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Stolperstein für Karl Kaufmann, Ruth und Lothar Kaufmann

Hohe Straße 35
63069 Offenbach

Karl Kaufmann und seine Frau wohnten mit ihren Kindern Ruth und Lothar seit 1927 in der Hohe Straße 35. Für die Nationalsozialisten galten sie als „jüdisch versippt“, als „Bastarde“ und „nichtarische Mischlinge“.

Karl lebt als Sohn eines jüdischen Händlers seit 1911 in Offenbach a.M., nimmt als „Frontkämpfer“ am I. Weltkrieg teil und heiratet 1923 eine evangelische Offenbacherin. Ihre beiden Kinder gehören wie Karl zur Israelitischen Religionsgemeinde. Schon bald ist es Karl unmöglich, weiter als Textilkaufmann zu arbeiten. Er muss die Familie als Hilfsarbeiter durchbringen, ständig den Arbeitsplatz wechseln, um ja nicht aufzufallen, ohne Sozialversicherung und Krankenkasse.

Als die Devisenstelle Ende 1939 seines Vermögens habhaft werden will, ist die Familie längst pleite und lebt von der Unterstützung der jüdischen Gemeinde. Ruth muss die Schule verlassen und auf die Jüdische Bezirksschule wechseln. Lothar erhält erst gar keine Chance, auf einer öffentlichen Schule angemeldet zu werden. Als Nichtuniformierte während der Pogromnacht 1938 die Wohnung der Kaufmanns verwüsten, haben sie diese längst aus Angst verlassen.

Karl wird dennoch kurz darauf festgenommen und im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Er wird entlassen, nachdem er sich verpflichtet hat, Deutschland zu verlassen. Die Eltern bringen ihre beiden Kinder sofort nach Lüttich zu Verwandten, während sie händeringend auf ein Affidavit warten, eine Bürgschaft von Verwandten, die es ihnen erlaubt, in die USA einzureisen. Als Karl das Affidavit endlich in Händen hält, beginnt der Krieg, und die Wehrmacht marschiert in Belgien ein.

Ruth und Lothar versuchen noch, nach Nordfrankreich zu entkommen. Doch ihr Flüchtlingstreck wird von deutschen Flugzeugverbänden unter Beschuss genommen. Im deutschen Kugelhagel sterben sie am 23. Mai 1940 zwischen Lille und Arras im Alter von 9 und 14 Jahren. Karl und seine Frau müssen mit Rosenbergs, bei denen sie zwischenzeitlich Zuflucht gefunden haben, 1941 die Hohe Straße 35 verlassen und kommen in die Luisenstr.82. Ohnmächtig müssen sie mitansehen, wie ihre Mitbewohner im September 1942 deportiert werden.

Noch gehört Karl zu den 33 Männern und Frauen aus „deutsch-jüdischen Mischehen“ in Offenbach a.M., die von den Deportationen zurückgestellt werden. Aber es dauert nur wenige Monate, dann beginnt die Gestapo in Hessen, auch diese zu verhaften. Ihnen wird vorgeworfen, den „Judenstern“ nicht getragen zu haben oder sich mit Nichtjuden in der Öffentlichkeit unterhalten zu haben. Sie kommen nach Darmstadt oder Frankfurt und von dort in die Arbeitserziehungs-, Konzentrations- und Vernichtungslager. Im Februar 1943 wird Karl mit seiner Frau in das Ghettohaus Domstraße 66 gepfercht und kurz darauf, am 14. März, verhaftet, in Schutzhaft genommen, in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und am 14. September dort ermordet.

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