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Stolperstein für Georg Kaul

Bieberer Straße 269
63071 Offenbach

Georg Kaul wurde am 11.8.1873 in Schlesien geboren. Er kam 1910 nach Offenbach, um für die sozialdemokratische Zeitung „Offenbacher Abendblatt“ zu schreiben. Bis 1932 blieb er in seinem Beruf aktiv.
Gleichzeitig war er ein viel gefragter Redner in Volksversammlungen und Gewerkschaftsver-anstaltungen.

Nach der November-Revolution von 1918 übernahm Georg Kaul den Vorsitz im Arbeiter- und Soldatenrat. Als erste Maßnahme des Rates verkündete Kaul die Einführung des Acht-Stunden-Tages in Offenbach.
1919 wurde er in die Hessische Volkskammer gewählt. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Landtag führte er den Vorsitz der SPD-Fraktion.

Täglich warnte er in „seiner“ Zeitung vor dem Aufkommen des Faschismus. Die Machtübernahme der Nazis stürzte ihn in tiefe Verzweiflung. Als er erlebte, wie ehemals aktive Gewerkschafter mit der NS-Arbeitsfront im gleichen Zug zur Maifeier marschierten, brach für ihn eine Welt zusammen.

In der Wohnung der Familie Brand in der Bieberer Straße 269, wo Kaul zuletzt zur Untermiete wohnte, führte er in der Nacht zum 2. Mai 1933 eine hitzige Debatte mit einigen seiner Genossen. Im Zustand höchster Erregung verabschiedete er sich.

Danach entschloss er sich zum Suizid durch Einnahme von Gift in seinem Tee. Er starb am 2. Mai im Offenbacher Krankenhaus. Seine letzten Worte in einem Abschiedsbrief: „Für so viel Gesinnungslumperei schäme ich mich. Ich werde versuchen zu gehen.“

Paten des Stolpersteins für Georg Kaul sind die Historische Kommission der SPD und die Gewerkschaft Ver.di
Verlegt am 25. Februar 2006