über 80 Prozent noch weit höher. Die veränderte Nutzung ehemaliger Industrieanlagen veranschaulicht diesen Wandel: Auf dem früheren Gelände der Lederfabrik Meyer & Sohn entstand der Mainpark, ein hoch verdichteter Wohnkomplex.
Wohnraum wurde auch dort geschaffen, wo einstmals das Lederwerk Rügner oder die Lederwerke Becker produzierten. In der ehemaligen Hassia Schuhfabrik sind heute Agenturen, Ingenieurbüros und Gastronomie untergebracht. Mit der weiteren Entwicklung des Kaiserlei, der Innenstadt, des Hafens und des Güterbahnhofs werden insgesamt knapp eine Million Quadratmeter neue Bruttogeschossfläche für Dienstleistungsunternehmen zur Verfügung stehen.
Die Wirtschaftsstruktur Offenbachs ist heute, gut 50 Jahre nach dem Aufstieg zur Großstadt, modern und dienstleistungsorientiert.
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
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