„Das Lob der Freundschaft“ – mit der Sammlung Siegried Guggenheim durch das Jahr 2012
Offenbach, den 26.09.2011, letzte Bearbeitung: 06.10.2011„Auch wenn die Ausstellung vorbei ist, der Kalender bleibt“, freute sich Dr. Stefan Soltek, Leiter des Klingspor-Museums bei der Vorstellung des aktuellen Kalenders der Berthold-Druck GmbH. Bereits zum zehnten Mal widmet sich die Offenbacher Druckerei in ihrer Jahresgabe an Kunden einem historischen Thema der Stadt. Für Geschäftsführer Stefan Gey ist der Kalender daher „ein Ausdruck der eigenen handwerklichen Tradition, aber auch ein Bekenntnis zum Standort“.
Mit den „Offenbacher Ansichten“ legte die Druckerei 2001 den ersten Kalender ursprünglich nur für Kunden und Geschäftspartner auf, inzwischen liegt die Auflage bei 500 Exemplaren. Ein Teil der Auflage geht in den Verkauf: zum Einzelpreis von 15 EURO ist der Kalender im Buchladen am Markt, in der Steinmetzschen Buchhandlung sowie bei Thalia erhältlich. 10 EURO des Verkaufserlöses kommen dem jeweiligen Kooperationspartner der Druckerei zugute, die jedes Jahr ein anderes Thema aus der Offenbacher Geschichte auswählt.
Nach dem Haus der Stadtgeschichte mit seinem reichen Fundus historischer Aufnahmen und alter Dokumente widmet sich der Kalender im kommenden Jahr dem Klingspor-Museum. Die Offenbacher Haggadah, das Liturgiebuch jüdischen Glaubens, habe ihn schon immer fasziniert, bekennt Gey. Gemeinsam mit Dr. Soltek hat er Arbeiten aus der umfangreichen Guggenheim-Sammlung ausgewählt, die dessen Leidenschaft für Schriftkunst zeigen, aber auch einen Einblick in die gelebte jüdische Tradition im Hause Guggenheim geben.
Der Rechtsanwalt und Notar Dr. Siegfried Guggenheim (1873- 1961) gilt als jüdischer Mäzen der Buch- und Schriftkunst. Er emigrierte 1938 aus Offenbach und lebte bis zu seinem Tod 1961 in New York. 1948 erhob ihn die Stadt Offenbach zum Ehrenbürger. Im Frühjahr 1907 lernte er bei der Gründungsversammlung des Offenbacher Vereins für Kunstpflege den Schriftgestalter Rudolf Koch kennen, mit dem ihn bald eine tiefe Freundschaft verband. Im Laufe der Jahre fertigten Koch und die Mitglieder der „Offenbacher Werkstatt“ als Auftragsarbeit oder auch Freundschaftsgabe zahlreiche Werke der Buch- und Schriftkunst sowie Ritualobjekte für die häusliche Sederfeier an Pessach. Eine kleine Auswahl der Ausstellung „Im Glauben an das Exquisite – Leben und Wirken von Siegfried Guggenheim“, die bis vor Kurzem im Klingspor-Museum zu sehen war, zeigen die zwölf Kalenderblätter „Das Lob der Freundschaft“.
Das Jahr beginnt mit einem Geburtstagsgruß von Rudolf Koch an Siegfried Guggenheim, in einer Zeichnung schüttet ein männlicher Engel ein Füllhorn mit Brot, Kartoffeln und allerlei guten Gaben aus. Ein Zeichen großer Dankbarkeit sei diese Arbeit, erläutert Dr. Soltek, denn ohne die Unterstützung Guggenheims hätten viele Künstler kein Einkommen gehabt.
„Ein grafisches Blatt mit räumlicher Dimension“, so der Leiter des Klingspor-Museums, ist der Linolschnitt „Gott ist Geist“ von Eugen Kuhn aus dem Jahr 1932, der im Februar zu sehen ist. Im März folgt „ein Prachtwerk“: Diese verzierte Fraktur auf Kalbspergament würde Dr. Soltek immer zeigen. In der Farb- und Formensprache des Expressionismus, aber auch einer Mischung aus Moderne und Mittelalterlicher Schrift präsentiert sich der April mit einer Handschrift zum Markus-Evangelium von Friedrich Hinrichsen von 1921. Das Kalenderblatt vom Mai zeigt „Der Psalter“ mit Tierdarstellungen, die folgenden Blätter widmen sich der gelebten jüdischen Tradition im Hause Guggenheim.
Das Passahfest beginnt mit dem Sederabend, einem feierlichen Essen, bei dem verschiedene symbolische Speisen und Handlungen an den Auszug aus Ägypten erinnern. Zentrale Bedeutung haben die Matzen, die ungesäuerten Fladenbrote. Denn der überraschende Auszug aus Ägypten ließ keine Zeit, um richtiges Brot herzustellen. Die Sederschüssel, die Carl Schäfer 1919 schnitzte und das von Berthold Wolpe 1925 hergestellte Waschbecken mit Kanne sind im August zu sehen, gefolgt von einer Aufnahme des Wandteppichs für die Sederfeier „Als Israel aus Ägypten zog…“ im September. Berthold Wolpe hatte diesen zwischen 1926 und 1928 entworfen, in lateinischer und hebräischer Schrift „erinnert er an die Selbstbestimmung des israelischen Volkes und ist gleichzeitig eine Vergewisserung des jüdischen Glaubens“, so Soltek. Dieser Teppich hing im Speisezimmer der Familie in der Tulpenhofstraße und sei, so der Museumsleiter, „auch ein gutes Beispiel für den kulturgeschichtlichen Beitrag Guggenheims“.
Als dieser 1938 ins Exil nach New York ging, nahm er alles mit. Inzwischen ist fast alles wieder in Offenbach, auch die Offenbacher Haggadah mit handkolorierten Holzschnitten von Fritz Kredel aus dem Jahre 1927 auf dem Kalenderblatt im Juli gehört zum Bestand des Klingspor-Museums und zeigt die Sederfeier.
Im November folgt Andersens Märchen vom standhaften Zinnsoldat in einer Handschrift von Friedrich Hinrichsen und einer Illustration von Fritz Kredel von 1920. Farbenfroh schließt das Jahr mit einer anderen Arbeit aus „Der Psalter“.
Der Kalender 2012 „Das Lob der Freundschaft – Die Sammlung Siegfried Guggenheim in Offenbach am Main“ der Berthold Druck ist für 15 EURO erhältlich.
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