"Überall Flammen!" erinnert an ein leidvolles Kapitel der Offenbacher Stadtgeschichte
Offenbach, den 06.10.2004, letzte Bearbeitung: 11.04.2008„Am Ende Stille über Trümmern“. Diese Worte umschreiben das schreckliche Resultat der Kriegsjahre 1940 bis 1945 in Offenbach und sie sind der Titel des letzten Kapitels in dem Buch „Überall Flammen! Offenbach im Bombenkrieg“. Der Lokalhistoriker und Publizist Lothar R. Braun und Stadtarchivar Hans-Georg Ruppel dokumentieren in Texten und Bildern die Chronologie der Luftangriffe,
bei denen insgesamt 467 Menschen ums Leben kamen und 4887 von 8090 Offenbacher Gebäuden beschädigt oder zerstört wurden.
Texte und Bilder des Buches sind aus einer Serie in der Lokalzeitung Offenbach-Post entstanden, in der Zeitzeugen ihre leidvollen Erinnerungen an die Bombennächte schilderten. Lothar R. Braun, der die Zeitzeugenberichte für das Buch ausgewählt und bearbeitet hat, ahnt ebenso wie sein Co-Autor Hans-Georg Ruppel, wie schwer es den Betroffenen gefallen sein muss, jene Eindrücke in Worte zu fassen, die sich in ihrer Kindheit und Jugend so schmerzlich ins Gedächtnis eingegraben haben. In etlichen Familien wirken der Verlust von Angehörigen oder Freunden, die Zerstörung ihres Heims oder ihrer Arbeitsstätte bis heute nach. „Ihr Gehör speicherte das Geheul von Sirenen und das Bellen von Abwehrgeschützen. Es weiß noch, wie das dröhnt, wenn sich Hunderte von Flugzeugen gleichzeitig nähern. Wie Bomben pfeifen und wie es sich anhört, wenn Straßenzüge niederbrennen. Und ihr Geruchssinn hat nie vergessen, wie eine niedergebrannte Straße riecht“, heißt es in der Einleitung.
Das Buch ist ein Stück Offenbacher Stadtgeschichte. Es behandelt die Erlebnisse von Offenbacher Familien und erklärt Zugezogenen, wie es zu dem heutigen Stadtbild gekommen ist. „Es gibt Städte, die weitaus mehr erlitten haben“, betonen die Autoren und verweisen dabei nicht nur auf Hamburg oder Köln, sondern auch auf ausländische Städte, die unter deutschen Luftangriffen zu leiden hatten. Doch sei das Leid immer eine individuelle Erfahrung. Sie für nachfolgende Generationen festzuhalten, war das Ziel der Autoren.
Den bis dahin schwersten Luftangriff des Zweiten Weltkriegs erlebte Offenbach am frühen Abend des 20. Dezembers 1943. 78 Menschen starben, 15.000 wurden binnen Stunden obdachlos. Große Teile der Altstadt wurden in Schutt und Asche gelegt. Das Büsingpalais, das damals als Rathaus diente, sowie das Isenburger Schloss wurden schwer getroffen. Rund drei Monate später dann der furchtbare Höhepunkt: Am Abend des 18. März 1944 wird um 21.13 Uhr Fliegeralarm ausgelöst. Kurz darauf werfen 749 Flugzeuge mehr als 3000 Tonen Bomben auf die Stadt. „Als um 22.50 Uhr die Entwarnung kam, war die Altstadt in Flammen aufgegangen“, heißt es in dem Buch. 1121 Wohnhäuser waren in knapp zwei Stunden schwer beschädigt oder zerstört.
Stadtarchivar Ruppel erinnert auch an die 53 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die bei den Luftangriffen auf Offenbach ums Leben kamen und denen die Stadt auf dem Neuen Friedhof einen Gedenkstein errichtet hat. Im Unterschied zu den so genannten „Westarbeitern“ hätten die „Ostarbeiter“ keinen Zutritt zu den Luftschutz-Bunkern gehabt, berichtet Ruppel.
Doch bei allem Grauen enthält das Buch auch Anrührendes – wie die Geschichte eines damals 15-Jährigen aus Hanau, für den der Wiederaufbau und seine Liebe zu Offenbach mit einem Leberwurstbrot begannen.
Das Buch „Überall Flammen! Offenbach im Bombenkrieg 1940 bis 1945“ ist im Wartberg-Verlag erschienen (ISBN 3-8313-1477-2) und umfasst 48 Seiten. Zum Preis von zehn Euro ist es im Buchhandel und in den Geschäftsstellen der Offenbach-Post erhältlich.
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
Artikel drucken
Als PDF anzeigen