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Stolperstein für Siegfried Löwenstein, Richard und Alice Löwenstein, geb. Friedberger, Margot und Jakob Löwenstein

Ludwigstraße 68
63067 Offenbach

Siegfried Löwenstein wurde am 10. Oktober 1868 in Offenbach geboren. Er heiratete am 4. Februar 1997 Johanna, geb. Heß. Sie verstarb am 11. September 1934. Sie lebten vom 18. Februar 1909 bis 14. Oktober 1909 in der Frankfurter Straße 76, danach wieder in der Ludwigstraße 68.

Siegfried Löwenstein war Eigentümer des Hauses Ludwigstraße 68 und Inhaber einer Kartonagenfabrik, deren Betriebsräume sich ebenfalls auf dem Gelände befanden. Er beschäftigte damals zwischen 11 und 20 Gehilfen. Siegfried Löwenstein wurde im November verhaftet und ab dem 16. November 1938 in Dachau inhaftiert. Er gehörte somit zu den fast 11.000 Juden aus Deutschland, die nach den Novemberpogromen in Dachau inhaftiert waren. Die meisten dieser Menschen wurden bis Mai 1939 nach und nach entlassen. In vielen Fällen wurden ihnen Häuser, Betriebe oder andere Vermögenswerte weit unter Wert abgepresst.

Wann er nach Offenbach zurück kam ist nicht belegt. Der Betrieb, der am 15. März 1897 eröffnet wurde, wird am 16. Dezember 1938 „abgemeldet“. Richard Löwenstein, der Sohn von Siegfried und Johanna Löwenstein wurde am 12. Oktober 1902 geboren. Er emigrierte am 26. Januar 1925 noch Turin und kehrte am 30. Dezember 1925 wieder nach Offenbach zurück. Als Beruf steht in der Meldekarte Zuschneider, Reisender.

Am 4. Juni 1930 heiratete er Alice geb. Friedberger. Alice Löwenstein wurde am 18. August 1903 in St. Wendel geboren. Sie lebten in der Ludwigstraße 68. Dort wurden am 29. August 1931 ihre Tochter Margot und am 14. Oktober 1934 ihr Sohn Jakob geboren. Es ist davon auszugehen, dass Margot und Jakob die Goetheschule besuchten. Das Haus in der Ludwigstraße 68 steht gegenüber vom heutigen Gebäude der IHK Offenbach.

1996 wurde nach elfjährigem Drängen endlich an diesem Gebäude eine Gedenktafel angebracht, die daran erinnert, dass sich dort ein Sitz der Gestapo war. Die Familie wohnte also gegenüber von einem Haus in dem im Gestapo- Keller Menschen gefoltert wurden.

Am 6. März 1939 zogen Siegfried, Richard, Alice, Margot und Jakob in die Domstraße 66. Es war sicher kein freiwilliger Umzug. Die Ludwigstraße 68 war also der letzte frei gewählte Wohnort. Am 30. September 1942 wurde die gesamte Familie von Darmstadt aus deportiert.

Siegfried Löwenstein wurde im Alter von 74 Jahren nach Theresienstadt gebracht. Er hat Theresienstadt nicht überlebt. Das Sonderstandesamt Arolsen bescheinigt: 22. Mai 1943 in Theresienstadt „verstorben“. Richard Löwenstein, kurz vor seinem 40. Geburtstag, Alice Löwenstein, 39 Jahre, Margot Löwenstein, 11 Jahre und Jakob Löwenstein 7 Jahre wurden von Darmstadt aus in das Vernichtungslager Treblinka transportiert. Sie haben Treblinka nicht überlebt.

Auf ihren Meldekarten steht: „am 8.5.45 Todeserklärung“.

Als Margot zwei Jahre alt war wählten in Offenbach 30,5% der Bevölkerung die Nationalsozialisten, die SA besetzte das Rathaus, der Boykott jüdischer Unternehmen wurde ausgerufen, im Hof des Isenburger Schlosses wurden Bücher verbrannt. Am 9./10. November 1938 war Margot 7 Jahre und Jakob war 4 Jahre alt. Wie haben die beiden Kinder die November-Pogrome und die Verhaftung des Großvaters erlebt? 1941 wurde der Zwang zur Kennzeichnung der Kleidung jüdischer Bürger mit dem gelben Stern verordnet, den auch Kinder ab dem vollendeten 6. Lebensjahr tragen mussten. Damals waren Margot 10 und Jakob 7 Jahre alt. Ihr kurzes Leben endete im Vernichtungslager Treblinka.

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