Die 1990iger und 2000er Jahre
Offenbach, den 25.04.2008Die 1990er Jahre und die frühen 2000er werden in die Offenbacher Stadtchronik als Periode eines historischen Umbruchs eingehen. Eingetreten ist die Stadt in diesen Abschnitt noch mit der Prägung, die sie etwa zwischen 1850 und 1950 erhalten hatte.
Noch um 1960 montierte Offenbach an seinen Stadteinfahrten Schilder, auf denen es sich als „Industriestadt“ bezeichnete. In der Tat zeigte es sich damals noch als typische Fabrik- und Arbeiterstadt.
Der Schwerpunkt der Wirtschaft lag in der gewerblichen Produktion. Das Stadtbild beherrschten Bausünden aus der Periode einer stürmischen Industrialisierung, und das Sozialgefüge erwies sich als überempfindlich gegenüber jedweder Wirtschaftsschwankung.
Der Umbau setzte nach 1990 ein. Dabei ließ sich ein Schub nutzen, den der Anschluss der Stadt an das rhein-mainische S-Bahn-Netz bewirkt hat. Gegen äußere
Widerstände – und gegen Zweifel auch im Inneren – war es der lokalen Politik gelungen, die unterirdische Trassenführung durch das Stadtzentrum durchzusetzen.
Vom östlichen Hanau, vom südlichen Vorfeld im Landkreis Offenbach und vom Frankfurter Zentrum im Westen trennen den Offenbacher Stadtkern nur noch Minutendistanzen. Die Schienenverbindung mit dem Kontinental-Flughafen Frankfurt ist zu einer 25 Minuten-Strecke geworden.
Das rückte Offenbach in das Blickfeld der Investoren. rivates wie institutionelles Kapital erkannte seine Möglichkeiten und Chancen an der S-Bahn-Trasse. Und die Stadt hat mit diesem Anreiz zu arbeiten verstanden.
Das Offenbacher Rathaus förderte den Trend durch eine für Kommunen ungewöhnlich flexible Servicebereitschaft. Inzwischen genießt die Stadt den Ruf, Bauanfragen und Bauanträge in kürzesten Zeiträumen zu bearbeiten.An der westlichen Stadtgrenze, rund um die S-Bahn-Station Kaiserlei, konnte mit der Stadt Frankfurt Einvernehmen über die städtebauliche Nutzung des Grenzgebiets hergestellt werden. Mit S-Bahn-Halt und Autobahn-Anschluss vor der Haustür entsteht dort ein Stadtteil von überregionalem Gewicht, der hochwertige Dienstleistungs-Unternehmen konzentriert.
Es ist wohl in diesem Zusammenhang zu sehen, dass in Offenbach noch nie so viele Hotels eröffnet worden sind wie in den Jahren nach 1990. In der Tat weist die Statistik des Beherbergungsgewerbes eine ständig wachsende Zahl von Übernachtungen aus.
Schon Mitte der 90er Jahre hatte Offenbach sich als attraktiver Standort etabliert – mitten im Rhein-Main-Gebiet, nahe der Kernstadt Frankfurt, aber zu Bedingungen, die vielfach als günstiger gelten. Als nicht minder erfolgreich erwiesen sich die Bemühungen, Offenbach auch als Wohnsitz aufzuwerten. Die Ausweisung und Erschließung neuer Baugebiete bewirkte sanfte Korrekturen der Sozialstruktur.
Einige sogenannte soziale Brennpunkte lösten sich auf, ohne dass es die Öffentlichkeit beschäftigt hätte. Als stummer, aber anhaltender Prozess zeigt sich eine Nebenwirkung des Stadtumbaus. Anschaulich wird in der Innenstadt das Bedürfnis von Hauseigentümern, ihre Immobilie aufzuwerten. Renovierungen lassen das Verlangen erkennen, an das attraktiver gewordene Umfeld Anschluss zu halten.
In der einstigen Industriestadt sind Fabrikräume zu Lofts geworden, zu Studios, Ateliers und Denkwerkstätten. Wo früher Maschinen lärmten, klacken nur noch sanft die Anschläge von PC-Tastaturen. Wo Bausünden der Vergangenheit zu beklagen waren, türmt ein neuer Gestaltungswille Eleganz auf. In der Spanne von weniger als einer Generation hat Offenbach sein Erscheinungsbild verändert.
Lothar R. Braun
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
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