Haus der Stadtgeschichte eröffnet Museumsabteilung „Kunst der Moderne“
Offenbach, den 31.03.2011, letzte Bearbeitung: 28.04.2011„Die jetzige Erweiterung des Haus der Stadtgeschichte ist ein weiterer wichtiger Meilenstein für das Kulturkarree“, freut sich Oberbürgermeister Horst Schneider. Denn durch die Verlegung der Bildstelle nach Dreieich standen im 2. Obergeschoss des historischen Bernardbaus 400 Quadratmeter zur Verfügung, die jetzt dem Haus der Stadtgeschichte zu Gute kommen. „Damit“, so Dr. Marcus Frings, der die neue Museumsabteilung „Kunst der Moderne – Grafische Sammlung“ des Hauses kuratiert und betreut „haben wir mehr Raum zur Präsentation, mehr Platz für die Sammlung und damit für eine Erweiterung des Profils“. In der ersten Ausstellung würdigt Frings mit den Arbeiten Erich Martins einen der bedeuteten Maler Offenbachs, dessen Nachlass als Dauerleihgabe dem Haus der Stadtgeschichte übergeben wurde.
„Seit dem Umbau habe ich keine Angst mehr vor der Pinselsanierung“, meint Frings lachend. Denn die gesamten Planungen standen unter der Prämisse, die neuen Räume mit möglichst geringem Aufwand zugänglich zu machen. Gemeinsam mit dem Architekten und HfG-Dozenten Martin Krämer ist es gelungen, bei der Gestaltung der neuen Räume ohne größere Umbaumaßnahmen an die Darstellungslinie des Hauses der Stadtgeschichte anzuknüpfen. An den Ausstellungsraum schließen sich nun Büro- und Magazinräume an. Die mit 125 Quadratmeter größte Fläche bietet Platz für das Grafikdepot mit zahlreichen Druck- und Handzeichnungen. Perspektivisch soll auch die umfangreiche Sammlung der Senefelder Stiftung dort Platz haben. Der Zugang zu diesen neuen Räumen erfolgt über den Innenhof durch das Treppenhaus B, die Eigentümer des gesamten Gebäudekomplexes wollen demnächst einen Aufzug einrichten, der die ebenfalls dort ansässige Jugendkunstschule sowie den Naturkundeverein barrierefrei erreichbar macht.
Der 80 Quadratmeter große Ausstellungsraum wurde mit Unterstützung des Hessischen Museumsverbandes mit speziellen Vitrinen und Beleuchtung ausgestattet, die Stadt Offenbach hat sich mit 25.000 EURO an den Gesamtkosten in Höhe von 70.000 EURO beteiligt. Momentan werden noch letzte Arbeiten ausgeführt: „Die Fensterverschattungen werden morgen angebracht“, erklärt Museumsleiter Dr. Jürgen Eichenauer. Diese sorgen für die notwendigen niedrige LUX-Werte, um die empfindlichen Grafiken vor Licht zu schützen. Gleichzeitig unterstützen sie die Präsentation der Arbeiten, die in einem großen Schaukasten die Wandfläche füllen.
Farbenfroh und harmonisch komponierte Ölbilder der frühen Schaffensphase Erich Martins haben die Ausstellungsmacher ausgewählt, in den Vitrinen warten Druckgraphiken und Zeichnungen auf Besucher. Dass der 1905 in Büdingen geborene Maler und spätere Schüler Prof. Throlls an der Offenbacher Kunstgewerbeschule (heute HfG) zeichnerisches Talent besaß, beweist eine Zeichnung, die Martin als Elfjähriger anfertigte: der Blick in ein Bergtal mit Bleistift festgehalten, offenbart ein gutes Gefühl für „den goldenen Schnitt“ und die perspektivengerechte Linienführung. In den 1930er Jahren beherrscht eine kubistisch-abstrakte Kunstsprache auch die Arbeiten Martins, jedoch bleibt er trotz aller Abstraktion der gegenständlichen Darstellung treu: Bäume, Natur, Architektur und das Leben in der Stadt prägen die Themenwelten seiner Bilder.
Insgesamt 300 Werke aus dem Nachlass Erich Martins haben als Dauerleihgabe seines Sohns Peter Martin ihren Platz im Bernardbau gefunden. Diese werden der Öffentlichkeit nun nach und nach zugänglich gemacht. Frings plant, die jetzige Ausstellung sukzessive um andere Offenbacher Künstler zu erweitern, die ebenfalls zu den Repräsentanten der Moderne gehören. Damit schließt die Abteilung im 2. Obergeschoss des Bernardbaus nahtlos an das Gemäldekabinett des Haus der Stadtgeschichte im Erdgeschoss an, die dort ausgestellten Arbeiten datieren bis 1910/1915.
Die neue Museumabteilung „Kunst der Moderne – Grafische Sammlung“ mit der Ausstellung der Öl- und Temperabilder, Zeichnungen und Drucke, Skizzen und Dokumente des Offenbacher Malers Erich Martin wird am Sonntag, den 3. April durch Oberbürgermeister Horst Schneider eröffnet. Im Anschluss ist die Ausstellung Mittwoch 14.00 bis 18.00 Uhr und Donnerstag 10.00 bis 13.00 Uhr sowie nach Vereinbarung zu sehen.
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