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Stolperstein für Johanna Hirschen, geb. Levi, und Hermann Hirschen

FRankfurter Straße 6
63065 Offenbach

Der Kaufmann Hermann Hirschen war mit seinem Herrenkonfektionsgeschäft in der Frankfurter Straße 6, vor allem aber mit seiner originellen Werbung in den 1920er-Jahren eine stadtbekannte Offenbacher Persönlichkeit.

Geboren wurde er am 16. Dezember 1876 in der galizischen Stadt Kolbuszowa als Sohn des Kurzwarenhändlers Schoja Hirschen und seiner Frau Raisel, geb. Weil. Als 13-jähriger begann er bei seinem Onkel Heinrich in München eine kaufmännische Lehre. Hier ist er um 1900 auch als „Gesangshumorist“ aufgetreten.

Mit 27 Jahren kam Hirschen nach Offenbach und eröffnete 1903 sein Herrenbekleidungsgeschäft. Drei Jahre später heiratete er Johanna Levi, die am 26. Januar 1887 geborene Tochter des Bekleidungshändlers Seligmann Bernhard Levi und seiner Frau Elisabeth, geb. Nathan.

Am 11. Juni 1907 kam Kurt Bernhard, der einzige Sohn des Ehepaars, zur Welt. Mit seinem Konfektionsgeschäft war Hirschen sehr erfolgreich. In den 20er-Jahren brachte er sein komödiantisches Talent in seinen Werbeannoncen zur Geltung. Aktuelle Ereignisse des Weltgeschehens, aber auch lokale Begebenheiten und stadtbekannte Offenbacher waren Gegenstand dieser Inserate, die bald zur begehrten Lektüre der Offenbacher Zeitungsleser wurden.

Seine Beliebtheit bewahrte ihn allerdings nicht davor, zum Opfer antisemitischer Aktionen zu werden. Am 1. April 1933 wurde auch sein Laden Ziel des Boykotts jüdischer Geschäfte. Ein Jahr nach Beginn der NS-Herrschaft, am 1. März 1934, gab Hirschen auf und schloss sein Geschäft. Im Anschluss an das Novemberpogrom 1938 wurde er verhaftet und vom 16. bis 28. November im KZ Dachau gefangen gehalten. 1941 mussten er und seine Frau in ein „Judenhaus“ in der Luisenstraße 84 ziehen.

Am 27. September 1942 wurden beide nach Theresienstadt deportiert. Johanna Hirschen starb dort am 18. August 1943, „vor Gram und völlig entkräftet“, wie ihr Ehemann nach dem Krieg aussagte. Er selbst überlebte die Jahre in Theresienstadt zwar, aber es war nicht mehr sein Leben, das er jetzt führte. Im April 1946 zog er zu seinem Sohn Kurt nach Schenectady im US-Bundesstaat New York. Dieser war mit seiner Frau Margarethe, geb. Wolf, bereits vor 1938 nach Brüssel ausgewandert und nach dem deutschen Einmarsch in Belgien - auf abenteuerlicher Flucht durch Frankreich - schließlich 1941 in die USA gelangt. Hermann Hirschen konnte sich dort nicht mehr einleben. Er starb am 30. Oktober 1963 als ein verbitterter Mann.