Zwei wichtige Ankäufe für die städtische Kunstsammlung – Verschlüsseltes Werk des Malers Leopold Bode (1831-1906)
Offenbach, den 18.02.2009Der Maler, Zeichner und Graphiker Leopold Bode, der am 11. März 1831 im Ludwig Andréschen Haus in Offenbach geboren wurde und am 26. Juli 1906 in Frankfurt verstarb, ist einer der wichtigsten Offenbacher Künstler des 19. Jahrhunderts. Ergänzend zum Erwerb von Graphiken aus Privatbesitz im Oktober 2008, wurden nun zwei Arbeiten aus dem Kunsthandel für die städtische Sammlung angekauft. Es handelt sich um ein Gemälde, das den Heiligen Christophorus zeigt, sowie um eine repräsentative Zeichnung, die als Darstellung der Heiligen Familie erworben wurde. Beide Werke, die aus den 1850er Jahren stammen, zeigen Bode als Vertreter eines späten Nazarenertums. So heißt die Kunstrichtung, die unter dem Eindruck säkularer Bestrebungen eine Erneuerung der deutschen Kunst im Geiste des Christentums forderte.
Der Maler, Zeichner und Graphiker Leopold Bode, der am 11. März 1831 im Ludwig Andréschen Haus in Offenbach geboren wurde und am 26. Juli 1906 in Frankfurt verstarb, ist einer der wichtigsten Offenbacher Künstler des 19. Jahrhunderts. Ergänzend zum Erwerb von Graphiken aus Privatbesitz im Oktober 2008, wurden nun zwei Arbeiten aus dem Kunsthandel für die städtische Sammlung angekauft. Es handelt sich um ein Gemälde, das den Heiligen Christophorus zeigt, sowie um eine repräsentative Zeichnung, die als Darstellung der Heiligen Familie erworben wurde. Beide Werke, die aus den 1850er Jahren stammen, zeigen Bode als Vertreter eines späten Nazarenertums. So heißt die Kunstrichtung, die unter dem Eindruck säkularer Bestrebungen eine Erneuerung der deutschen Kunst im Geiste des Christentums forderte.
Bemerkenswert ist die Zeichnung, die nach eingehender Untersuchung im Haus der Stadtgeschichte einen weitaus tieferen Sinngehalt zu erkennen gab, als der Ankauf unter dem Titel "Die Heilige Familie" vermuten ließ. Dargestellt ist nichts geringeres als der Übergang der antiken Welt zum Christentum. Denn die vermeintliche Figur des Joseph, die Dr. Jürgen Eichenauer als Personifikation eines antiken Baumeisters identifizierte, stützt ihren Arm auf Pläne eines Tempelgebäudes. Dort liegt auch ein Zirkel als weiterer Hinweis auf den Berufsstand. Christus, der in der Mitte des Bildes als Kind erscheint, setzt dem bereits ausgeführten Tempelgebäude ein Kreuz auf. Zur Rechten betrachtet Maria diese Handlung, während der antike Baumeister mit der Geste des Erstaunens bemerkt, daß er dieses wichtige Detail als Vollendung seines Tempels vergessen hat. Auf dem Bauplan unter seinem Arm fehlt das Kreuz. Vor dem Baumeister liegen Balken und eine Säge, die übergeordnet weniger als Berufsattribute, sondern mehr als Hinweis auf die Passion Christi zu sehen sind.
Die Bildaussage lautet: Das Kind, das der antiken Welt mit der Erkenntnis des Christentums die Erlösung schenkt, wird für diese Tat gekreuzigt werden. Zusätzlich betont wird der Übergang von der heidnischen Vergangenheit zur christlichen Zukunft durch die Darstellung des Baumeisters. Gegenüber der jugendlichen Maria und Christus als Kind ist mit der Darstellung des gelehrten alten Mannes eine Generationenfolge angedeutet. Eines war Leopold Bode wichtig: Die Leistungen der Antike, die das Fundament des christlichen Abendlandes geworden sind, sollen im Glauben der kommenden Epoche gewürdigt bleiben. So symbolisiert das streng geometrische Tempelgebäude, das mit dem Aufsetzen des Kreuzes zur Kirche wird, auch geometrische und mathematische Kenntnisse der Antike, die gemeinsam mit anderen Wissenschaften übernommen wurden.
Die erworbene Zeichnung bildet ein signifikantes Beispiel für Leopold Bodes Weltanschauung und sein Selbstverständnis als Maler, das in anderen Arbeiten in abgeschwächter Form anklingt. Mit der Neuzuweisung des Blattes, das nun unter dem Titel "Christus als Baumeister der Kirche" in die städtische Sammlung im Haus der Stadtgeschichte aufgenommen wird, ist die regionale Kunstgeschichte um ein weiteres Detail reicher geworden.
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
Artikel drucken
Als PDF anzeigen