Zeitgemäße Präsentation in historischem Ambiente
Offenbach, den 21.04.2008, letzte Bearbeitung: 23.04.2008Das Haus der Stadtgeschichte ist die jüngste Offenbacher Kulturinstitution: Stadtmuseum und Stadtarchiv wurden zusammengeführt. Das Haus der Stadtgeschichte residiert seit 2004 im Bernardbau, einem 1896 fertig gestellten Gebäudekomplex mit Verwaltungs- und ehemaligen Fabriketagen. Als einstiger Produktionsort der 1733 gegründeten Tabakfabrik der Familie Bernard ist jene denkmalgeschützte Anlage selbst von stadtgeschichtlicher Bedeutung. Der Name Bernard steht sowohl für eine kulturell bedeutende Familie als auch für Offenbachs wirtschaftliche Prosperität seit dem 18. Jahrhundert.
An diesem Ort sind nach Entwürfen der Hochschule für Gestaltung (HfG) auf 576 qm Fläche die derzeit modernsten Ausstellungsräume der Region entstanden. In schneeweißen, neukonzipierten Vitrinen zeigt die Schausammlung die frühesten Funde des späteren Offenbacher Territoriums, steinzeitliche Artefakte, danach bronze- und eisenzeitliche Funde, ehe die Römerzeit anbricht. Weitere Stationen behandeln die Epoche der Völkerwanderung und der Franken sowie das Mittelalter: in das Jahr 977 fällt Offenbachs Ersterwähnung. Es folgt die Stadtentwicklung, die mit verschiedenen Modellen, etwa des Isenburger Schlosses oder den großflächigen Stadtansichten der Jahre 1800 und 1850 dokumentiert ist. Stelen mit Hauptinformationen zu den Epochen sind nach einem Farbmuster angelegt, dessen jeweilige Abstufung die Chronologie der Zeiten unterstreicht. Die Stelen bieten weitere Informationstafeln, direkt für die Hand, ehe Bildlegenden als letzte Verästelung der aufgezeigten Informationen in Erscheinung treten.
Zusätzlich gibt es ein virtuelles Museum, in welchem stadtgeschichtlich wichtige Photographien, Filme und Dokumente, wie beispielsweise die Privilegien der Offenbacher Hugenotten (1705) oder der in Offenbach gedruckte „Hessische Landbote“ (1834), zugänglich gemacht werden. Im Anschluss an die Stadtentwicklung stellt der folgende Raum wichtige Stationen der Offenbacher Industriegeschichte dar, beispielsweise Eisenkunstguss, Lederverarbeitung und Lederwaren sowie Tabakverarbeitung. Mittelpunkt dieser Darstellungen ist ein funktionsfähiger Nachbau der Lithographen-Presse von Alois Senefelder, der im Jahr 1800 für den Offenbacher Musikalienhändler André die weltweit erste kommerziell tätige Steindruckerei einrichtete.
Ebenfalls in der unteren Etage des Museums befindet sich für Wechselausstellungen und andere Veranstaltungen die historische Industriehalle. In der oberen Etage des Museums wird der Besucher eingeladen, ein den Raum gliederndes, aus Ebenen und Schaukästen zusammengesetztes Themenplateau als Sitzgelegenheit zu nutzen, welches mit Präsentationen, Informationen, Objekten ausgestattet ist. Der Raum erhält durch seine Einrichtung mit veränderbaren Gestaltungselementen den Charakter einer stets im Aufbruch befindlichen, sich wandelnden Szenerie. Dort sind mit den Offenbacher Fayencen und dem d’Orvilleschen Puppenhaus von 1757 weitere, stadtgeschichtlich bedeutsame Exponate zu sehen. Dieser Teil des Museums zeigt Exponate zu verschiedenen Schwerpunkten, beispielsweise zu Hugenotten und Juden in Offenbach, zur Goethezeit und zu weiteren überregional bedeutenden Themen. Auch eine Gemäldegalerie mit Werken Offenbacher Kunst seit dem 18. Jahrhundert wurde hier eingerichtet.
Das Haus der Stadtgeschichte in der Herrnstraße ist ein weiterer wichtiger Baustein im innerstädtischen Kulturkarree, in dem mittlerweile fast alle städtischen Kultureinrichtungen untergebracht sind (Stadtbibliothek, Kulturamt, Zentrale Kulturverwaltung, Klingspor-Museum, Volkshochschule).
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